Im Bardenflether Oldtimer-Museum sind auch historische Fahrräder, Mopeds und eine Lloyd-Limousine zu sehen

Der Borgward ist das Prunkstück

Mit einem cremefarbenen Borgward Isabella TS fing die Sammelleidenschaft an. Seitdem haben sich Helga Becker und Peter Humpe hinter dem Deich in Bardenfleth ein kleines Oldtimer-Museum aufgebaut. Borgward, Trabant oder Lloyd-Limousine, gepaart mit historischen Fahrrädern und Mopeds gleich neben antikem Geschirr und alten Kaffeemühlen – sehenswert für Besucher und gleichzeitig eine Fundgrube für Stöberwillige.
22.07.2013, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Volker Kölling
Der Borgward ist das Prunkstück

Helga Becker und Peter Humpe haben ihren Borgward Isabella immer angemeldet. Mit ihm begann nicht nur die Sammelleidenschaft des Paares. Mit dem Oldtimer wird auch manches Brautpaar zur Hochzeit gefahren. Für runde Geburtstage war das Fahrzeug ebenfalls schon im Einsatz.

Mit einem cremefarbenen Borgward Isabella TS fing die Sammelleidenschaft an. Seitdem haben sich Helga Becker und Peter Humpe hinter dem Deich in Bardenfleth ein kleines Oldtimer-Museum aufgebaut. Borgward, Trabant oder Lloyd-Limousine, gepaart mit historischen Fahrrädern und Mopeds gleich neben antikem Geschirr und alten Kaffeemühlen – sehenswert für Besucher und gleichzeitig eine Fundgrube für Stöberwillige.

Bardenfleth. Die Autobiografie von Helga Becker und Peter Humpe ist noch gar nicht so lang: Vor sechs Jahren entdeckten sie auf einer Messe den cremefarbenen Borgward Isabella TS und waren sich sofort einig, dass das ihr Wagen werden musste. Kurz darauf begann das Rentnerpärchen mit dem Aufbau eines kleinen feinen Oldtimer-Museums in Bardenfleth gleich hinter dem Deich.

"Da kam damals ganz schnell noch ein beiger Trabi von Peter dazu, und plötzlich standen unsere neuen Autos vor unseren Garagen und wir mussten im Winter Eis kratzen," erinnert sich Helga Becker daran, wie die Suche nach einer Abstellmöglichkeit begann. In der Deichstraße 215, von der Motzener Fähre kommend gleich links rein, übernahmen die beiden schließlich zusammen einen heruntergekommenen Hallenkomplex, der schon zwölf Jahre leer gestanden hatte. "Eine Bruchbude", wie sich beide mit Schauern erinnern. Gut 100000 Euro später ist alles in weiß getüncht, das Dach hält wieder dicht, die Halle steht voller Autos, und vorne lädt ein gemütliches Café Besucher auf selbst gemachten Kuchen ein, wenn das Museum geöffnet ist.

Der 75-PS-Motor der Isabella braucht ein paar Anlasserumdrehungen, bevor er hustend anspringt und einen fast vergessenen Geruch in die Halle entlässt: Klar, so roch es, als das Benzin noch verbleit war. "Ich gebe nur einen Schuss dazu, damit der Motor nicht so leidet," erklärt Peter Humpe die Verwendung eines Additivs. Er kurbelt mächtig am Steuerrad, um die Schönheit mit den Weißwandreifen aus der Halle auf den Hof zu fahren. Der Borgward ist immer angemeldet. Humpe fährt damit Brautpaare zur Hochzeit und manchen, der einen runden Geburtstag feiert: "Dafür habe ich eigentlich nie groß Werbung gemacht. Es spricht sich herum, dass wir hier so einen Wagen haben."

Der Borgward hat den Blick frei gegeben auf ein hellblaues Mercedes Cabrio 250 SL mit dem Baujahr 1966. Dieses Zweisitzer-Schätzchen ist lange in Kalifornien unterwegs gewesen und komplett rostfrei. Peter Humpe: "Sein Besitzer will ihn jetzt verkaufen. Den können Sie sofort mitnehmen, wenn Sie 32000 Euro dabei haben." Zweidrittel der Fahrzeuge gehören anderen Oldtimer-Liebhabern, die sie hier unterstellen. Ein British Leyland ist gerade unterwegs, aber ein besonderes Prachtstück ist bei dem sommerlichen Schauerwetter lieber in der Halle geblieben: ein rot-schwarzer Horch/DKW, Baujahr 1935 mit 20 PS. "Das hier hinten nennt man Schwiegermuttersitz, den konnte man im Heck verschwinden lassen," lacht Helga Becker.

Vier Ringe zieren die Vorfahren eines jeden modernen Audis. Das Tachometer endet bei 100 Stundenkilometern. Laut Helga Becker gibt es von diesem Fahrzeug kein zweites Exemplar mehr. Peter Humpe zeigt das Cockpit des Oldies mit jeder Menge heller und unerklärlicher Knöpfe und erklärt die Revolverschaltung: "Der Wagen war im vergangenen Jahr ausgeliehen für eine Oldtimerschau von Audi. Danach wollte VW ihn für das Museum in Wolfsburg kaufen, aber der Besitzer hat abgewunken." Als Humpe die Vordertür des Cabrios schließt, klingt es dumpf nach einer Sorte Blech, wie sie heute nicht mehr verarbeitet wird.

Ein kleiner roter Bremer versteckt sich fast hinter den Riesenschwellern des Cabrio-Unikats: eine Lloyd-Limousine mit 25 PS. Für Helga Becker als Führerscheinjahrgang 1963 ein Fahrzeug mit vielen persönlichen Erinnerungen: "Den Lloyd sind wir damals gefahren. Das war ein Auto, das man sich anfangs leisten konnte." Den kleinen Borgward haben sie auf einer Bremer Messe entdeckt und generalüberholen lassen. Peter Humpe: "Der fährt sich nicht schlecht. Das Auto ist schön klein und handlich und war in den 1960er- und 1970er-Jahren überall unterwegs."

In einem Seitenraum steht gar noch ein zweiter Lloyd vor einem Schwarzweiß-Plakat eines Küstenmotorschiffs, dass mit einer ganzen Decksladung von Borgwards Richtung Schweden unterwegs ist. "Bevor das in unseren Borgward-Club kam, war erst einmal darüber abgestimmt worden," erinnert sich Humpe. Mit weiteren Oldtimer-Freunden kommt man Ende Juli zum Borgward-Treffen auf dem Bremer Marktplatz zusammen. Außer im Borgward-Verein sind die beiden Bardenflether Museumsdirektoren auch noch im Oldie-Club Syke. Zumeist einmal im Jahr treffen sich die Oldtimerfans auf ihren Ausfahrten auch in Bardenfleth und besuchen das Museum. "Wir hatten aber auch schon den Heinkelclub hier und Treckerfreunde. Und natürlich legen viele Leute während ihrer Radtouren den Deich entlang bei uns einen Zwischenstopp ein," stellt Helga Becker zufrieden fest.

Eintrittsgeld nimmt das Paar nicht, aber Spenden sind immer gern gesehen für all die kleinen Ausbesserungsarbeiten, die an der Halle aus dem Jahr 1937 immer wieder anfallen. Eine Stunde ist in dem Museum schnell vorbei. Erst recht, wenn auch noch die flache Flohmarkthalle entdeckt worden ist. "Flohmärkte sind ein weiteres Hobby von uns und da haben wir gedacht, dass wir hier drin einen aufmachen."

In der Flohmarkthalle stapelt sich antikes Geschirr neben Büchern oder elektrischen Geräten und Schlittschuhen – eine Fundgrube. Helga Becker: "Und glauben sie mal nicht, dass hier nur Frauen stöbern. Die Männer können das inzwischen genauso gut."

An historischen Fahrrädern, Mopeds und einem BMW-Motorrad mit fast 400 Kilogramm Gewicht vorbei, geht es in die Deutschlandhalle: Hinter Trabi und Wartburg hängen die alte Nationale der DDR sowie Porträts der Volksgenossen Ulbricht und Honecker. Peter Humpe erzählt Honecker-Witze und meint, dass er das wegen der deutsch-deutschen Geschichte einfach sammeln musste: "Und das ist der Anhänger, der im Volksmund den Namen Klaufix hatte. Der hing voll geladen mit Tauschware am Trabant. Damit fuhr man dann über Land."

Die beiden Käfer von VW hat ein Nachbar gerade neu in die Ausstellung gebracht. Humpe: "Ein Cabrio und ein geschlossener Käfer. Da kann sich der Besitzer je nach Wetterlage entscheiden, welchen Wagen er fahren will." Vorne im Café gibt es noch einmal ein Flugblatt: Die Besichtigung des Museums ist jederzeit nach Absprache möglich, steht da zu lesen ( Telefon Peter Humpe 04406/1353 oder Helga Becker 04406/719).

Dann die Entdeckung beim Blick auf die Bilderrahmen an der Wand. Helga Becker kann in Sachen Oldtimer sogar auf eine Familien-Autobiografie verweisen: Da steht ihre Mutter im Jahr 1931 als frisch gebackene Führerscheininhaberin neben der Opel-Limousine des Vaters: "Wir versuchen allerdings immer noch herauszufinden, was für ein Modell es genau gewesen ist." Um das herauszufinden, braucht man vielleicht nur einen Opel-Oldtimerclub nach Bardenfleth einzuladen...

Der Borgward ist das Prunkstück

Im Bardenflether Oldtimer-Museum sind auch historische Fahrräder, Mopeds und eine Lloyd-Limousine zu sehen

Zitat:

"Beim Flohmarkt stöbern nicht nur Frauen. Männer können das genauso gut."

Helga Becker

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