Weyher Lauftreff Die "Horde trampelnder Idioten"

40 Jahre ist der Weyher Lauftreff inzwischen alt, die Gruppe ist dabei stetig gewachsen – und war immer schon sehr umtriebig. Guido Weckes und Wolfgang Arbeiter blicken zurück.
18.07.2018, 17:35
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stephen Kraut

Weyhe. Als sie anfingen, waren sie für viele Menschen Exoten. "Bauarbeiter haben unserer Frauengruppe zugerufen, dass sie lieber arbeiten gehen sollen", berichtet Guido Weckes. In einem Leserbrief wurden sie eine "Horde trampelnder Idioten" genannt. Die Rede ist vom Weyher Lauftreff. Heute sieht das ganz anders aus, und die Gruppe hat so viele Aktive wie manch ein Verein. Dabei ist die Gruppe genau das nie geworden. Nun hat sie ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert.

1970 fing Wolfgang Arbeiter mit dem Laufen an, doch erst, als Hans-Heinrich Reineke, genannt "Fuchsi", im Jahr 1978 über die Zeitung einen Aufruf startete, beschloss er, sich einer Gruppe anzuschließen. "Er hatte gefragt, wer Laufen lernen möchte", berichtet Arbeiter. Und einige Lernwillige fanden sich schnell zusammen: "Wir waren zehn bis 15 Leute", schätzt er. Reineke habe die Laufeinheiten langsam gesteigert, von 15 Minuten auf 30, es folgte eine Stunde, anderthalb und schließlich zwei Stunden. "Für einige ging es bis zum Marathon", ergänzt Weckes. Er selbst kam 1981 dazu, seine Frau, selbst regelmäßige Teilnehmerin des Lauftreffs, hatte ihn animiert, einmal mitzukommen. Und er ist geblieben, ebenso wie Arbeiter.

Das liegt laut den beiden auch an Reineke, der im vergangenen Jahr verstarb. Zahlreiche Aktionen hatte er im Laufe der Jahre organisiert, Crossläufe ebenso wie längere Touren, beispielsweise einen 100-Kilometer-Lauf durch drei Landkreise. Aber die Liste lässt sich fast beliebig fortführen: Run For Help, diverse Marathons, Spargellauf und viele weitere Veranstaltungen gehören dazu. "Wir waren auch beim ersten Marathon durch Ost-Berlin dabei", erinnert sich Weckes. "Wichtig war es Fuchsi aber auch, dass die Aktionen des Lauftreffs etwas mit Weyhe zu tun haben", sagt er weiter. "Zum Beispiel gibt es ein Kirchweyhe in Uelzen, ein Erichshof existiert bei Eckernförde", nennt er zwei Ziele für Touren. Auch in die Niederlande, genauer gesagt in den Großraum Zwolle, ging es; dort fand Reineke ein Weyhe. "Und nach der Wende entdeckten wir ein Jeebel", fügt Weckes hinzu.

Die Jeebeler Fuhren sind auch von Anfang an der Ausgangspunkt des Weyher Lauftreffs gewesen, die Strecken würden sich aber über die weitere Region erstrecken. "In Bremen beneidet man uns um die schönen Wege", weiß Weckes zu berichten. Aber nicht nur die Strecke wuchs, sondern auch die Mitgliederzahl. "Viele sind auch aus Barrien, Ristedt und Syke dabei", informiert Arbeiter, der selbst in Barrien lebt. Etwa 80 bis 100 Aktive umfasst die Gruppe inzwischen, so schätzen die Männer. Wobei es ohne feste Vereinszugehörigkeit natürlich etwas schwieriger ist, das genau festzustellen. Für Weckes aber ist die lockere Gemeinschaft ein absoluter Vorteil. "Es gibt keine Verpflichtungen und keine Mitgliedsbeiträge zu bezahlen", sagt er. Und weiter: "Wenn jemand dabei ist, freuen wir uns. Wenn einer wegbleibt, begrüßen wir ihn freudig, wenn er wieder dazu kommt", erklärt der 69-Jährige die Einstellung der Gruppe. Wie groß die Strecke ist, die jeder läuft, kann dabei übrigens ebenso frei entschieden werden: "Wer weniger laufen möchte, dreht einfach um. Wichtig ist, dass man sich am Ende wieder trifft."

Der Weyher Lauftreff ist aber nicht nur gewachsen, sondern inzwischen auch international vertreten, wie die Männer herausstellen. Auf Hawaii, in Australien und an zahlreichen anderen Orten auf der ganzen Welt seien Aktive des Weyher Lauftreffs unterwegs. Trotzdem teilen sie das Problem vieler Vereine: Der Altersschnitt ist in den vergangenen Jahren höher geworden. "Einige sind inzwischen mit Walking-Stöcken unterwegs", sagt Weckes. Aber auch das sei kein Problem und werde von den anderen ohne Weiteres hingenommen. Einige Läufer zwischen 30 und 40 gebe es zwar auch noch, "aber es dürfen gerne noch weitere Interessierte dazukommen", erklärt er.

Weniger aktiv ist der Lauftreff trotz des höheren Altersdurchschnitts aber nicht: Alle zwei Tage kommen Teile der Gruppe aktuell zusammen. "Dienstags trainieren die mit mehr Ehrgeiz", informiert der 69-Jährige. Ansonsten, betonen die beiden aber, gehe es nicht um sportlichen Wettkampf.

Viel geändert hat sich laut Weckes im Laufe der Zeit nicht, Arbeiter aber fällt direkt etwas ein: Er präsentiert alte Laufschuhe, dazu ein T-Shirt mit dem Logo des Lauftreffs. "Die Kleidung ist heute eine völlig andere", betont der 80-Jährige. Spezielle Laufkleidung habe es damals nicht gegeben, Arbeiter etwa nutzte seine Fußballschuhe. Abgesehen davon aber, finden beide, ist es fast wie früher. Weckes fasst es schmunzelnd zusammen: "Wir sind immer noch eine Horde trampelnder Idioten."


Der Weyher Lauftreff ist auch im Internet vertreten. Unter www.weyher-lauftreff.de gibt es neben Informationen auch Termine und Trainingszeiten sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+