Der Kindergarten Thänhuser Holtkinners feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen/Aktionstag im Juni

Der Wald als Abenteuerspielplatz

Spielen mit dem, was der Wald hergibt – ein Kindergarten ohne Dach und Wände: Das ist das Konzept des Waldkindergartens Thänhuser Holtkinners, den Leiterin Ina Brendel 2004 gemeinsam mit engagierten Eltern ins Leben gerufen hat. In diesem Jahr feiert die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen.
04.02.2014, 00:00
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Von Elisabeth Hintze

Spielen mit dem, was der Wald hergibt – ein Kindergarten ohne Dach und Wände: Das ist das Konzept des Waldkindergartens Thänhuser Holtkinners, den Leiterin Ina Brendel 2004 gemeinsam mit engagierten Eltern ins Leben gerufen hat. In diesem Jahr feiert die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen.

„Guck’ mal, was ich gefunden habe!“ Eine riesengroße Eisplatte, aus dem gefrorenen Waldboden herausgebrochen, hält Leeven in den Händen. Schnell trägt er seinen Schatz in die nahe gelegene Höhle. Dort zurückgezogen, ist er fürs Erste beschäftigt. Währenddessen kochen ein paar der anderen Kinder eine Schlammsuppe, Maja und Thilko holen dafür große Schippen, Töpfe und Plastikflaschen als Werkutensilien. Das Wasser für die Schlammsuppe schöpfen sie aus der großen blauen Regentonne – natürlich geht auch mal etwas daneben, die Kleidung bespritzt, doch die Mädchen und Jungen sind mit ihren Skihosen und -jacken warm angezogen, kalt ist ihnen nicht.

Am Tisch vor dem ausgedienten Bauwagen, der den Kindergarten beherbergt, sitzen noch mehr der Drei- bis Sechsjährigen und sägen gemeinsam mit Praktikantin Sue Noelle Äste an, eine Bastelstunde steht am heutigen Vormittag auf dem Programm. „Das ist das Schöne an unserem Kindergarten“, findet Ina Brendel, die die Aufsicht über die Kleinen hat. „Die Kinder spielen einfach mit dem, was sie finden, was ihnen der Wald hergibt.“ Größtenteils suchen sie auf eigene Faust, sie wissen, wie weit sie sich vom Bauwagen entfernen dürfen. Hauptsache, Ina Brendel hat alle im Blick oder weiß zumindest, wer sich wo aufhält.

15 Mädchen und Jungen zählt der Waldkindergarten Thänhuser Holtkinners in diesem Jahr. Damit ist die Kapazität voll ausgeschöpft, erzählt Leiterin Ina Brendel. Und das im zehnten Jahr seines Bestehens – am 28. Juni feiert die Einrichtung Geburtstag. Gemeinsam mit anderen engagierten Eltern und der Erzieherin Melina Braun hat sie 2003 den Förderverein gegründet, im August 2004 nahm der „Kindergarten ohne Dach und Wände“ seine Arbeit auf.

Seitdem steht der rot angemalte Bauwagen im Wäldchen Am Adeligen Holze in Thedinghausen. „Das gehört zu dem Konzept des Kindergartens, kein festes Haus zu haben“, erzählt Brendel. Den Bauwagen konnten sie vom Kindergarten Syke übernehmen. Im Innern ist Platz für einen Tisch mit 15 Stühlen – mehr nicht. „Wir sind sowieso die ganze Zeit draußen“, erklärt die Sozialpädagogin weiter.

Bei Wind und Wetter, bei Regen und Sonne, Hitze und Schnee – die richtige Kleidung, viel mehr ist nicht notwendig. Nur im Winter wird drinnen gefrühstückt, um die kalten Hände und Füße kurz aufzuwärmen. „Und wenn es Sturm gibt“, sagt Brendel. „Dann weichen wir auf das Schützenhaus in Donnerstedt aus, sonst ist es im Wald zu gefährlich.“ Durch den permanenten Aufenthalt im Freien seien die kleinen Holtkinners viel seltener krank, erzählt sie, das Immunsystem sei weitaus stärker. „Klar sind die Kinder auch mal erkältet, aber sie stecken sich nicht gegenseitig an, wie es in geschlossenen Räumen der Fall ist.“

Weniger Kinder – mehr Zeit

Nur eine der Zutaten für das Erfolgsrezept Waldkindergarten, wie die Leiterin findet. „Attraktiv für viele Eltern ist natürlich auch, dass wir eine relativ kleine Gruppe sind.“ Weniger Kinder – dadurch mehr Zeit, sich um jeden individuell zu kümmern. In der allerersten Kindergartengruppe, die vor neuneinhalb Jahren gegründet wurde, war Sue Noelle Veit. Die mittlerweile 13-Jährige absolviert derzeit ein Praktikum bei den Thänhuser Holtkinners. „Mir hat es hier damals sehr gut gefallen“, erzählt sie. „Dadurch war ich auch später immer häufiger draußen als andere in meinem Alter.“ Sue Noelle möchte Grundschullehrerin werden, während ihres Praktikums hofft sie, herauszufinden, ob die Arbeit mit Kindern tatsächlich das Richtige für sie ist.

Anlässlich des zehnten Geburtstages planen Ina Brendel und Kollegin Melanie Braun für den 28. Juni einen Waldaktionstag. Angebote für Kinder und für Eltern soll es geben, Spiele zum Mitmachen, Führungen und einen Kunstpfad, der mit Zeichnungen und Basteleien der Kleinen gesäumt ist – der Pfad führt natürlich durch den Wald.

Echte Spinnen gibt es sicher im Wald Am Adeligen Holze – aber auch die selbst gebastelten von Maya, Thilko und Maja (von links) sind dort zuhause. FOTO: STRANGMANN

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