Autor aus Lahausen Die Gedanken auf dem Jakobsweg

Rainer Jäckle hat die Erlebnisse seiner Tour auf dem Jakobsweg in einem Buch festgehalten und sich dabei mit ganz verschiedenen Themen, auch abseits der Strecke, beschäftigt.
09.07.2018, 17:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Lahausen. Wenn Menschen besondere Reisen unternehmen, machen sie als Andenken oft Fotos. Das hat Rainer Jäckle beim Beschreiten eines Teils des Jakobsweges zwar auch getan, vor allem aber hat er seine Erfahrungen aufgeschrieben. Und seine Erlebnisse jüngst in einem Buch veröffentlicht. "Jakobsweg ist jeden Tag" heißt das Werk, das dem Leser einen anderen Einblick auf die Strecke geben soll.

"Ein Tagebuch zu führen, ist Pflicht auf dem Jakobsweg. Das weiß jeder, der die Tour übernimmt", sagt Jäckle. Von Bilbao im Baskenland bis zum Ziel aller Pilger, der Stadt Santiago de Compostela, beschritt er den historischen Weg, die konkrete Strecke spielt in seinem Werk aber nur eine untergeordnete Rolle. "Ich habe mich mit einigen Themen beschäftigt, die mich interessiert haben", erzählt er. Dazu gehören laut dem Lahauser politische Themen ebenso wie die Tatsache, dass sich einige Menschen von dem Sprichwort "Carpe Diem", also "Nutze den Tag", unter Druck setzen ließen. Aber auch das Ende des eigenen Lebensweges – passend zum Wandern – thematisiert er dort. "Ich habe immer alles geplant, das ist mit Blick darauf schwierig", erklärt er. Die Reise hat er bereits 2012 übernommen, an der Aufbereitung als Buch dann in den folgenden Jahren immer wieder gearbeitet.

Die Strecke ist Jäckle alleine gelaufen, "das machen die meisten so", berichtet er. So hatte er ausreichend Zeit zum Nachdenken. Regelmäßigen Austausch mit Menschen habe es aber trotzdem stets gegeben, fügt er hinzu. "In den Unterkünften sitzen die Pilger abends meistens noch zusammen", erklärt der Rentner. Die Nationalitäten seien dabei bunt gemischt, quer durch Europa. "Die Gründe, wieso die Menschen sich auf den Jakobsweg begeben, sind ebenso vielfältig", sagt der Autor. Einige hätten auch ein halbes Jahr zuvor mit dem Training begonnen, andere seien den Weg schon drei- oder viermal gelaufen.

Aber vor allem die Erlebnisse auf dem Jakobsweg selbst hätten Eindruck hinterlassen. Das sind kleine Kapellen am Wegesrand oder die Einsamkeit eines völlig verlassenen Abschnittes. "Vor allem hat sich aber der Besuch in der Kathedrale von Santiago de Compostela eingebrannt", erinnert Jäckle sich. Dort habe ein Mann spontan angefangen zu singen. Er konstatiert aber: "Mit dem Jakobsweg aus dem Mittelalter hat das Ganze nichts mehr zu tun. Von Touristen, die weitestgehend ohne Gepäck reisen, habe er aber lediglich auf dem letzten Abschnitt etwas bemerkt. "Ab etwa 100 Kilometer vor Santiago de Compostela sah man sie, ansonsten waren es nur die Wanderer", sagt Jäckle. Und Fahrradfahrer, von wenigen Teilen des Weges einmal abgesehen.

Die Idee, ein Stück des wohl bekanntesten Pilgerweges der Welt zurückzulegen, fasste Jäckle nach der Lektüre von Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg", in dem der Komiker selbst seine Erlebnisse des Wanderns dort beschreibt. "Für alles Weitere half mir ein Reiseführer", ergänzt der Lahauser schmunzelnd. Und sein Handy. "Morgens habe ich nachgeschaut, wo ich in der kommenden Nacht schlafen kann, oder ich habe beim Auschecken gefragt", erläutert er und räumt schmunzelnd ein: "Ich bin eigentlich kein richtiger Wanderer, ich habe nur einmal in einer richtigen Pilgerherberge geschlafen."

Jäckles ursprünglicher Plan sah vor, dass die Tour bereits in den Pyrenäen beginnt. "Aber dorthin ging kein guter Flug", sagt er. Also startete er in Bilbao. Rückblickend hält der Lahauser fest: "Mehr hätte ich nicht geschafft." Dafür habe er zu viele Fehler gemacht. "Ich habe mich am Anfang gefragt, warum einige Leute mit Wanderstöcken unterwegs sind. Heute würde ich es auch so machen", nennt er ein Beispiel. Und er würde mehr Wert auf Pausen legen und weitere Strecken mit dem schweren Rucksack im Vorfeld trainieren. Ansonsten aber, stellt er klar, möchte er die Erlebnisse nicht missen.

Den Entschluss, ein Buch – übrigens sein zweites – zu schreiben, fasste Jäckle erst im Laufe der Reise. "Es soll auch andere Menschen ermutigen, ihre Gedanken aufzuschreiben und die Hemmschwelle zu überschreiten", betont der Autor. Und auch die aus seiner Sicht spannende Beschäftigung mit den Feinheiten der deutschen Sprache seien es wert, selbst einmal mit Worten kreativ zu werden.

Auf die Frage, ob er noch einmal eine Reise auf dem Jakobsweg unternehmen würde, muss er einen Moment überlegen. "Wenn meine Frau mich fragen würde, wahrscheinlich schon", antwortet er. Eine Neuauflage könnte er schon sich vorstellen, sie sei aber nicht geplant. "Es wirkt auch als einmaliges Erlebnis", sagt Jäckle.


Weitere Informationen zu Rainer Jäckle und seinen beiden Büchern – inklusive der ISBN-Nummern – gibt es im Internet unter rainermichaeljaeckle.blogspot.com.

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