Geschäftsführer: Hausverbot hat es nicht gegeben / Abkehr von Leiharbeitsfirma

Diakonie-Chef kontra Betriebsrat

Welche Angebote der Betriebsrat der Leiharbeitsfirma Dialogistik bei der Diakonischen Altenhilfe Lilienthal machen darf, darüber gibt es zwischen dem Geschäftsführer und dem Betriebsrat unterschiedliche Auffassungen. Unabhängig davon hat Hans Mencke angekündigt, sich vom Modell der Leiharbeitsfirma Dialogistik verabschieden zu wollen.
17.11.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Diakonie-Chef kontra Betriebsrat
Von Peter Hanuschke

Welche Angebote der Betriebsrat der Leiharbeitsfirma Dialogistik bei der Diakonischen Altenhilfe Lilienthal machen darf, darüber gibt es zwischen dem Geschäftsführer und dem Betriebsrat unterschiedliche Auffassungen. Unabhängig davon hat Hans Mencke angekündigt, sich vom Modell der Leiharbeitsfirma Dialogistik verabschieden zu wollen.

Lilienthal. Ein Hausverbot an den Betriebsrat des Tochterunternehmens Dialogistik für Gespräche mit den Mitarbeitern habe es nicht gegeben und werde es nicht geben. Das teilte Hans Mencke, Geschäftsführer der Diakonischen Altenhilfe und der Dialogistik mit. Er sei entsetzt "über die falschen Aussagen des Betriebsrates" in der vergangenen Woche gegenüber der WÜMME-ZEITUNG, ließ er per Pressemitteilung gestern wissen. Auf Nachfrage bestätigte Mencke allerdings, dass er dem Betriebsrat nach wie vor nicht gestatte, regelmäßige Sprechstunden in den vier anderen Standorten der Einrichtung abzuhalten - genau dieses Angebot wollte der Betriebsrat aber den Mitarbeitern machen.

Deshalb hatte sich der Betriebsrat in der vergangenen Woche zu der Aktion "Betriebsrat on Tour" entschlossen und sich mit einem Kleinbus vor die Einrichtung in Ritterhude gestellt ("Hausverbot für den Betriebsrat" vom 10. November). Dazu Mencke: Wie Betriebsratsarbeit praktiziert werde, sei eine Frage der Organisation - entweder durch eine solche Sprechstunde, "was wir ablehnen", oder auf andere Art und Weise: Für vertrauliche Gespräche zwischen Betriebsrat und Mitarbeitern stünden in allen Einrichtungen ausreichend Räume zur Verfügung. Deshalb seien die gewünschten Sprechstunden "nicht erforderlich", so der Geschäftsführer.

Außerdem verfüge der Betriebsrat in der Lilienthaler Unternehmenszentrale über einen eigenen Besprechungsraum. Jedem Mitarbeiter der Dialogistik sei es natürlich auch gestattet, dort Gespräche mit dem Betriebsrat zu führen. Das müsse selbstverständlich organisiert und mit der jeweiligen Einrichtungsleitung abgesprochen werden, sagte Mencke. Es mache keinen Sinn, dieses Angebot während der Arbeitszeit wahrzunehmen - das wäre vom Arbeitsablauf nicht umsetzbar. Diese Gespräche sollen deshalb nach der Arbeitszeit stattfinden - die dafür notwendige Zeit werde dann als Mehrarbeit anerkannt und könne später abgefeiert werden.

"Mangelnde Anonymität"

"Klar, wir haben ein Büro in Lilienthal", sagte gestern Betriebsratsvorsitzende Sabine Lampe auf Nachfrage. Die Sichtweise des Geschäftsführers, wie Betriebsratsarbeit umzusetzen sei, "teilen wir aber nicht, weil die Bereitschaft der Mitarbeiter, Probleme gegenüber dem Betriebsrat im Gespräch mitzuteilen, durch dieses Modell massiv eingeschränkt wird". Der Aufwand sei erfahrungsgemäß zu groß. "Und wer sich für ein Gespräch mit dem Betriebsrat auch noch bei der Leitung melden muss, damit die Zeit auch als Mehrarbeit anerkannt wird, der lässt gleich die Finger davon." Von Anonymität könne da nicht mehr die Rede von sein.

Zur Aussage, dass in allen Einrichtungen ausreichend Räume für vertrauliche Gespräche zur Verfügung stünden, stellt Sabine Lampe fest: Die Realität sehe anders aus. Sicherlich gebe es mal diesen oder jenen freien Raum, aber es passiere nun einmal häufig, dass der Raum plötzlich von anderen Personen unbeabsichtigt betreten werde, weil gar nicht bekannt gewesen sei, dass momentan der Betriebsrat dort sitze. Von einer vertraulichen Umgebung könne dann nicht die Rede sein. "Deshalb wollen wir ja die regelmäßig einmal im Monat stattfindende Sprechzeit einrichten - ein Raum wurde uns dafür nicht zur Verfügung gestellt, was einem Hausverbot gleichkommt."

Unabhängig von diesen unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie Betriebsratsarbeit zu funktionieren hat, sagte Geschäftsführer Mencke gestern, dass es erklärtes Ziel sei, die Leiharbeitsfirma Dialogistik, eine 100-prozentige Tochter der Diakonischen Altenhilfe, aufzulösen. "Es ist ja öffentlich bekannt, dass wir mit dem Langzeit-Einsatz von Mitarbeitern der Dialogistik im Rahmen der Mitarbeiterüberlassung gegen geltendes Kirchenrecht verstoßen." Zwar sei die Beschäftigung der Dialogistik-Mitarbeiter "arbeitsrechtlich sauber", aber eben nicht kirchenrechtlich. Zudem schade diese Beschäftigungsart dem Image der Diakonischen Altenhilfe.

Auf die Frage, weshalb die Lilienthaler Einrichtung bundesweit im Vergleich zu den anderen Diakonie-Betrieben einen solch hohen Anteil an Leiharbeitern hat - fast 80 Prozent der 360 Mitarbeiter gehören zur Dialogistik - sagte der Geschäftsführer: Andere Einrichtungen hätten im Einvernehmen mit den Mitarbeitern Vereinbarungen über einen niedrigeren Kirchentarif getroffen. "Wir haben, um Kosten zu sparen, die Dialogistik genutzt, die wir bereits 1994 gegründet hatten." Rückblickend stellt Hans Mencke fest, dass es besser gewesen wäre, "wenn wir es anders gemacht hätten". Betonen möchte er aber, dass auch bei der Dialogistik "marktgerechte Löhne" gezahlt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+