Lausbuben-Geschichten Der erste Streicher folgt zugleich

Ihno Tjark Folkerts setzt dem langjährigen Verden-Besucher Wilhelm Busch in der Stadtbibliothek ein Denkmal. Die intensiven Verbindungen des Dichters zu Verden hat Dieter Hasselhof erforscht.
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Der erste Streicher folgt zugleich
Von Jörn Dirk Zweibrock

Verden. Wilhelm Busch und Verden, das ist fast schon eine kleine Liebesgeschichte. Ab 1900 war der berühmte humoristische Dichter, Zeichner und Maler bestimmt sieben, acht Mal zur Sommerfrische in der Allerstadt. Einquartiert hat er sich dabei stets bei seinem Neffen Adolf Nöldeke in der großen Villa an der Strukturstraße 16, dem repräsentativen Gebäude gegenüber dem Ackerbürgerhaus. Mit seinem neuen Soloprogramm „Wilhelm Busch trifft Klassik – ein doppelter Genuss“ setzt Ihno Tjark Folkerts aus Sottrum dem geistigen Vater von Max und Moritz, Witwe Bolte, Schneider Böck und Lehrer Lämpel nun an diesem Freitag, 26. Oktober, ein künstlerisches Denkmal. Der Busch-Abend in der Verdener Stadtbibliothek am Holzmarkt beginnt um 19 Uhr.

Einer, der sich mindestens genauso gut mit dem gebürtigen Wiedensahler auskennt wie der Geiger, Schauspieler und Rezitator ist Dieter Hasselhof aus Verden. In seinem vor fünf Jahren erschienenen Büchlein „Wilhelm Busch zu Gast in Verden“ hat er die Verbindungen des Dichters zu Verden aufgezeigt. „Als sein Neffe Adolf Nöldeke noch in Norden im Referendariat war, ist er schon immer mit dem Zug durch Verden gefahren“, erzählt Hasselhof. Umso größer war dann natürlich die Freude bei Onkel Wilhelm, als der Neffe am altehrwürdigen Verdener Domgymnasium zu unterrichten begann. „In der Regel zwei Mal im Jahr hat Busch den Oberstudienrat in Verden besucht, meistens in der warmen Jahreszeit“, erläutert Hasselhof. Denn wie pflegte der 1908 im Alter von 75 Jahren verstorbene Wilhelm Busch doch immer zu sagen: „Im Winter geht der Dachs nicht gerne aus seinem Bau.“ Besonders den Verdener Garten hatte er mehr als lieb gewonnen: „Im herrlichen alten Garten, wo das Obst nur so klunkerte, ging ich häufig spazieren bei Sonnen- und Mondenschein“, schrieb Busch im September 1905 in einem seiner rund 1700 mit der Gänsefeder verfassten Briefe.

Eben jene Briefe waren es, in denen Dieter Hasselhof damals für sein Buch zu recherchieren begann. Um die Erinnerung an den geistigen Vater von Max und Moritz wach zu halten, hat er 2013 gemeinsam mit Buschs Urgroßneffen Hans Nöldeke eine Gedenktafel an der Strukturstraße enthüllt. Ein Gedenkstein wäre Dieter Hasselhof eigentlich lieber gewesen, aber das wollte die Stadt Verden seiner Aussage nach damals nicht.

Genauso wie Busch ist auch Ihno Tjark Folkerts schon einige Male in der Allerstadt zu Gast gewesen. In seinem Soloprogramm gibt es an diesem Freitag beispielsweise ein Wiedersehen mit Tobias Knopp, Meister Zwiel und dem Heiligen Antonius von Padua. „Im zweiten Teil lese ich dann aus Wilhelm Buschs Briefen an seine Freundin und seine platonische Geliebte Marie Anderson“, sagt Folkerts. Und ergänzt: „Das alles sind Schlaglichter auf einen Mann, der weit mehr als nur der Erfinder des Comics war.“ Der Visionär Busch habe bereits hundert Jahre vor ihrer Entdeckung von schwarzen Löchern philosophiert. Dieter Hasselhof zufolge soll er auch ein begnadeter Maler gewesen sein, der nur allzu oft an seinem künstlerischen Talent zweifelte. „Seine Neffen haben viele Bilder vor dem Ofen gerettet“, erzählt der Hobby-Historiker.

Selbstverständlich bringt Folkerts auf seinem Streichinstrument in der Verdener Stadtbibliothek auch Buschs Lieblingskomponisten Ferdinand David, seines Zeichens Konzertmeister am Leipziger Gewandhaus, zu Gehör. „Auf die Gäste wartet ein Abend der doppelten Genüsse – Sprache und Musik ergänzen sich wechselseitig und fügen sich zu einem amüsant-niveauvollen Ganzen“, verspricht der Sottrumer Violinist.

Wo heute die Domgymnasiasten in der Mensa sitzen, saß vor über hundert Jahren Wilhelm Busch im Wirtshaus. Bei seinen Verden-Besuchen soll er Stammgast bei Fritz Blume gewesen sein. Dieter Hasselhof würde sich wünschen, wenn der Landkreis Verden als Schulträger im ehemaligen Gasthaus Wilhelm-Busch-Zimmer einrichten würde. Bloß eines, das mochte der humoristische Dichter, Zeichner und Maler überhaupt nicht an seinem „Zweitwohnsitz“, und zwar, dass vom Bahnhof aus noch immer keine Droschken in die Innenstadt fuhren. So musste er also den langen Weg bis in die Strukturstraße zu Fuß „stuppeln“.

Eintrittskarten für den Wilhelm-Busch-Abend in der Verdener Stadtbibliothek sind im Vorverkauf bei den Verdener Buchhandlungen Mahnke und Heine erhältlich.

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