TSV Ottersberg Die Flucht nach vorn im Pokal-Halbfinale?

Ottersberg. Im Niedersachsenpokal-Wettbewerb dürfen die Fußballer des TSV Ottersberg getrost als Minimalisten bezeichnet werden. In den Begegnungen mit SV Drochtersen/Assel (1:0), Teutonia Uelzen (1:0) und zuletzt VSK Osterholz-Scharmbeck (4:3 nach Elfmeterschießen) reichten ihnen zwei in den regulären Spielzeiten erzielte Tore, um ins heutige Halbfinale vordringen.
29.09.2010, 00:21
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Von Ehrhard Müller

Ottersberg. Im Niedersachsenpokal-Wettbewerb dürfen die Fußballer des TSV Ottersberg getrost als Minimalisten bezeichnet werden. In den Begegnungen mit SV Drochtersen/Assel (1:0), Teutonia Uelzen (1:0) und zuletzt VSK Osterholz-Scharmbeck (4:3 nach Elfmeterschießen) reichten ihnen zwei in den regulären Spielzeiten erzielte Tore, um ins heutige Halbfinale vordringen.

Der Ottersberger Gegner Eintracht Braunschweig dagegen stürmte in die Vorschlussrunde. Nach einem Freilos schaltete der Drittligist den Oberligisten Arminia Hannover und den Regionalligisten TSV Havelse aus, in diesen beiden Begegnungen schoss Trainer Torsten Lieberknechts Mannschaft nicht weniger als sieben Tore. Der direkte Vergleich zwischen dem TSV Ottersberg und Eintracht Braunschweig wird um 17 Uhr auf dem Wümme-Sportplatz angepfiffen, und der gastgebende Oberligist rechnet sich allenfalls eine minimale Außenseiterchance aus. 'Bei uns muss alles hundertprozentig stimmen, und Braunschweig darf nicht seinen besten Tag erwischen', verdeutlicht Ottersbergs Trainer Axel Sammrey die ungleichen Kräfteverhältnisse.

Abwehr mit Spitzenwert

Am Montagabend saßen Trainer und Mannschaft des TSV Ottersberg noch einmal zusammen, um sich gemeinsam eine DVD des jüngsten Braunschweiger Meisterschaftsspiels gegen Hansa Rostock (1:2) anzusehen. Anschließend machte sich in der großen Runde so etwas wie Ratlosigkeit breit. Sammrey musste sich beispielsweise von seinem Innenverteidiger Mateusz Peek fragen lassen, wo denn nun die Schwächen der Eintracht lägen - die Antwort fiel dem Trainer nicht einfach.

In Rostock in einem 4-4-2 mit flacher Vier aufgelaufen, gefiel die Braunschweiger Elf mit ihrer taktischen Disziplin, ihrer hohen läuferischen Intensität, ihren stramm marschierenden Außenverteidigern (beispielsweise Fuchs), ihren diverse Tempodribblings zeigenden Mittelfeldspielern auf den Halbpositionen (Boland und vor allem Bellarabi) sowie ihren mit feinem Torriecher gesegneten Spitzen (Kruppke und Kumbela). Sammreys Schlussfolgerung: 'Das wird ein extrem schweres Stück Arbeit, in der Defensive dürfen wir nicht eine Sekunde abschalten.' Für den Underdog könnte es sich jedoch auch als Herkulesaufgabe herausstellen, gegen die Eintracht Torchancen zu erarbeiten. Immerhin verfügt sie in der 3. Liga über die stabilste Abwehr (lediglich sechs Gegentore in zehn Spielen).

Auf die leichte Schulter nimmt der Favorit das Pokalspiel gegen den am Wochenende wieder auf einen Abstiegsplatz zurückgefallenen Oberligisten aber auf keinen Fall. Am vergangenen Sonntag schickte die Eintracht beispielsweise ihren Chefscout Dirk Fischer zum Ottersberger Heimspiel gegen den SV Ramlingen/Ehlershausen (1:1), und Sammrey will beobachtet haben, dass er sich 'eine Menge Notizen' gemacht hat. Fischer wird mit Sicherheit gesehen haben, dass ein weitestgehend ohne Durchschlagskraft angreifender TSV Ottersberg schluderig mit seinen Standards (beispielsweise 18 größtenteils wirkungslose Eckbälle) umging. Vor allem diese Schwäche gilt es heute abzustellen. 'Aus dem Spiel heraus werden wir wohl nicht allzu viele Torchancen bekommen', vermutet Sammrey, 'von daher wäre es wichtig, wieder aus ruhenden Bällen Kapital zu schlagen.' Dass der TSV Ottersberg das kann, bewies er im Achtelfinale gegen Uelzen. Das Tor des Abends resultierte aus einer Ecke, nachdem die Ottersberger Spieler bei der Ausführung eine 2:1-Überzahlsituation geschaffen hatten.

Andere Aufzeichnungen Fischers könnten bereits wieder Makulatur sein. Denn Sammrey beschäftigt sich seit Tagen mit dem Gedanken, das System zu ändern. Er tendiert dazu, vom zuletzt fünf Mal praktizierten 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 umzuschalten - quasi die Flucht nach vorne. Die Frage, die den Ottersberger Coach umtreibt: 'Brauchen wir gegen Braunschweig überhaupt einen Sechser?' Denn durchs Zentrum greift die Eintracht eher selten an, und lange Bälle schlägt sie nur in Ausnahmefällen. Nach Sammreys Einschätzung gilt es vielmehr, die Außenbahnen zu verdichten. Entscheidet er sich tatsächlich für eine zweite Sturmspitze, ist Kapitän Lars Behrens der aussichtsreichste Kandidat für die Position neben dem gesetzten Torjäger Alexander Neumann. Behrens wirkte zuletzt im Mittelfeld - und konnte gerade erst gegen Ramlingen/Ehlershausen seine Defensivaufgaben nicht zur vollen Zufriedenheit erledigen. Er und Außenverteidiger Vitor Rodrigues ließen die Rechtsflanke zu, die Marc-Robin Becker nach 27 Minuten zum 0:1 verwertete.

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