Gemeinde Lilienthal beendet nun auch ganz offiziell die Beziehung zur polnischen Stadt Bielsko-Biala Die Freundschaft ist einfach eingeschlafen

Lilienthal. Aus drei mach zwei mach eins: Nach dem Ende der Partnerschaft zur französischen Gemeinde Emerainville zum Jahreswechsel hat die Gemeinde Lilienthal nun auch einen Schlussstrich unter die Freundschaft zur polnischen Stadt Bielsko-Biala gezogen. Einstimmig votierte der Rat in seiner jüngsten Sitzung für ein Ende der Beziehung, die keineswegs zerrüttet war, sondern eher eingeschlafen ist. Verblieben ist den Lilienthalern nun noch die Partnerschaft zur niederländischen Gemeinde Stadskanaal und die - wenn auch vage - Hoffnung, in Zukunft vielleicht andernorts auf Partnersuche noch einmal fündig zu werden.
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Von Siegfried Deismann

Lilienthal. Aus drei mach zwei mach eins: Nach dem Ende der Partnerschaft zur französischen Gemeinde Emerainville zum Jahreswechsel hat die Gemeinde Lilienthal nun auch einen Schlussstrich unter die Freundschaft zur polnischen Stadt Bielsko-Biala gezogen. Einstimmig votierte der Rat in seiner jüngsten Sitzung für ein Ende der Beziehung, die keineswegs zerrüttet war, sondern eher eingeschlafen ist. Verblieben ist den Lilienthalern nun noch die Partnerschaft zur niederländischen Gemeinde Stadskanaal und die - wenn auch vage - Hoffnung, in Zukunft vielleicht andernorts auf Partnersuche noch einmal fündig zu werden.

Darin waren sich in der letzten Sitzung der laufenden Ratsperiode offenbar alle einig: Es war ein trauriger Tag, an dem die Freundschaft zur polnischen Stadt Bielsko-Biala nun ganz offiziell beendet werden sollte. Dabei hätte man es vielleicht doch von Anfang an besser wissen können, denn nun schienen sich die von einigen gleich zu Beginn vorgebrachten Einwände gegen die bis dahin auf Kirchenebene bestehende und dann auf eine offizielle Plattform gehobene Freundschaft zu bewahrheiten. Zu weit weg (zirka 1000 Kilometer), zu wenig Gemeinsamkeiten (Bielsko-Biala ist eine Stadt mit 175000 Einwohnern, Lilienthal zählt nur rund 18500 Bürger), zu große Sprachprobleme: Das waren die wohl wichtigsten Einwände gegen diese ungleiche West-Ost-Freundschaft aus Lilienthaler Sicht - und vielleicht ja auch aus polnischer.

Seit Jahren gab es bereits gute Kontakte zwischen der evangelischen-lutherischen Kirchengemeinde und einer evangelischen Gemeinde in Bielsko-Biala, als im Juni 1993 die Bürgermeister der Gemeinden Lilienthal, Bielsko-Biala und Stadskanaal in einer gemeinsamen Erklärung festhielten, dass sie fortan die Zusammenarbeit ausweiten und den Erfahrungsaustausch auf verschiedenen Feldern wie Kultur und Kunst, Sport, Tourismus und Wirtschaft verbreitern wollten. Schon damals sprachen sich aber sowohl die Räte in Stadskanaal als auch in Lilienthal gegen eine offizielle Partnerschaft aus.

Kontakte gab es auf dieser Freundschaftsebene aber trotzdem: Etwa über zwölf Jahre zwischen einem Lyzeum in Bielsko-Biala, der Haupt- und Realschule und dem Gymnasium Lilienthal sowie einer Schule in Stadskanaal das sogenannte Dreier-Treffen mit je 25 Schülern abwechselnd in einer der drei Gemeinden. Daneben zeigten Künstler aus einer der drei Gemeinden ihre Arbeiten in den beiden Orten, Vertreter aus Bielsko-Biala, aus Emerainville und Stadskanaal nahmen an einem gemeinsamen Workshop zur gemeinsamen Entwicklung Europas in Lilienthal teil und die Volkstanzgruppe der Dorfgemeinschaft Klostermoor besuchte ein Kulturfestival der polnischen Freunde. Und sonst? Nicht viel: Immerhin gibt es laut Gemeindeverwaltung den seit 1981 bestehenden Kontakt zwischen den Kirchen immer noch, wenn sich auch die Beziehungen mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung positiv verändert hätten. Die ursprünglich vor dem Hintergrund der Unterstützung bedürftiger Familien sehr stark durch

Hilfslieferungen geprägten Besuche bekamen zunehmend touristischen Charakter und die Zahl der Teilnehmer sei stark zurückgegangen. "Neue Interessenten finden sich nicht."

Den letzten Anstoß zur Beendigung der Beziehung hat dann offensichtlich ein Brief des Stadtpräsidenten von Bielsko-Biala, Jacek Krywult, vom 11. Juli dieses Jahres gegeben. Der stellte - in englischer Sprache - ebenso nüchtern wie ohne Umschweife fest, dass die einst vereinbarte Beziehung "irgendwann nicht mehr fortgesetzt" wurde, ja dass es tatsächlich "in den letzten Jahren keine Initiativen im Sinne der Vereinbarung" gegeben habe. Er bitte deshalb um eine Entscheidung in dieser Angelegenheit. "Wenn es die Gemeinde Lilienthal nicht mehr wünscht, die Zusammenarbeit mit unserer Stadt fortzusetzen, schlage ich vor, unseren Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden."

Nachdem die Lilienthaler Arbeitsgruppe Partnerschaft in der gemeinsamen Sitzung mit der Stichting internationale Betrekkingen Stadskanaal am 31. August darüber informiert worden war, kam auch aus diesem Gremium die Empfehlung, den Vertrag über die freundschaftlichen Beziehungen aufzulösen. Egon Hastedt stellte denn auch für die CDU fest, es sei ein trauriger Tag, wenn man feststellen müsse, "dass Freundschaften sterben". Auf allen Ebenen, ob Kirche, Schule, Kultur oder auch im Sport, den der langjährige Vorsitzende der Lilienthaler Sportkonferenz da keineswegs ausnahm, seien die Kontakte immer seltener geworden. Insofern sei dieser Schritt jetzt auch keine Überraschung. Das sah Uwe Kempf (SPD) genauso. "Wir sollten die Arbeit an diesem Projekt einstellen, denn es ist leider gescheitert." Er könne sich aber vorstellen, dass es eine Aufgabe für den neuen Ausschuss für internationale Partnerschaften im neuen Rat sein könnte, einmal zu schauen, ob man hier neue Projekte auf den Weg

bringen könnte. Gerade auch in einem zusammen wachsenden Europa sei es wichtig, Partnerschaften zu pflegen, betonte Kempf. Die Abstimmung, die das Ende der Freundschaft besiegelte, fiel dann einstimmig aus.

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