Fotografien von Michael Johannhanwahr im Rathaus Schwanewede Der etwas andere Blick

Schwanewede. Berlin, Potsdamer Platz, bei Nacht. Menschenleere Treppenaufgänge und stählerne Rolltreppen. Hochhäuser, hinter deren dunklen Fassaden sich kein Leben regt. Die unbeleuchteten Fenster blicken wie tote Augen auf den Betrachter. Eine unwirkliche, beängstigende Stadt-Kulisse aus Stahl und Glas wie aus Fritz Langs Filmklassiker "Metropolis".
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Von Gabriela Keller

Schwanewede. Berlin, Potsdamer Platz, bei Nacht. Menschenleere Treppenaufgänge und stählerne Rolltreppen. Hochhäuser, hinter deren dunklen Fassaden sich kein Leben regt. Die unbeleuchteten Fenster blicken wie tote Augen auf den Betrachter. Eine unwirkliche, beängstigende Stadt-Kulisse aus Stahl und Glas wie aus Fritz Langs Filmklassiker "Metropolis".

Michael Johannhanwahr zeigt die dunkle Seite der neuen Mitte in Deutschlands Hauptstadt und stellt die Frage: Ist das die erstrebenswerte Stadt-Welt der Zukunft? "Architektur finde ich spannend", sagt der 43-Jährige. Doch Bauwerke sind für den Software-Entwickler nur ein Foto-Thema unter vielen, wie seine erste Ausstellung im Rathaus Schwanewede zeigt. Landschaften, Naturmotive, Experimentelles und Abstraktessind bis 6. Januar zu sehen. Seit 2006 widmet sich Johannhanwahr vor allem der Digitalfotografie. Die klassischen Wurzeln kommen aber nicht zu kurz, wie viele Schwarzweiß-Fotografien beweisen. Für eine Aufnahme ist der gebürtige Schwaneweder zur den Ursprüngen der Fotografie zurückgekehrt. Mit einer selbstgebauten Lochkamera aus einer Holzkiste hat er die Kirche in Oberneuland aufgenommen. Das vergrößerte Bild mutet an wie eine historische Fotografie.

Das andere Extrem sind experimentelle Arbeiten. Die Bewegung des Riesenrades auf dem Bremer Freimarkt spiegelt sich in der Glasfassade der Stadthalle als bunt-leuchtende Rotationsstreifen. Noch mehr aber haben Johannhanwahr die Schachbrett-Muster in den Farben fasziniert, die den Informatiker an binäre Strukturen erinnern. "Die Muster sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, erst die Fotografie macht sie sichtbar."

Ganz klassisch aufgenommen ist der "Borgfelder Wümmeblick". Einen Sonnenuntergang, ein klassisches Fotografen-Motiv, setzt Johannhanwahr durch ein extrem schmales Hochformat ungewöhnlich und spannend in Szene. Selbst die bunte Farbigkeit wirkt so nicht kitschig. Den Gegenpol bildet eine in die Länge gezogene Panorama-Aufnahme von Miami City. "Den Farbverlauf von Braun auf der einen zu Blau auf der anderen Seite fand ich spannend", erzählt der Fotograf. Nicht nur die Farbe, auch die Architektur lässt das Bild wie in zwei Hälften geteilt wirken: links die Wolkenkratzer-Skyline der Metropole, rechts die flache Hafenwelt.

Schwarzweiß- und Sepia-gefärbte Aufnahmen rückten Strukturen in den Blickpunkt. Hier die feinen Adern einer Calla-Blüte, dort Felsbrocken in einem Kieselbett im Bremer Rhododendronpark. Ungewöhnliche Perspektiven verwirren den Betrachter in einer Aufnahme vom Berliner Einkaufszentrum "Alexa". Johannhanwahr versucht, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken und mit der Kamera einzufangen. So wie die doppelten Schatten, die eine Familie auf einem großen Platz wirft.

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