"Düvel, Törf un Kuddelmuddel": Für seine Bildergeschichte hat Axel Meier einen enormen Aufwand betrieben

Der Moorteufel als Comic-Held

Osterholz-Scharmbeck. VSK-Sporttaucher, Bornreiher Fußballer und ein stadtbekannter Catering-Service - sie alle haben bereits den Moorteufel als originellen Werbe- und Imageträger für sich entdeckt. Worpsweder Musiker und Schützen aus Teufelsmoor führen als Torfteufel ebenfalls einen eigensinnigen Kobold im Schilde. Nun erhält die diabolische Runde Gesellschaft: Durch "Düvel, Törf un Kuddelmuddel", einen plattdeutschen Teufelsmoor-Comic des Bremers Axel Meier.
19.05.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Moorteufel als Comic-Held
Von Bernhard Komesker

Osterholz-Scharmbeck. VSK-Sporttaucher, Bornreiher Fußballer und ein stadtbekannter Catering-Service - sie alle haben bereits den Moorteufel als originellen Werbe- und Imageträger für sich entdeckt. Worpsweder Musiker und Schützen aus Teufelsmoor führen als Torfteufel ebenfalls einen eigensinnigen Kobold im Schilde. Nun erhält die diabolische Runde Gesellschaft: Durch "Düvel, Törf un Kuddelmuddel", einen plattdeutschen Teufelsmoor-Comic des Bremers Axel Meier.

Dem 36-Jährigen ist mit seiner Veröffentlichung ein ebenso ansprechendes wie anspruchsvoll gestaltetes Debüt gelungen. Das 30-Seiten-Heft entstand zuerst als hochdeutsche Variante ("Teufel, Torf und tierisch Trubel"), doch die Platt-Version wirkt noch eine Idee stimmiger. Beide Versionen haben freilich das Zeug dazu, sich zu einem handfesten Stück Regionalmarketing zu entwickeln.

Es ist das bislang aufwändigste Projekt des Grafik-Autodidakten, der seit dem frühen Kindesalter zeichnet und der bereits einige seiner Arbeiten im Zillo-Verlag und im Magazin "Bremer" platzieren konnte. "Schon als Kind fand ich den Moorteufel faszinierend", sagt Meier, der in Osterholz-Scharmbeck aufwuchs. "Ich erinnere mich, dass es bei uns zu Hause früher so eine Ton-Figur gab, die ich sehr interessant fand." Eine Spukgestalt, wie gemacht fürs - kindliche - Fantasieren, und lebendig vor allem im Erzählen.

Als vor etwa sechs Monaten die Comic-Idee zu reifen begann, stellte Meier fest, dass tatsächlich kaum schriftliches Moorteufel-Material existiert. Eine Lücke, in die vor fast sechs Jahren auch "Die Legende vom Teufelsmoor - oder: Warum sind die Torfkahnsegel braun?" gestoßen war. In jener Erzählung - ein gut durchdachtes Identifikationsangebot - überlisten Jan Torf und die schlauen Moor-Siedler den Teufel, so dass der am Ende das Weite sucht.

Meier hat seinen Moorteufel dagegen eher als großäugigen Grusel-Gnom angelegt: Ein Anti-Held mit regionalen Wurzeln habe ihm vorgeschwebt, ein selbstbewusster Knirps in Schwierigkeiten, sagt er - "unheimlich wie das Moor selbst". Und da Kinder fürs Comic-Genre empfänglicher zu sein scheinen als Erwachsene, haftet Meiers Moorteufel auch nichts Satanisches an - im Gegenteil.

"Ich habe mir überlegt, welche Geschichte ich als Kind gern gelesen hätte", erzählt der Hansestädter. Folglich spielt seine Bildergeschichte mit kindlicher Allmachtsfantasie und Aberglauben, mit dem Sein und Schein von Klein und Groß. Der Plot ist dabei schnell erzählt: Eine erwachsene Übermacht, die sich vom Schabernack eines Davids ins Bockshorn jagen lässt und ihre Lektion am Ende gelernt hat. Respekt und gegenseitiges Einvernehmen sind die Lösung zum Happy End. Anspruchsvoller als dieser zunächst beinahe naiv anmutende Handlungsstrang ist seine ästhetische Umsetzung, für die Axel Meier enormen Aufwand betrieben hat.

Fast jedes der insgesamt 154 Bilder besteht aus einer anderen Digitalfotografie, die im Teufelsmoor entstanden ist und die am Computer nachbearbeitet wurde. Meiers Vater Bernhard hat Wollgras, Kahn und Torfsoden, Teufelsmoor-Ortsschild und Mais-Acker abgelichtet.

Fotografieraufträge für den Vater

Zusammen mit den vielbeschworenen Licht- und Farbspielen am Teufelsmoor-Himmel bilden diese Motive den Rahmen und Hintergrund für Meiers handgefertigte Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die er in den Rechner importiert, koloriert und zu guter Letzt mit Sprechblasen versehen hat.

"Für manche Bilder habe ich meinen Vater ganz gezielt losgeschickt", gesteht Meier. Ohne Bernhard Meiers Übersetzer-Hilfe wäre vor allem auch die Plattdeutsch-Version nicht entstanden: "Mein Vater stammt aus Mittelsbüren; da wurde auch Plattdeutsch gesprochen", erzählt der Comic-Autor. Die eigene Rolle sieht Axel Meier derweil als Charakter-Designer, Bühnenbildner und Drehbuchautor. Schrittweise entstand Bild um Bild - während die Anmutung der Hauptfigur irgendwo zwischen Disney und Rolf Kauka angesiedelt ist, lassen die großen und kleinen Dorfbewohner ein wenig an Asterix denken. Ihre Gesten und Bewegungen sind gut getroffen, und auch auf stimmige Anschlüsse hat Meier geachtet.

"Düvel, Törf un Kuddelmuddel" passt hervorragend in jede Plattdeutsch-AG, ist ein vergnügliches Mitbringsel aus dem Teufelsmoor und eignet sich obendrein für alle, die sich für die Region und die Sprache interessieren, findet Meier.

Nur Erbsenzähler werden vielleicht bemängeln, dass der Name Teufelsmoor letztlich ein Übersetzungsfehler ist und dass es ursprünglich "Duves Moor", also taubes, unfruchtbares Moor hieß. All das und noch mehr hat beispielsweise der Kreisstädter Jürgen Heuser in seinem "digitalen Zettelkasten" im Internet unter www.teufelsmoor.eu zusammengetragen.

Einer wie Axel Meier, der Philosophie, Sprach- und Kunstwissenschaft studiert hat, kennt die Wortherkunft natürlich. Aber nur all diese eingangs erwähnten Torf- und Moorteufel-Geschichten vermögen die Fantasie zu beflügeln. "Ich möchte jetzt erst einmal gucken, wie es so läuft", sagt Meier, nach seinen Plänen und Perspektiven befragt. Der Stückpreis des Moorteufel-Comics beträgt 7,50 Euro. Erhältlich sind die Hefte in der Buchhandlung "Die Schatulle" in Osterholz-Scharmbeck, in einigen Restaurants in der Region sowie demnächst voraussichtlich auch online bei Amazon.

Wer sich für den Moorteufel-Comic interessiert, erfährt Näheres unter www.dermoorteufel.de im Internet oder per E-Mail-Anfrage an die Adresse moorteufelOHZ@googlemail.com .

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