Ersatzbau für Flutbrücke Die Furcht vorm großen Stau in Borgfeld

Mit den Plänen für den Ersatzbau der Borgfelder Flutbrücke haben sich Lilienthals Kommunalpolitiker befasst. Sie suchen Wege, wie sich die drohenden Verkehrsprobleme während der Bauzeit minimieren lassen.
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Von Lutz Rode

Pendler aus Lilienthal und Umgebung müssen sich auf harte Zeiten einstellen, wenn im kommenden Jahr die 80 Jahre alte Borgfelder Flutbrücke durch einen Neubau ersetzt wird. Schon jetzt staut sich zu den Stoßzeiten der Autoverkehr zwischen Borgfeld und Lilienthal, und das Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) geht davon aus, dass sich die Lage durch die zwei Jahre währende Baustelle noch einmal verschärfen dürfte. „Es wird kein Chaos entstehen. Doch der Verkehrsfluss wird nicht besser. Das ist jedem bewusst“, sagte der projektleitende Ingenieur Arend Kiefer vom ASV, als er jetzt im Lilienthaler Ausschuss für Baudienste die Pläne für den Brückenbau erläuterte.

Eigentlicher Rückbau erst 2020

Schon in wenigen Wochen wird sich das Bild an der Flutbrücke sichtbar verändern, wenn auf der linken Seite in Richtung Lilienthal mehrere Bäume gefällt werden, um Platz für die geplante Baustraße im Hochwasserschutzgebiet zu schaffen. Danach wird erst einmal Ruhe einkehren, bis dann im April die Straßenbahnbrücke so hergerichtet wird, dass sie auf zwei Spuren von den Autos mitbenutzt werden kann. Der eigentliche Rückbau der Flutbrücke soll im August 2020 beginnen.

Wie die Borgfelder blicken auch Lilienthals Kommunalpolitiker mit Sorge auf die Baustelle, die voraussichtlich bis September 2022 bleiben wird. Aus ihren Reihen gibt es Ideen, wie sich der drohende Verkehrskollaps zumindest eindämmen ließe. Viel geschafft wäre schon, wenn weniger Autofahrer als heute die Strecke nutzen würden – etwa, weil sie auf die Straßenbahn umsteigen oder gleich einen Bogen machen, indem sie zum Beispiel über Ritterhude nach Bremen und zurückfahren. Allerdings könnte dort ein weiteres Hindernis auftauchen: Denn zeitgleich mit der Borgfelder Flutbrücke soll nach den Plänen des Landkreises im nächsten Jahr auch der Kreuzungsbereich der Kreisstraße 8 am Abzweig der K 9 in Richtung Osterholz-Scharmbeck umgebaut werden. Ratsherr Reinhard Seekamp (Die Linke) und auch Marcel Habeck (CDU) regten an, dass sich der Landkreis und die Bremer Seite abstimmen, damit kein doppeltes Nadelöhr entsteht.

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Um die Straßenbahn für möglichst viele Pendler attraktiver zu machen, schlägt Seekamp unter anderem auch vor, während der Bauphase zusätzliche Pendler-Parkplätze in Lilienthal zur Verfügung zu stellen. Seine Idee: Auf den Kundenparkplätzen von Aldi oder Lidl ist seinen Beobachtungen zufolge auch tagsüber noch Platz und die Gemeinde könnte mit den Discountern eine Mitnutzungsmöglichkeit vereinbaren. Eine Chance wäre aber auch eine bessere Taktung der Straßenbahn, wenn nicht mehr jede dritte, sondern jede zweite Bahn bis nach Falkenberg durchfahre.

Schleichverkehr zu den Stoßzeiten

Kurt Klepsch (SPD) hält es für überlegenswert, einen Schleichverkehr über Borgfeld in Richtung Butendiek zumindest zu den Stoßzeiten möglich zu machen – für ein bis zwei Stunden am Tag. Die Warfer Landstraße, wo an der Kreuzung zum Großen Moordamm gerade die kleine Brücke fertiggestellt wurde, soll nach jetzigem Stand eine reine Anliegerstraße bleiben. Über alles andere könne das ASV nicht entscheiden, da sei die Politik gefragt. Anders als Klepsch gibt es auch Lilienthaler, die bereits jetzt vor einem zusätzlichen Schleichverkehr in der Ortsmitte warnen – so zum Beispiel am Konventshof und der dort gelegenen Schroeterschule.

Hanno Dehlwes (Grüne) fragt sich, was passiert, wenn die Borgfelder Landstraße in den Wintermonaten wie öfters schon überschwemmt wird und die Strecke zwischen Borgfeld und Butendiek für Autos während der Bauphase gesperrt werden muss. Daher erkundigte er sich nach Möglichkeiten, die Fahrbahn vorübergehend zu erhöhen, damit die Strecke auch bei Hochwasser weiter befahren werden kann. Technisch machbar wäre das sicherlich, schätzt das ASV. Doch hat die Behörde Zweifel, dass ein solches Vorhaben auch bezahlbar wäre. Letztlich aber sei auch das eine politische Entscheidung, die die Behörde nicht treffen könne.

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Querdenker Ingo Wendelken haderte mit der veranschlagten Bauzeit von zwei Jahren für die neue Flutbrücke. Doch das Bremer Amt für Straßen und Verkehr hält an dem Zeitplan fest. Die Behörde rechnet zwar mit einer reinen Bauzeit von etwa 18 Monaten, kalkuliert aber auch den Fall ein, dass die Baustelle wegen Hochwassers für mehrere Monate zum Stillstand kommen könnte. Man gehe da auf Nummer sicher und plane von vornherein diesen zeitlichen Puffer ein, auch, um nicht später von der ausführenden Baufirma mit finanziellen Nachforderungen konfrontiert zu werden. Wenn es gut laufe, könnte der Ersatzbrückenbau früher als veranschlagt fertig sein.

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