Erwin Wirschaz 88-jährig verstorben

Die Bühne war sein Leben

Lilienthal. Die Bühne war über 60 Jahre lang sein Leben, jetzt hat sich für ihn der letzte Vorhang geschlossen: Im Alter von 88 Jahren verstarb am Montag der Schauspieler Erwin Wirschaz, der seit Jahrzehnten in Lilienthal-Frankenburg lebte. 1923 in Hamburg geboren, absolvierte Wirschaz seine Ausbildung an der dortigen Schauspielschule. In den 30er-Jahren debütierte er am Ohnsorg-Theater, wohin er nach dem Krieg zurückkehrte und als jugendlicher Liebhaber zum Publikumsliebling avancierte. Dann aber holte ihn Mitte der 50er-Jahre der damalige Bremer Generalintendant Albert Lippert an die Weser, und hier blieb er bis zuletzt, spielte in den Sechzigern unter Kurt Hübner und arbeitete mit den Großen der deutschen Theaterszene wie Bruno Ganz, Jutta Lampe, Judy Winter ebenso wie mit Rainer Werner Fassbinder.
23.12.2011, 05:00
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Von Siegfried Deismann

Lilienthal. Die Bühne war über 60 Jahre lang sein Leben, jetzt hat sich für ihn der letzte Vorhang geschlossen: Im Alter von 88 Jahren verstarb am Montag der Schauspieler Erwin Wirschaz, der seit Jahrzehnten in Lilienthal-Frankenburg lebte. 1923 in Hamburg geboren, absolvierte Wirschaz seine Ausbildung an der dortigen Schauspielschule. In den 30er-Jahren debütierte er am Ohnsorg-Theater, wohin er nach dem Krieg zurückkehrte und als jugendlicher Liebhaber zum Publikumsliebling avancierte. Dann aber holte ihn Mitte der 50er-Jahre der damalige Bremer Generalintendant Albert Lippert an die Weser, und hier blieb er bis zuletzt, spielte in den Sechzigern unter Kurt Hübner und arbeitete mit den Großen der deutschen Theaterszene wie Bruno Ganz, Jutta Lampe, Judy Winter ebenso wie mit Rainer Werner Fassbinder.

Und auch die Liebe fürs Leben fand er am Theater: Annelore Kunze, die selbst mit Heinrich George oder Johannes Heesters auf der Bühne stand, spielte an der Seite von Paul Hörbiger, als Wirschaz auf sie aufmerksam wurde und begeistert war von ihrer Natürlichkeit. Im vergangenen Jahr feierte das Paar seine Diamantene Hochzeit.

Neben dem Theater war Wirschaz für Rundfunk und Fernsehen tätig, spielte unter den Regisseuren Eberhard Itzenplitz und Karl Fruchtmann rund 20 Hauptrollen und ist auch in Loriot-Sketchen wie etwa dem "Jodeldiplom" zu sehen. Wirschaz selbst meinte einmal zur Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Humoristen: "In fast jedem zweiten Sketch von Loriot war ich dabei."

Erwin Wirschaz sei bescheiden geblieben und mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet, hieß es über den Mimen, der auch in seiner Heimatgemeinde Lilienthal und zuletzt in Worpswede künstlerische Spuren hinterließ. Schon 1973 führte er Regie in dem von seinem Nachbarn Heinrich Schmidt-Barrien verfassten Stück "Speel op de Hög", und erfreute noch 2006 als Kaiser Franz Joseph in der Music Hall-Inszenierung des "Weißen Rössl" sein Publikum. Drei Jahre später, schon 86 Jahre alt, führte er an gleicher Stelle Regie bei der "Tankstellenrevue". Auch beglückte er seine Fans bis zuletzt mit Lesungen etwa von Rilke oder Ringelnatz, und wurde dafür mit dem Lebenselixier aller Schauspieler belohnt, dem Beifall. Bei Erwin Wirschaz' Abgang von der Bühne des Lebens verstummt nun der Applaus - dafür gibt es eine stille Verneigung.

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