Die Norddeutsche vor 25 Jahren Forderung nach einem Dokumentationszentrum

Bereits 1996 wurde die Schaffung eines „Dokumentations- und Informationszentrums Bunker Farge“ gefordert. 2015 eröffnete der „Denkort Bunker Valentin“. Die Menschen beschäftigte1996 außerdem Dauerfrost.
31.01.2021, 07:00
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Von Marina Köglin

Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit. Auf Initiative des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ist der 27. Januar seit dem Jahr 1996 in Deutschland ein offizieller Gedenktag zum Gedenken an die Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus. Auch in Bremen-Nord wurde vor 25 Jahren am 27. Januar dieser Opfer gedacht. Unter dem Titel „Ohne Erinnern gibt es keine Zukunft“ berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 29. Januar 1996 unter anderem von der Gedenkveranstaltung vor dem U-Bunker Valentin.

Das Bauwerk war während des Zweiten Weltkrieges von 1943 bis März 1945 unter Einsatz von Zwangsarbeitern errichtet wurde, wobei Tausende ums Leben kamen. Wulf Böcker, der damalige stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Farge-Rekum, erinnerte an die Zwangsarbeiter, „die unter unmenschlichsten Bedingungen auf der Bunkerbaustelle hatten arbeiten müssen.“ Er forderte die Schaffung eines „Dokumentations- und Informationszentrums Bunker Farge“.

Zwar stand bereits seit 1983 das Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“, ein Werk des Bremer Bildhauers Friedrich Stein, neben dem Bunker, doch davon einmal abgesehen gebe es, so Böcker damals, keine „ausreichend würdige Erinnerung“ an die Opfer. Nur „die Einrichtung eines Dokumentations- und Informationszentrums Bunker Farge könne ein Wachhalten der Erinnerung gewährleisten“, wurde Böcker zitiert. Er rief zur Gründung eines Arbeitskreises Dokumentationszentrum auf.

Es gingen noch einige Jahre ins Land, aber im Mai 2011 begann der Umbau des ehemaligen U-Boot-Bunkers in den „Denkort Bunker Valentin“. Bremen bekam vom Bund 1,9 Millionen Euro, um eine Gedenkstätte im ehemaligen U-Boot-Bunker aufzubauen, und verdoppelte diesen Betrag aus Landesmitteln. Im November 2015 nahm die Gedenkstätte „Denkort Bunker Valentin“ ihren Betrieb auf. Seitdem führt ein Rundweg mit 25 Stationen durch und um den Bunker. Eine Ausstellung im Informationszentrum des Bunkers schließt den Rundweg thematisch ab. Darüber hinaus werden Seminare und Führungen für Schüler, Studierende und Erwachsene angeboten.

Im Januar 1996 ließ anhaltender Dauerfrost den Bremer Norden zittern – und manch ein Fotografenherz höher schlagen. Die tiefen Temperaturen sorgten für zahlreiche winterliche Fotomotive. Auch DIE NORDDEUTSCHE zeigte am 30. Januar 1996 „Arktische Impressionen auf der Weser zwischen Blumenthal und Motzen“. Dicht an dicht trieben dicke Eisschollen auf der Weser – „soweit das Auge reicht.“

Der Fluss war dennoch in Bewegung, denn „seit der Weservertiefung sorgt der Tidenhub dafür, dass sich so schnell keine geschlossene Eisdecke auf der Weser bilden kann“, ist in dem damaligen Artikel in der NORDDEUTSCHEN zu lesen.

Es war also trotz massiver Eisbildung nicht daran zu denken, die Weser demnächst zu Fuß überqueren zu können. Manch eine Nordbremer und Wesermärschler mag das bedauert haben, denn die Eisschollen sorgten im Fährbetrieb für große Probleme: „Eine Fähre ist bereits mit Motorschaden ausgefallen, ein kleineres Schiff, das normalerweise zwischen Vegesack und Lemwerder pendelt, muss wegen des Eisgangs pausieren, dringend benötigte Reparaturen an den anderen Fährschiffen müssen daher verschoben werden“, hieß es damals vonseiten der Fährgesellschaft Bremen-Stedingen.

Aus ökologischer Sicht wurden die Eisschollen wiederum als gutes Zeichen gewertet: „Die Wasserqualität ist besser geworden, als noch vor Jahren. Salze und Chemikalien, die auch aus der ehemaligen DDR stammten, hatten zuvor trotz deutlicher Minusgrade die Eisbildung verhindert.“

Der brach liegende Windpark im Werderland wurde wieder genutzt. Wobei die damalige Bezeichnung „Windpark“ mit heutigen Anlagen nicht vergleichbar ist. Mitarbeiter der Jugendwerkstätten hatten die Windkraftanlagen – Gittermasten mit Rotoren – gebaut. Die Hochschule Bremen, genauer gesagt der Fachbereich Maschinenbau, hatte die Anlagen und das Gelände „für einen Freundschaftspreis“ erworben. „Die Gesellschaft der Freunde der Hochschule Bremen spendierte 20.000 Mark für die Sanierung“, berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 2. Februar 1996.

Die Wartungsarbeiten liefen auf Hochtouren, man hatte „die Masten zerlegt, entrostet, gestrichen und wieder zusammengesetzt – jede Schraube wurde erneuert.“ Mittlerweile lieferten zwei Generatoren Strom ins Netz der Stadtwerke. „Ein paar hundert Mark“ – so wurde Hochschullehrer Georg Jäckel zitiert, „können jährlich damit verdient werden.“ Das Geld sollte in Wartung und Betrieb der Anlage investiert werden. Der Betrieb auf dem kleinen Windenergie-Testfeld wurde vollautomatisch von einem Computer geregelt. Demnächst, so hieß es in dem Artikel, „sollen die Daten der Anlage aus dem Werderland per Funk zur Hochschule in die Neustadt übertragen werden.“

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