Ausstellung

Die Kultkneipe als Motiv

Anja Zumsande malt Bremer Motive. Eine Auswahl ihrer Arbeiten stellt sie seit Dienstag, 4. Februar, im Borgfelder Café Kaffeeklatsch aus.
05.02.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Die Kultkneipe als Motiv
Von Antje Stürmann
Die Kultkneipe als Motiv

Die Borgfelder Malerin und Grafikdesignerin Anja Zumsande malt am liebsten Bremer Motive in Nahaufnahme.

CARMEN JASPERSEN

Borgfeld. Mit jedem Farbklecks wird der Berg auf der Mischpalette höher. Obenauf, zwischen Dunkelgrün und Rot setzt Anja Zumsande ein Krönchen Titanweiß. Das braucht sie gleich, sie spürt: Das Einbahnstraßenschild auf der Leinwand kann noch einen Hauch Helligkeit vertragen. Anja Zumsande ist Hobbymalerin mit angemeldetem Gewerbe, studierte Grafikdesignerin und alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Derzeit stellt sie eine Auswahl ihrer inspirierenden Bilder mit vornehmlich Bremer Motiven im Borgfelder Café „Kaffeeklatsch“ aus.

Anja Zumsande interessiert das pulsierende Leben im Viertel. Sie malt die Weserfähre beim Café Sand, den steinernen Roland und das Universum. Dieser Schwerpunkt in der Motivwahl ist zufällig entstanden. Schon als Kind habe sie gern und viel Bremen gemalt, sagt sie, später habe sie in Findorff und im Viertel gelebt. Sie erinnert sich: „Eine Freundin hat beim gemeinsamen Brainstorming vorgeschlagen: Konzentriere dich doch auf Bremer Motive.“ Das gefiel ihr. Hin und wieder aber wachsen auch Rosen von der Farbpalette auf die Leinwand: „Die Rose steht für mich für die schönen Momente im Leben“, erklärt Zumsande diese Zwischenspiele.

Liebeserklärung an die Weserstadt

Bremen in Nahaufnahme und immer eine Spur freundlicher als die Wirklichkeit – Anja Zumsandes Bilder sind eine Liebeserklärung an die Weserstadt. Hier ein Fahrrad, dort ein Hauseingang mit Blumenkübeln, es könnte der zuletzt besuchte Urlaubsort sein. Aber es ist Bremen. Zumsande nutzt grelle Farben, sie malt naiv, mit Blick für Details, aber nicht detailversessen. „Ich war mir nie bewusst, dass da Talent ist“, sagt sie. „Ich dachte immer: Künstler gibt es wie Sand am Meer und alle können das.“ Dass sie eben doch eine besondere Gabe besitzt, ging ihr im Gymnasium auf. Im Kunstunterricht malte sie Rembrandts „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Ihre Mitschüler waren begeistert, wie detailgetreu sie das hinbekam. „Da habe ich zum ersten Mal gedacht: Ja, das macht mir großen Spaß“, sagt Anja Zumsande.

Noch heute erntet die 38-Jährige viel Lob für ihre Bilder. Dass die Betrachter sich visuell wohlfühlen, ist ihr wichtig. „Die Menschen, die meine Bilder kaufen, die schauen sich das Bild an und sehen Orte, die sie gern haben, die hängen sie sich dann ins Wohnzimmer.“ Zu ihren Kunden zählt etwa jemand aus Hamburg, der Bremen vermisst. Und ein typisches Beispiel ist auch die Bar „Eisen“ am Sielwall. Viele Bremer, sagt Zumsande, haben ihre Jugend in dieser Kneipe verbracht. Wie beliebt die gemalte Nachtansicht des Eisen ist, sieht man auf Zumsandes Homepage: „Eisen No. 3 – verkauft“.

BOR Künstlerin Anja Zumsande

Anja Zumsande setzt das "Eisen" am Sielwall in Szene.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Rechtzeitig wurde sie Mitglied einer Künstlergemeinschaft im Bremer Schnoor, der „Art 15“. Zwei Jahre schon hängen ihre Bilder dort in einer Galerie. Mit Erfolg. Gleich am ersten Tag sei ein „Eisen“-Bild verkauft worden. Die Mitarbeiter der Kultkneipe haben es ihrem Chef geschenkt. „Jetzt hängt es im Flur seiner Wohnung“, weiß Zumsande. Inzwischen bekommt sie regelmäßig Aufträge. „Manchmal gerate ich in Stress, aber es macht auch Spaß“, sagt sie. Und mit Blick auf den Schaffensprozess: „Ich investiere viel Zeit ins Malen, weil ich sehr ins Detail gehe.“ Stück für Stück erarbeitet sie sich die Proportionen, skizziert und setzt Farben. Am liebsten sitzt die talentierte Hobbykünstlerin abends in ihrem Reihenhaus am Esstisch, vor ihr eine Glaskaraffe voller Pinsel und um sie herum Farbtuben. „Meine Schlafanzughose hat schon viele Acrylflecken“, sagt die Borgfelderin und lächelt. Bei allem Talent: Nicht alles geht leicht von der Hand. „Es gibt eine Phase, in der geht es nicht weiter“, weiß sie. Irgendwann aber platze jeder Knoten: „Wenn diese Phase übersprungen ist, geht es zack, zack“.

Ein Idol hat sie nicht. „Aber ich finde spannend, wie Künstler gelebt und welche Krisen sie durchgemacht haben“, sagt die Hobbymalerin. Vincent van Gogh zum Beispiel, oder Frida Kahlo. „Mir ist wichtig, wie diese Menschen mit Kunst ihr Leben bereichert haben.“ Das Malen bezeichnet sie als meditativ, es gebe ihrem Leben Sinn. „Gerade für Frauen ist es wichtig, nicht nur Hausfrau und Mutter zu sein, sondern auch sein Talent zu leben und so eine Art Fülle zu finden“, sagt sie, die in Weyhe-Leeste aufgewachsen ist. „Das habe ich lange verdrängt.“ Wieder zum Malen fand sie beim Eisessen auf dem Hof Kaemena. „Ich habe Birte Kaemena gefragt, was ich tun muss, um in der Galerie dort ausstellen zu dürfen.“ Zwei Jahre und viele Pinselstriche später wurde ihre Bewerbung angenommen.

Inzwischen gilt sie als Geheimtipp. „Die Menschen sehen meine Bilder und ich werde gefragt, ob ich ausstelle“, berichtet Zumsande. So sei auch das Borgfelder Kulturforum auf sie aufmerksam geworden und habe die Ausstellung im Kaffeeklatsch organisiert. Zwischen 100 und 700 Euro bezahlen ihre Abnehmer für Bilder mit Größen zwischen 20 mal 20 Zentimetern und 100 mal 70 Zentimetern. Die Rahmen baut sie fast immer selbst, „damit ich diese Preise halten kann“, sagt sie. Ihren Lebensunterhalt kann Zumsande von der Malerei trotzdem nicht bestreiten. Als angestellte Grafikdesignerin gestaltet sie tagsüber in Bremen Lernsoftware für verschiedene Berufsgruppen. Und sie ist sicher: „Die Malerei wird ein Hobby bleiben.“ Allein schon, weil sie als Alleinerziehende ein sicheres Einkommen brauche. „Außerdem liebe ich meinen Job.“

Weitere Informationen

Ihre „Bremer Bilder“ stellt Anja Zumsande auf Einladung des Kulturforums Borgfeld aus. Zu sehen sind die Acrylarbeiten auf Leinwand noch bis zum 31. März im Café Kaffeeklatsch, Borgfelder Heerstraße 41. Das Café ist dienstags bis freitags jeweils von 9.30 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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