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Konzept für Grohner Düne
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3,5 Millionen Euro für besseres Image

Patricia Brandt 20.01.2016 10 Kommentare

3,5 Millionen Euro will die Stadt Bremen ausgeben, um vor allem das Image der Grohner Düne zu verbessern. Das geht aus dem nichtöffentlichen Entwurf für das Entwicklungskonzept für die Wohnblöcke hervor. 

Dass ein einfacher Streit in eine Massenschlägerei mündet, ist in der Grohner Düne kein Einzelfall. Die Blöcke am Vegesacker Bahnhof gelten als eine der gefährlichsten Wohngegenden Bremens. Ändert sich nichts, wachsen hier weitere „Generationen von Hartz-IV-Dynastien heran“, bei der extremistische und kriminelle Tendenzen auf fruchtbaren Boden fallen, attestieren jetzt Gutachter. Seit Dienstag liegt dem Senat das seit 2015 erwartete Entwicklungskonzept im Entwurf vor. Mit rund 3,5 Millionen Euro will Bremen vor allem das Image der Grohner Düne verbessern. DIE NORDDEUTSCHE stellt das nicht öffentliche Konzept vor.

Grohner Düne Wohnungsabnahme und Treppenhausreinigung
Der Senat spricht angesichts der Düne von einer „explosiven Mischung“ und sucht nach einer Lösung. (Christian Kosak)

Wo liegt das Problem bei der Grohner Düne? Die 16-stöckige Großwohnsiedlung hat sich in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte vom Vorzeigeprojekt für modernen Wohnungsbau („Urbanität durch Dichte“) zu einem massiven Brennpunkt in Bremen entwickelt. Häufige Eigentümerwechsel, ein damit verbundener Sanierungsstau und eine hohe Mieterfluktuation führten zum Negativ-Image der Grohner Düne. Die Stadt geht davon aus, dass der Eigentümer, die Firma Grand City Property (Verwalter von 50 000 Wohneinheiten mit Hauptsitz auf Zypern) keine Pläne für weitreichende Investitionen in die Gebäudesubstanz hat.

Wer wohnt in der Grohner Düne? „Wer in die Wohnanlage zieht, hat vielfach keine Wohnalternative“, heißt es in den Papieren der Verwaltung. Die Zahl der Bewohner lag 2014 laut amtlicher Bevölkerungsstatistik bei 1537. Die Verwaltung geht davon aus, dass die tatsächliche Belegung wegen der Flüchtlingsströme deutlich höher liegt. Die meisten Mieter sind arbeitslos oder hilfebedürftig. Fast alle haben einen Migrationshintergrund. In der Grohner Düne gibt es eine Vielzahl von Nationalitäten. Aktuell bestimmen drei Bewohnergruppen die Mieterschaft: Arabische Großfamilien, jesidische Kurden und osteuropäische Roma. Außerdem leben hier Angehörige der Volksgruppe der Mhallamiye. Die Ballung vieler, teils verfeindeter Ethnien stellt laut Verwaltung eine dauerhaft kaum beherrschbare, als explosiv beschriebene Bewohnermischung dar. Wiederholt kam es bereits zu Massenschlägereien. Von unterschiedlichen Akteuren wurde auf die Ausbreitung extremistischer religiöser Tendenzen hingewiesen. Nach polizeilichen Erkenntnissen werden leer stehende Wohnungen und Kellerräume als Rückzugsorte für Konsum oder Lagerung von Drogen genutzt.

Was hat die Stadt bisher unternommen, um die Situation zu verbessern? Grohn gehörte zu den ersten Gebieten, die 1999 in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurden. Später wurden weitere Förderprogramme aufgelegt, darunter Wohnen in Nachbarschaften und LOS. 2013 versuchte Bremen, mithilfe von Kulturmittlern einen Zugang zu den Bewohnern zu bekommen. Das Projekt Pro Düne scheiterte jedoch. Neben einem Brandschutzkonzept brachte der Senat das Integrierte Entwicklungskonzept Grohn (IEK) auf den Weg.

Was genau steht in dem Konzept? Die Verwaltung hat auf 70 Seiten ein ressortübergreifendes Sieben-Säulen-Modell ausarbeiten lassen, das die Lebensbedingungen der Bewohner der Grohner Düne verbessern soll.

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1. Weil die Hochhaussiedlung wie eine abweisende Burg wirkt, soll „der Inselcharakter der Wohnsiedlung aufgebrochen“ werden. Am liebsten wäre den Planern ein Teilabriss, dagegen sprechen aber das Eigentümerinteresse und die mangelnde Finanzkraft der Stadt. Die weniger radikale Lösung des Senats sieht eine Umnutzung des Erdgeschosses an der Friedrich-Klippert-Straße mit einer gestalterischen Aufwertung vor. Einige Läden bestärkten derzeit das Negativimage in der Öffentlichkeit noch. Statt der fast ausschließlich von den Bewohnern genutzten Geschäfte soll hier eine „Service- und Begegnungsebene“ mit Kinderbetreuung, Bewegung, Musikangeboten und dem Bewohnertreff untergebracht werden. Dies soll einen Austausch zwischen Bewohnern und Stadtteil fördern. Die Fassade sowie die Wege und Straßen rund um die Grohner Düne sollen aufgewertet werden. Vorgesehen sind eine Kreuzungsumgestaltung und Neuordnung des Bahnhofsplatzes.

2. Weil sich einige Wohnungen laut Senat in „einem unwürdigen Zustand“ befinden und die veraltete Gebäudeinfrastruktur Probleme macht, will sich Bremen mit dem Eigentümer Grand City Property auf ein Memorandum of Understanding zwischen Stadt und Eigentümer verständigen. Hier sollen Flächenumnutzungen und Maßnahmen zur Bewirtschaftung festgeschrieben werden. GCP soll unter anderem Mindeststandards bei den Mietwohnungen zusichern und stichprobenartige Kontrollen durch die Stadt erlauben. GCP soll sich auch um „eine soziale Durchmischung“ bemühen.

3. Weil die meisten Bewohner keine Arbeit haben, sollen in räumlicher Nähe zur Grohner Düne Arbeitsförderungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose angeboten werden.

4. Weil viele Kinder und Jugendliche aus der Grohner Düne Probleme haben, den Anforderungen der Schule nachzukommen, soll die Zahl der Schulsozialarbeiterstellen an der Grundschule Am Wasser und der Gerhard-Rohlfs-Oberschule erhöht werden.

5. Weil die Bewohner nur wenig integriert sind, soll die Zahl der Sportangebote für Kinder und Jugendliche erhöht werden. Die Stadt will mit Caritas, Jugendfreizeitheim und Sportvereinen kooperieren, um mit Sport für einen Aggressionsabbau in dem Komplex zu sorgen. In der Prüfung ist der Bau einer Anlage für ein Street-Work-out des Vereins S.C.Panthera. Weitere Integrationsprojekte sind unter anderem eine Roma-Frauengruppe und eine Integrationslotsin für Migrantenfamilien.

6. Weil es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten kam, soll das zwischen dem Innenressort und GCP abgestimmte Sicherheitskonzept fortgeschrieben werden. Das sieht unter anderem Videoaufzeichnungen, einen Sicherheitsdienst, ein Müllkonzept und nicht zuletzt einen Hausmeisterservice vor.

7.Weil es an identitätsstiftenden Angeboten fehlt, soll es eine „Düne der Weltkultur“ geben. 2016 soll hier auf 180 Quadratmetern eine Musikwerkstatt für Kinder im Erdgeschoss der Grohner Düne angesiedelt werden, ergänzt um ein Percussion-Studio der Musikschule. Durch kulturelle Beiträge wie Musikbeiträge aus Herkunftsländern sollen Begegnungen zwischen Bewohnern der Grohner Düne und dem Stadtteil geschaffen werden. Als Partner stehen die Bremer Philharmoniker zur Verfügung. Außerdem soll der Auftritt des Jugendsinfonieorchesters Bremen-Nord vom Sommer 2015 mit einer Veranstaltungsreihe fortgeführt werden.

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Was kostet das? Es liegen bisher keine Schätzungen über die Gesamtkosten vor. Die Stadt will aber ab 2016/17 für Einzelprojekte mindestens 3,5 Millionen Euro aus der Städtebauförderung und anderen Förderprogrammen bereitstellen. Einzelposten sind unter anderem die Aufwertung der Aufenthaltsbereiche der Grohner Düne westlich der Friedrich-Klippert-Straße (1,1 Millionen Euro), Aufwertung des Innenhofs (bis zu 150 000 Euro), die Umnutzung des Erdgeschosses (bis zu 500 000 Euro), eine Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsplatzes mit veränderter Bebauung und neuer Verkehrsführung (bis zu einer Million Euro) und Umgestaltung der Kreuzung Friedrich-Klippert-Straße/Hermann-Fortmann-Straße (bis zu 250 000 Euro). Für die Aufstockung der Schulsozialarbeit wurden 40 000 Euro pro Jahr veranschlagt.

Warum kauft Bremen die Grohner Düne nicht? Nach einem bereits verpassten Ankauf will Bremen laut Koalitionsvereinbarung die Voraussetzungen für einen Kauf der Grohner Düne schaffen. Für die Kleine Düne an der Bydolekstraße wurde 2015 eine Vorkaufsrechtssatzung verabschiedet. Für die Große Düne ist dies nicht möglich, weil es sich um eine Wohneigentumsgemeinschaft handelt. Deshalb setzt das Konzept auf eine Zusammenarbeit mit dem Eigentümer.

Spielt der Eigentümer mit? Das muss die Stadt jetzt herausfinden. Der Entwurf des Konzeptes soll mit GCP verhandelt werden. Der Senatsbeauftragte für Bremen-Nord, Martin Prange, übernimmt die Verhandlungsführung. In einer ersten Reaktion sagt Katrin Petersen von GCP: „ Wir nehmen mit Erstaunen zur Kenntnis, dass der Bremer Senat offensichtlich ein Konzept zur Grohner Düne beschlossen hat, ohne dabei einen der wichtigsten Akteure einzubinden – nämlich uns als Eigentümer und Vermieter der Immobilie. Denn uns wurde bis heute, trotz Nachfragen, ein Einblick in den aktuellen Stand des Konzepts verwehrt.“ Eine enge Kooperation sei offensichtlich für den Senat keine Grundlage bei der Fertigstellung des Konzepts gewesen. Petersen: „Das Vorgehen des Senats ist hochgradig zu bedauern.“


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...