Automuseum schließt

Die letzte Ausfahrt

Asendorf. An der Essener Straße im beschaulichen Asendorf geht in diesem Herbst eine Ära zu Ende. Ganz genau 30 Jahre lang hat Joachim Pett dort die Pforten seines Automobil-Museums für die zahlreichen Besucher geöffnet. Doch nach dieser Saison ist nun Schluss. 'Die Überlegungen, wann der richtige Zeitpunkt zur Schließung ist, gab es schon länger', erzählt Pett. 'Zum 30. Geburtstag ist nun der passende Moment gekommen.'
14.07.2010, 06:00
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Die letzte Ausfahrt
Von Malte Bürger

Asendorf. An der Essener Straße im beschaulichen Asendorf geht in diesem Herbst eine Ära zu Ende. Ganz genau 30 Jahre lang hat Joachim Pett dort die Pforten seines Automobil-Museums für die zahlreichen Besucher geöffnet. Doch nach dieser Saison ist nun Schluss. 'Die Überlegungen, wann der richtige Zeitpunkt zur Schließung ist, gab es schon länger', erzählt Pett. 'Zum 30. Geburtstag ist nun der passende Moment gekommen.'

Die lange Geschichte des Museums beginnt aber eigentlich sogar etwas früher - drei Jahre um genau zu sein. 1977 begann Joachim Pett an der Georg-Wulf-Straße in Bremen damit, dem Publikum erste Ausstellungsstücke zu präsentieren. 1980 folgte dann schließlich der Umzug nach Asendorf. Doch die Museumsräume mussten ja auch irgendwie gefüllt werden. 'Ich hatte selbst viele Autos, außerdem kannte ich einige Leute, die auch welche hatten und ausstellen wollten', erinnert sich der 61-Jährige zurück. 'Und so kam dann eins zum anderen.'

Inzwischen stehen zwei umfunktionierte Scheunen voller schmucker fahrbarer Untersätze samt Zubehör. Wobei nicht in jedem Fall immer ein Auto der Blickfang sein muss. Mal sind es Seifenkisten, dann Motorräder oder Autoreifen. Diverse Fahrräder geben einen Einblick darüber, wie sich die Technik in den vergangenen Jahrzehnte immer weiter entwickelt hat. Einige Meter daneben zieht eine alte, vollständig restaurierte Karussellgondel die Blicke auf sich - und erinnert den ein oder anderen Besucher mit Sicherheit an den ersten Kuss während des Jahrmarktbesuchs in den 1950er Jahren.

Eingemauerter Borgward

Jedes dieser mal kleinen, mal großen Objekte lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Und jedes Mal gibt es auch eine spannende Geschichte zu erzählen. Besonders kurios ist die eines Borgwards, der 1954 erstmals das Werk verlassen hat. 'Das Fahrzeug ist ungefähr 1963 auf dem Grundstück seines damaligen Besitzers eingemauert worden und war für 38 Jahre nicht zu sehen', schildert Pett. 'Warum das so war und wie das passieren konnte, ist bis heute ungewiss.' Als die besagten Mauern dann eines Tages jedoch abgerissen wurden, kam schließlich wieder das Auto zum Vorschein - mit relativ wenig Kilometern auf dem Tacho. Oldtimer-Liebhaber Pett sicherte sich das Fahrzeug, das 'selbstverständlich ungewaschen' und mit einem offiziellen Bielefelder Kfz-Kennzeichen geschmückt, die Ausstellung bereichert.

Bald wird der studierte Schiffsbetriebstechniker seine Sammlung jedoch auflösen. ' Je näher der Tag rückt, desto schwieriger fällt es', gesteht Pett. 'Besonders wenn ich hier abends nochmal allein durchgehe, kommt schon ein bisschen Wehmut auf.' Doch die Entscheidung steht fest. 'Ursprünglich hatte ich sogar noch viel, viel mehr Fahrzeuge, teilweise auch unrestauriert. Doch irgendwann stellt man dann einfach fest, dass man im Prinzip 150 Jahre alt werden müsste, um alles zu schaffen.' So ganz ohne seine geliebten Schätze wird es aber auch in Zukunft nicht gehen. 'Wir haben einen Umzug an die Küste geplant. Und dorthin werde ich auf jeden Fall meine Fahrräder mitnehmen, um wieder ein kleines Museum eröffnen zu können', verrät der 61-Jährige seine Pläne. Auch von den ganz kleinen Motorrädern sowie den Kinderfahrzeugen möchte er sich vorerst nicht trennen. 'Die übrigen Sachen gehen dann entweder an die Personen zurück, die sie mir geliehen haben, oder sie werden verkauft. Interessenten gibt es auf jeden Fall schon', verrät er.

Das Automuseum in Asendorf befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 6. Noch bis zum 3. Oktober sind die Ausstellungsräume jeden Sonnabend in der Zeit von 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Gruppen sollten sich im Vorfeld anmelden, können dann allerdings auch unter der Woche für einen Besuch vorbeischauen. Der Eintritt kostet vier Euro, Kinder zahlen 1,50 Euro. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 04253/714 oder unter 0421/894772.

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