Kirsteins Hoff Ein bisschen Scholvin-Ortmann

In Martfeld entsteht ein neues Dorfgemeinschaftshaus. Unterstützung gibt es aus Riede. Die Küche stammt aus der Gaststätte Scholvin-Ortmann.
30.11.2020, 15:11
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Micha Bustianund Onno Kutscher

In der Gaststätte Scholvin-Ortmann in Riede leeren sich so langsam die Räume. Denn wie bereits berichtet, hat die Traditionsgaststätte an der Bremer Straße geschlossen und wird auch nicht wieder öffnen. Ein Herzstück des Hauses hat aber eine neue Bleibe gefunden: die Küche der Gaststätte. Die wechselt ins künftige Dorfgemeinschaftshaus nach Martfeld.

Es ist nicht so, dass der Trägerverein für das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Kirsteins Hoff seit geraumer Zeit nur Däumchen dreht, während man auf die Baugenehmigung wartet. Es gibt genug zu tun. Kürzlich erst haben die Vereinsmitglieder den Großteil des Küchen-Interieurs aus dem geschlossenen Gasthaus Scholvin-Ortmann nach Martfeld transportiert. Und auch am vergangenen Wochenende wurde auf Kirsteins Hoff, an der Ecke Kirchstraße/Verdener Straße, wieder gewerkelt. Die Möbel sind angekommen. Doch wann kann es endlich richtig losgehen? Die Antwort: sofort. Die Baugenehmigung liegt nun vor. Das erklärte der Trägervereinsvorsitzende Heiner Rahlmann jüngst bei einem Pressetermin.

Hilfe von Rieder Gastronomen

In Martfeld ist man glücklich über die Lieferung aus Riede, denn es konnte vieles aus dem verkauften Gasthaus Scholvin-Ortmann übernommen werden. Neben der Küche auch Mobiliar und der Thekenbereich. Apropos Theke. „Das ist ein Monster im positiven Sinne“, meint Grundstücksbesitzer Torsten Kirstein. Trotz der gehobenen Anzahl an Einrichtungsgegenständen von Scholvin-Ortmann will Kirstein im DGH „versuchen, einen eigenen Stil zu entwickeln, Charme herzustellen“. Beeindruckend findet er das Interesse der Rieder Gastronomen am künftigen DGH Martfeld. „Sie sind unheimlich interessiert, haben die Küche mit geplant, die Tische richtig gestellt.“ Denn den Mitgliedern des Fördervereins sei gar nicht klar gewesen, auf was man alle achten müsse. „Es muss sogar geklärt werden, wo die Kaffeemaschine am Ende stehen soll“, erzählt Kirsten.

Die richtigen Arbeiten stehen in Martfeld aber noch an. „Büsche und Bäume müssen weg“, erklärt Heiner Rahlmann. Und auch das Pflaster müsse, da wo ab dem 1. November 2021 der Zwischenbau DGH und Theater verbinden soll, entfernt werden. Dann müssten Bohrungen in Fußboden und Wand vorgenommen werden, um herauszufinden, was alles abgerissen werden muss. Wie berichtet, will die gemeinnützigen Unternehmergesellschaft „De Plattsnackers“ aus Emtinghausen hier künftig plattdeutsche Veranstaltungen organisieren. In Thedinghausen waren die Pläne, ein Plattdeutsches Zentrum zu errichten, gescheitert.

Erst die Ausschreibung

Doch vor die Arbeit hat die Verwaltung die Ausschreibungen gesetzt. Vieles können die Mitglieder des Fördervereins selbst machen. Aber die wirklich wichtigen Sachen müssen von zertifizierten Handwerkern erledigt werden. Die Brandmeldeanlage beispielsweise. 20 000 Euro teuer. „Das tut uns weh“, sagt Heiner Rahlmann, „aber es hätte schlimmer kommen können.“ Eingespart haben die Verantwortlichen dank Scholvin-Ortmann bei der Küche. „Gastronomie ist sauteuer“, hat der Ortsbrandmeister erfahren müssen. 5000 Euro allein für eine Geschirrspülmaschine. Ein Küchengeschäft hatte dem Förderverein ein Angebot gemacht. Für 120 000 Euro. „Das wäre gar nicht gegangen.“

Doch zurück zu den Ausschreibungen. Am liebsten würden die Verantwortlichen aus dem Trägerverein regionale Handwerker mit Aufträgen beglücken. „Wir haben Sanitär und Heizung direkt nebenan“, berichtet Heiner Rahlmann. Auch Torsten Kirstein würde „die Ortsansässigen gerne komplett mit in den Auftrag reinnehmen“. Geht aber nicht. Es muss ausgeschrieben werden. Im Januar sollen die Bauarbeiten losgehen. Datum der Fertigstellung: 1. November 2021. „Das liegt aber nicht bei uns“, weiß der Fördervereinsvorsitzende. Die Handwerker hätten alle volle Terminbücher.

Ein Stück Ortsgeschichte

Mit dem Ende der Gaststätte Scholvin-Ortmann verliert die Gemeinde Riede nicht nur eine Lokalität, sondern auch ein gutes Stück Ortsgeschichte. Zusammen mit seiner Frau leitete Frank Scholvin-Ortmann über 20 Jahren die Geschäfte der Gaststätte. Die Geschichte des Betriebes geht aber noch viel weiter zurück. Das Grundstück und das Gebäude waren bereits seit 1868 in Familienbesitz. An der Bremer Straße sollen nach dem Abriss fünf Mehrfamilienhäuser errichten werden. Dafür hat der Bauherr bereits eine Bauvoranfrage gestellt und vom Gemeinderat die Zustimmung bekommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+