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Die Jacobs-Kinder

DORIS FRIEDRICHS 13.08.2015 0 Kommentare

Campus der Jacobs University in Bremen-Nord.
Campus der Jacobs University in Bremen-Nord. (Volker Kölling)

Neun Uhr im Kindergarten Kids at Jacobs auf dem Gelände der Jacobs University. Lauter kleine Nachtgespenster laufen die Gänge entlang. Es ist Pyjama-Party-Tag, einer von drei Motto-Tagen, bevor es in die Sommerpause geht. Die Kleinen sind aufgeregt, ein Mädchen steckt in einem „Katzen-Dress“, ein Junge will überhaupt keinen Schlafanzug anziehen. Ansonsten ist es ein Tag wie jeder andere: Es wird Deutsch und Englisch mit den Kindern gesprochen.

An einer langen Tafel in einem der Flure sind Namen von Kindergarten-Kindern aufgeschrieben und das Land, aus dem sie oder ihre Eltern stammen. China, Algerien, Frankreich, Italien, Türkei, Holland, Polen, Brasilien und Südafrika ist unter anderem zu lesen. Und mittendrin auf einer ovalen Plastikfolie klebt die Weltkarte. Derzeit zählt die Kita 40 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren in drei Gruppen aus etwa 16 Herkunftsländern.

Zweisprachige Vollzeit-Betreuung

Gegründet wurde der Verein Kids at Jacobs im Dezember 2004 von Angehörigen der Jacobs University. Ziel der gemeinnützigen Elterninitiative ist es, eine zweisprachige Vollzeit-Betreuung zu gewährleisten. Dabei steht die Kita nicht nur Kindern von Uni-Bediensteten und Studenten zur Verfügung sondern auch allen anderen aus der Umgebung. Pro Gruppe kümmern sich zwei Fachkräfte und eine junge Frau oder ein junger Mann im Freiwilligen Sozialen Jahr um den Nachwuchs.

Die Kommunikation mit den Kindern erfolgt auf Deutsch und Englisch. Alle aktuell beschäftigten Erzieherinnen sind deutschsprachig. Sie hätten aber alle Bezug zum englischsprachigen Ausland, hätten dort zum Teil über Jahre gelebt oder ihre Kindheit verbracht, sagt Frauke Jacobs, seit 2011 Leiterin der Kita, die im ehemaligen Offizierskasino auf dem Uni-Gelände untergebracht ist. „Wir würden uns wünschen, dass interessierte Fachkräfte aus dem Ausland hier einfacher eine Anerkennung für ihren Berufsabschluss als Erzieherin bekämen.“ Die Kinder nähmen es als selbstverständlich hin, dass Deutsch und Englisch gesprochen wird. Für sie sei es später in der Schule leichter, Fremdsprachen zu lernen. „Wir sind neugierig, wenn wir etwas wieder erkennen“, ist Frauke Jacobs überzeugt. „Unsere Kinder haben ein anderes Selbstverständnis für Fremdsprachen. Das hilft ihnen im schulischen Alltag.“

Die Kita-Leiterin – übrigens nicht mit dem Namensgeber der Universität verwandt – schätzt die familiäre und wertschätzende Atmosphäre im Kindergarten, ebenso die kurzen Wege für die Eltern. „Wir sind alle nah beieinander, jeder kennt jeden.“ Dabei sei das Engagement der Eltern nicht nur wünschenswert, sondern notwendige Voraussetzung, um einen guten Ablauf im Alltag der Kita zu ermöglichen.

Besondere Elterninitiative

„Wir haben keine Ebene der Verwaltung, keine Handwerker. Alle Belange der Kita gehen über meinen Schreibtisch, aber alles wird von den Eltern mitgetragen, was eine hohe Bereitschaft und gute Kommunikation voraussetzt. Die Eltern werden auch Arbeitgeber, weil sie Vorstandsämter bekleiden. Der Vorstand ist die rechtsverbindliche Vertretung der Kita und damit übernehmen die Eltern auch Verantwortung“, erläutert Frauke Jacobs. „Eine Elterninitiative ist immer etwas Besonderes. Sie lebt von der Zusammenarbeit mit den Beschäftigten der Kita.“ Auch müssten die Eltern, die sich für Kids at Jacobs entscheiden, offen sein für Interkulturalität und Teil der internationalen Gemeinschaft werden wollen.

Der Tag auf dem Uni-Gelände beginnt für die Kids zwischen acht und neun Uhr. Erst einmal ankommen, lautet die Devise. Danach beginnt der Morgenkreis mit verschiedenen Ritualen, unter anderem mit stetig wiederkehrenden Liedern. Jedes Kind wird mit seinem Namen begrüßt. „Die Kinder sollen sich als Teil der Gruppe erleben“, erklärt Frauke Jacobs. „Je länger sie hier bei uns sind, je selbstständiger fühlen sie sich.“ Nach dem Morgenkreis wird entweder gefragt, was die Kinder machen wollen, oder die Erzieherinnen erzählen, was für den Tag anliegt. „Je glücklicher und ausgeglichener unsere Kinder groß werden, je mehr Kraft haben sie für ihr Leben. Wir können unsere Kinder nur stärken, wenn wir ihnen gleich zu Beginn ihres Lebens so viel Positives wie möglich mitgeben“, betont Frauke Jacobs, die 18 Jahre auf der Stadtteilfarm Huchting gearbeitet hat, unter anderem als Leiterin der Einrichtung.

Positiv sei auch, dass die Ernährung in der Kita biologisch ist. Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack werden täglich frisch mit Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft zubereitet. Neben einem Außengelände mit diversen Spielgeräten und den Gruppenräumen gibt es zwei Ruhe-/Schlafräume, einen Wickel- und Waschraum und selbstverständlich kindgerechte sanitäre Anlagen.

Jeweils an einem Tag in der Woche wird die Arbeit der Erzieherinnen von einem Sportpädagogen beziehungsweise einer Musikpädagogin unterstützt. Für das Sportangebot darf die Kita die neue Sporthalle auf dem Uni-Gelände nutzen. Aktuell wird ein Sportpädagoge für einen Vormittag in der Woche für zwei Stunden gesucht. Interessierte können sich bei Frauke Jacobs unter Telefon 04 21 / 20 00 48 43 oder per E-Mail an info@kids-at-jacobs.de melden.

Dem Eindruck, dass es sich bei Kids at Jacobs um eine elitäre, teure Einrichtung handelt, tritt die Kita-Leiterin entgegen. „Eltern können beim Bürgerservicecenter und dem Amt für Soziale Dienste einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen. Das steht den Eltern zu. Es soll für jedes Kind möglich sein, die zweisprachige Betreuung in Anspruch nehmen zu können.“

Weitere Informationen zum Kindergarten finden sich im Internet unter www.kids-at-jacobs.de. Das neue Kita-Jahr ist am 10. August gestartet.


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