Andreas Frank repariert in Ostertimke Absätze und Sohlen

Der Riesenschuh-Macher

Ein roter Riesen-Schuh ist so etwas wie ein Wahrzeichen von Ostertimke geworden. Der überdimensionale Highheel hat sogar Eingang in den neuen Wanderprospekt des Touristikverbands Landkreis Rotenburg gefunden.
03.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg
Der Riesenschuh-Macher

Der rote Riesen-Schuh und sein Schöpfer. Anderthalb Jahre hat der Schuhmacher Andreas Frank daran gewerkelt. Als Werkstatt diente ihm der ehemalige Stall des Resthofs in Ostertimke, in dem er seit zehn Jahren lebt und arbeitet.

Heeg

Ein roter Riesen-Schuh ist so etwas wie ein Wahrzeichen von Ostertimke geworden. Der überdimensionale Highheel hat sogar Eingang in den neuen Wanderprospekt des Touristikverbands Landkreis Rotenburg gefunden – einer der „Nordpfade“ führt daran vorbei.

Andreas Frank ist Schuhmacher durch und durch. Seit zehn Jahren betreibt der aus Saalfeld (Thüringen) stammende gelernte Maurer eine Schuhmacherei in Ostertimke. Und wenn er nicht gerade Absätze repariert oder Sohlen erneuert, geht er unter die Modellbauer.

Anderthalb Jahre hat er an seinem jüngsten Werk gearbeitet. Das Schuh-Ungetüm ist 2,50 Meter hoch und ebenso breit, und in seiner intensiven roten Lackierung in diesen grauen und trüben Tagen ein absoluter Blickfang im Ort. Der Schuh besteht aus einem Stahl-Skelett, dem Frank eine elegant wirkende Hülle aus Glasfaser verpasst hat. „Ich habe dabei weitestgehend Reste vom Umbau meines Hauses verwendet, wie etwa die Heizungsrohre“, berichtet er. Nur das Glasfasermaterial und die Farbe, einen witterungsbeständigen Heizungslack, habe er kaufen müssen. Alles in allem beliefen sich die Materialkosten auf circa 300 Euro. Die Stunden, die Frank im ehemaligen Stall des Resthofes, in dem er lebt und arbeitet, mit dem Bau des Kunstwerks verbracht hat, kann er gar nicht genau beziffern.

Sein Schuh wurde jetzt in eine Broschüre aufgenommen, mit der der Touristikverband Landkreis Rotenburg für seine neuen Nordpfade-Wanderwege wirbt. In dem Text heißt es: „Aus dem Wald heraus öffnet sich der Blick auf das romantische Wiesental der Wörpe, und der Weg führt uns nach Ostertimke. Der zwei Meter große rote Damenschuh im Vorgarten eines Schuhmachers bietet sich hier als außergewöhnliches Fotomotiv an.“

Der erste Riesen-Schuh, den er 2004 gebaut und in seinen Vorgarten gestellt hat, war ein eineinhalb Meter breites Holzrelief. Dieses war ebenfalls knallrot lackiert, ebenso wie der zweite Schuh. Der war einen halben Meter größer und aus massivem Holz gefertigt. „Ein Jahr habe ich daran geschnitzt“, sagt Frank. Die beiden Vorgängermodelle seien beide mit Autolack beschichtet gewesen, der jedoch der Witterung nicht standzuhalten vermochte.

Klar, dass Frank seine Riesen-Schuhe nicht nur baut, um seine kreative Ader auszuleben. „Etliche Lkw-Fahrer haben deswegen schon angehalten, um ihre Schuhe bei mir flicken zu lassen.“ Fahrende Laufkundschaft sozusagen. Hinzu komme eine treue Schar Stammkunden nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Bremen, Basdahl und Sottrum.

Frank ist zwar Schuhmacher, darf aber gar keine Schuhe machen, also anfertigen, weil er keinen Meisterbrief hat. „Ich darf auch keine Sättel polstern, weil das wiederum den Sattlern vorbehalten ist“, fügt er hinzu. Immerhin sei es ihm aber gestattet, Autositze und Motorradsitzbänke neu zu beziehen. Und Schuhe reparieren, das darf er auch. „Jede Reparatur ist eine Gelegenheit, etwas zu verbessern. Vorausgesetzt, der Kunde will es“, sagt Frank, der auch ein Jahr am Bremer Goethetheater gearbeitet hat. So könne er beispielsweise Absätze leiser machen oder Hohlräume in der Sohle mit Schaum ausfüllen, was den Komfort ebenfalls erhöhen könne.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+