Rosemarie Taube, ehemalige Vizepräsidentin des Landgerichts Verden, feiert heute ihren 90. Geburtstag

Die Musik hat die Paragrafen längst verdrängt

Verden.Die Noten haben die Paragrafen längst abgelöst. 25 Jahre nach ihrer Pensionierung setzt sich Rosemarie Taube, ehemalige Vizepräsidentin des Landgerichts Verden, jeden Tag ans Klavier, um Musik zu machen und zu komponieren.
24.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Die Musik hat die Paragrafen längst verdrängt
Von Andreas D. Becker

Die Noten haben die Paragrafen längst abgelöst. 25 Jahre nach ihrer Pensionierung setzt sich Rosemarie Taube, ehemalige Vizepräsidentin des Landgerichts Verden, jeden Tag ans Klavier, um Musik zu machen und zu komponieren. Fünf CDs mit eigenen Stücken hat sie bisher herausgebracht, die sie an Mitbewohner und Freunde verschenkt. Am heutigen Donnerstag hat Rosemarie Taube Präsente zu erwarten, denn sie feiert ihren 90. Geburtstag.

Mit dem Komponieren hat die Jubilarin bereits als Kind begonnen, ihr Musiklehrer ermutigte sie dazu. Ihre erste CD nahm sie jedoch erst mit 86 Jahren auf. Bis vor Kurzem stand sie sogar nachts auf, wenn sie einen Einfall hatte und notierte zumindest die ersten Takte. „Nach der Berufstätigkeit war Musik immer die Hauptsache für mich“, erzählt die rüstige Seniorin. Seit 13 Jahren lebt die gebürtige Berlinerin in einer Senioren-Wohnanlage in der Verdener Innenstadt. Lange hat sie überlegt, nach der Pensionierung zurück in die Hauptstadt zu ziehen. Letztlich hat sie sich dagegen entschieden und diesen Beschluss nicht bereut. „Wenn man keine Familie hat, kann es im Alter in einer so großen Stadt ganz schön einsam sein“, sagt sie. Auch für ihre Mitbewohner greift sie gerne in die Tasten und spielt auf dem E-Piano im Gemeinschaftsraum. „Musik hat eine therapeutische Wirkung, sie beruhigt und hebt die Stimmung“, ist sie überzeugt.

Als sie 1957 am Landgericht ihre berufliche Laufbahn in Verden begann, war sie die erste weibliche Richterin. „Für den damaligen Präsidenten des Landgerichts war das der Untergang der Kultur in seiner Behörde“, erinnert sich Rosemarie Taube. Noch 1962 habe der Präsident die Ansicht vertreten, für zwei Frauen sei das Landgericht Verden nicht groß genug. „Überall, wo ich hinkam, war ich die erste Frau“, sagt die Jubilarin. Gekämpft um ihre Position habe sie jedoch nicht. „Das brauchte ich nicht“, sagt sie. Wenn sie die Frauen heutzutage betrachte, habe sie den Eindruck, dass diese mehr kämpfen müssten als sie selbst.

Zur Juristerei kam Rosemarie Taube nach eigenen Angaben durch ihr Interesse an den Menschen. „Zuerst habe ich Volkswirtschaft studiert, das war aber eine Fehlentscheidung. Da ich während dieses Studiums aber auch Jura-Vorlesungen besuchen musste, entdeckte ich mein Interesse daran“, erinnert sie sich. Das Richteramt bezeichnet sie im Rückblick als „Traumberuf vom ersten bis zum letzten Tag“. Deshalb sei es schade, dass der Staat seine Richter so früh in den Ruhestand schicke. „Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht. Aber das ging nicht“, erzählt sie. Als Anwältin weiterzuarbeiten sei wiederum nicht reizvoll gewesen. „Das hätte ich nicht machen können, weil das von der Arbeit her nichts für mich gewesen wäre“, sagt Rosemarie Taube. An ihrer Seniorenwohnung genießt sie den Service, der ihr im Alltag hilft. „Was alles nicht mehr so gut funktioniert, sieht man zum Glück nicht gleich“, sagt sie. Ihren heutigen Geburtstag feiert sie gemeinsam mit rund 45 Gästen. Es wird sicher ein paar Darbietungen und Gedichte geben, und – natürlich – setzt sich auch die Jubilarin irgendwann ans Klavier, um zu spielen. „Dann aber nur ein paar Improvisationen, das geht mir gut von der Hand und ist für den Anlass angemessen“, sagt sie.

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