Thänhuser Holtkinners lieben Expeditionen auch bei schlechter Witterung / Bauwagen dient als Rückzugsort Die Matschsuppe als besondere Spezialität

Rehe, Hasen, Eichhörnchen - dazu ein rotbemalter Bauwagen und wetterfest eingekleidete Kinder, die sich Holtkinners nennen und selbst bei schlechtestem Wetter auf die Pirsch gehen. Im Adeligen Holze, dem Wäldchen zwischen Thedinghausen und Riede, treffen scheue Wildtiere, rankende Pflanzen und neugierige Kleinkinder täglich aufeinander. Denn hier - mitten im Forst an der Westerwischer Straße - hat sich der Waldkindergarten Thänhuser Holtkinners vor Jahren angesiedelt. Die Minis nutzen die sich bietenden Möglichkeiten in Flora und Fauna auf spielerische Weise.
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Die Matschsuppe als besondere Spezialität
Von Lars Köppler

Rehe, Hasen, Eichhörnchen - dazu ein rotbemalter Bauwagen und wetterfest eingekleidete Kinder, die sich Holtkinners nennen und selbst bei schlechtestem Wetter auf die Pirsch gehen. Im Adeligen Holze, dem Wäldchen zwischen Thedinghausen und Riede, treffen scheue Wildtiere, rankende Pflanzen und neugierige Kleinkinder täglich aufeinander. Denn hier - mitten im Forst an der Westerwischer Straße - hat sich der Waldkindergarten Thänhuser Holtkinners vor Jahren angesiedelt. Die Minis nutzen die sich bietenden Möglichkeiten in Flora und Fauna auf spielerische Weise.

Thedinghausen. Die kleine Louisa kniet im tiefen Morast. Regen und andere Wetterkapriolen stören das blonde Mädchen nicht. Vergnügt rührt es mit einem Ast in einem Topf herum. Auch Spielkameradin Lisa ist - ebenfalls dick eingepackt - mit Eifer und Freude bei der Sache. "Die beiden kochen eine Matschsuppe", lacht Ina Brendel, die als Kindergartenleiterin die Oberaufsicht über derzeit 14 Holtkinners führt.

Da sie alleine wohl auf verlorenem Posten stünde, um die wuseligen Vorschulkinder bei ihren Expeditionen zu beaufsichtigen, sitzen mit Melina Braun und dem Anfang August als "Bufdi" zum Waldkiga-Team gestoßenen Hannes Dehmel zwei weitere pädagogische Kräfte als Betreuer mit im Boot.

Regen als ideales Wetter

"Wir haben derzeit sieben Dreijährige bei uns, da muss man immer aufpassen", berichtet Brendel, die Regen als "ideales Wetter" für die Kleinen bezeichnet. Das Wetter habe keinerlei Auswirkungen auf das Spielverhalten. Den kompletten Vormittag verbringen die "Wühlmäuse" in der Natur, um ihren Bewegungs- und Erlebnisraum für sich oder in der Gruppe zu entdecken. Im Gelände gibt es keine Verbote, nur die abgesteckten Bereiche dürfen die Kinder nicht verlassen.

Ansonsten ist das Adelige Holz für die Holtkinners der Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. Klettern, Bauen, Spielen, Malen, Basteln, Werken oder ausgiebige Waldspaziergänge - der kindlichen Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Besonders hoch im Kurs stehen das Kochen, wie etwa Matschsuppe, oder auch der Bauwagen als Rückzugsort mit seinen Bänken, Tischen und der Kuschelecke. Was es aber nicht gibt, sind Gegenstände als Spielzeuge. "So setzen sich die Kinder im Spiel mit Dingen auseinander, die ihnen im Wald begegnen", erklärt Ina Brendel.

Dafür sei ein hohes Maß an Abstraktions- und Kommunikationsfähigkeit notwendig. Zudem werde das soziale Verhalten und das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt, ihre Sinne und Motorik geschult und nicht zuletzt durch das Spielen an der frischen Luft auch das Immunsystem fit gehalten. Und: "Die Kinder entwickeln ein tiefes Verständnis und Respekt für die Umwelt und deren Lebewesen."

Ihren Tag im Wald beginnen die Kleinen immer mit dem Morgenkreis zur Begrüßung. Mit Gesang sowie Kreis- und Bewegungsspielen stimmen sich die Holtkinners auf ihr Tagesthema ein. Zur Weihnachtszeit standen da auch adventliche Basteleien auf dem Programm. Zur Stärkung gibt es dann ein Frühstück im Bauwagen oder unterwegs auf der Expedition.

Auch mit Projekten zu Themen wie Weltall, Wasser, Berufen und Insekten sowie mit Ausflügen und Exkursionen - zum Beispiel Planetarium, Klärwerk, Bio-Bauernhof, Feuerwehr und Polizei - werden die Neugier und Abenteuerlust der Kinder befriedigt. Und wenn sich die Minis aus dem Waldkindergarten dann bei ihren Aktivitäten richtig ausgetobt haben, werden sie zur Mittagszeit - nach dem unverzichtbaren Abschlusskreis - von ihren Eltern oft mit total verdreckter Kleidung abgeholt.

"Für die ist das kein Problem, die stehen voll dahinter", lobt Ina Brendel das Zusammenspiel mit den Erwachsenen. Sollte es einmal stürmen und das Wetter sogar für die abenteuerlustigen Kinder zu gefährlich sein, wird halt im Bauwagen getobt und gespielt.

Erst kürzlich, erinnert sich die Waldkindergartenleiterin, habe man das Sturmquartier beziehen müssen. "Da haben unsere Kleinen dann aus Süßigkeiten kleine Lokomotiven gebastelt."

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