Friedrich Ludwig

Der Chef nimmt den Hut

Nach insgesamt 45 Jahren im Polizeidienst nimmt Friedrich Ludwig seinen Hut und verlässt die Bassumer Dienststelle offiziell Ende Dezember. Davor wird sein Stuhl bereits verwaist sein.
20.11.2019, 17:37
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Der Chef nimmt den Hut
Von Tobias Denne
Der Chef nimmt den Hut

Lange Jahre war es ein gewohntes Bild: Friedrich Ludwig war mehr als 22 Jahre als Polizist in Bassum aktiv. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Vasil Dinev

Bassum. Friedrich Ludwig geht in sein Büro. „Die Auflösungserscheinungen fangen an“, sagt er und lacht. Gemalte Bilder hängen an der Wand, das Radio läuft leise, ein Funkgerät steht auf seinem Schreibtisch. Ein wenig aufräumen muss Ludwig noch. Er setzt sich auf seinen Stuhl und lehnt sich zurück. Ein gewohntes Bild – bislang. Denn Polizeihauptkommissar Friedrich Ludwig geht in Ruhestand und verlässt das Gebäude an der Mittelstraße in Bassum, das er vor mehr als 22 Jahren zum ersten Mal betreten hat.

„In Syke hatten wir schon Computer und konnten etwas ins Polizeisystem eintragen. Hier nicht, hier haben wir ins Buch geschrieben und mit Schreibmaschinen getippt“, erinnert sich Ludwig an seine Anfänge in der Lindenstadt. 1997 war das. „Ich wollte nach Bassum. Die Versetzung war für mich wie eine Beförderung“, sagt er.

Davor war er bereits bei der Polizei in Syke. Auch da war das Verhältnis unter den Kollegen sehr angenehm, „wir haben viel Spaß gehabt“. Dazumal heuerte er bei der Polizei in der Grafschaft Hoya an. Sein Einsatzgebiet reichte etwa von Eystrup bis Harpstedt, von Weyhe bis Sulingen. Bereits in seiner ersten Nachtschicht kam der erste Unfall rein. „Ich habe ihn dann bei Winkelsett bei Harpstedt mit meinen Kollegen aufgenommen“, erzählt Ludwig davon, dass er anfangs von den Erfahrenen unterstützt wurde. Logisch. „Ich kannte auch das Gebiet gar nicht“, gibt er zu. Schließlich stammt der Bassumer aus dem Raum Braunschweig, wo er auch mit seiner Polizeiausbildung begonnen hatte.

„Ich hatte anscheinend schon in der Schule ein großes Gerechtigkeitsempfinden“, erzählt der Bassumer heute. Denn seine Lehrerin soll das über ihn gesagt haben, als die Polizei sich vor Ludwigs Ausbildung bei der Schule über ihn erkundigt hat. „Das habe ich aber erst 25 Jahre später bei meinem Dienstjubiläum erfahren“, sagt er schmunzelnd.

1976 ging es für ihn nach der Ausbildung in Richtung Syke – er hatte direkt Kontakt mit den neuen Kollegen, wenn auch anders als gedacht. „An meinem ersten Tag bin ich von Braunschweig gekommen. In einem roten VW-Käfer“, erzählt Ludwig. Als er von der Autobahn auf die Bundesstraße 6 fuhr, kam er in eine Kontrolle der Polizei. „Ich hatte meine ganzen Papiere vergessen“, sagt er heute mit einem Lachen. Damals half es ihm, dass er bereits seine Uniform trug. „Ich konnte weiterfahren, aber die Beamten sagten mir, dass ich mir meine Papiere schleunigst besorgen sollte.“

In seinen insgesamt 45 Jahren im Dienst der Polizei hat Ludwig auch den einen oder anderen Fahrer angehalten, ist zu Unfällen herausgefahren und hat die Sachverhalte aufgenommen. „Manchmal kann man nicht helfen, sondern nur beruhigen. Die Panik ist normal. Dann werden aber Sekunden zu Minuten“, gibt Ludwig zu. Wenn jemand im Auto eingeklemmt ist etwa und man auf die Feuerwehr mit dem richtigen Gerät wartet. „Man stellt im Beruf fest, wie wenig man Menschen helfen kann“, hat der Bassumer gelernt. So bei Menschen, die Suizid begangen haben. Auch das hat er in seinen Dienstjahren erlebt. „Ich habe aber Glück gehabt, dass ich nie die Waffe auf einen Menschen richten musste“, ist Ludwig dankbar. Gerade trotz der zunehmenden Aggressivität gegenüber Einsatzkräften ein positives Zeichen.

„Die Polizei ist der Freund und Helfer. Wer soll denn vor Ort für Recht und Ordnung sorgen, wenn nicht die Polizei?“, fragt sich Ludwig mit Blick auf die vergangenen Jahre. Als Polizist versuche man neutral zu bleiben und den Sachverhalt genau zu dokumentieren. Die Gerichte entschieden dann über Schuld und Unschuld. Aber: Friedrich Ludwig hat die Arbeit Spaß gemacht. „Ich hab die Entscheidung nie bereut“, versichert der Bald-Pensionär, der die Wahl zwischen Polizei, Versicherung und Bank gehabt hatte. „Die Zeit ist jetzt zu Ende und jetzt beginnt eine neue Jahreszeit“, freut er sich auf die Zukunft.

Zwar ist offiziell der 30. Dezember sein letzter Arbeitstag, aber dank freier Tage und Urlaub ist schon jetzt sein Bürostuhl verwaist. „Ich komme noch zwei Mal für ein paar Stunden rein“, kündigt Ludwig an. Aber auch danach ist er nicht aus der Welt, wie er sagt. Der Bassumer hat schließlich im Dezember einiges mit seinen Kameraden von den Schwerathleten des TSV zu tun. Vom Bassumer Advent am Stiftshügel über den Hüttenzauber bis zum Silvestermarsch – der Monat ist gut gefüllt. Auch danach. So hat er seine Hilfe beim Seniorenbüro oder der Tafel angeboten. Er versichert schmunzelnd: „Der Tag wird nicht langweilig für mich – ich kann mir alles nur besser einteilen.“

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