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Ehrenamtliche Sucher in der Wesermarsch
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Fahnden nach vermissten Tieren

Barbara Wenke 16.01.2017 0 Kommentare

Tiersuchdienst Wesermarsch
Schwierige Mission: Heidi Huth-Hinrichs lässt sich per Handy dirigieren. Sie sucht eine tote Katze am Straßenrand. (Barbara Wenke)

Das Wetter ist ungemütlich. Der Himmel ist grau, es ist kalt, auf dem Boden liegt Schneematsch. Vom Himmel fällt noch immer ein Gemisch aus Regentropfen und Schneeflocken. Die Temperatur liegt bei circa zwei Grad. Heidi Huth-Hinrichs hat sich auf den Weg gemacht, eine Katze zu suchen. Eine tote. Irgendwo am Straßenrand im Berner Ortsteil Schlüte.

Heidi Huth-Hinrichs ist Vorsitzende und zentrale Ansprechpartnerin des 2009 gegründeten Vereins Tiersuchdienst Wesermarsch. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, vermisste, zugelaufene sowie tot aufgefundene Tiere zu registrieren. Häufiger als um tote, geht es um lebende Tiere – und am Ende um ein Wiedersehen von Mensch und Tier. Dafür fahren Heidi Huth-Hinrichs und ihre Vereinsmitglieder fast täglich quer durch den Landkreis, fotografieren Katze, Hund und Co. und nehmen sie in ihre Datenbank auf. Im vergangenen Jahr legten die Tiersucher mehr als 8000 Kilometer zurück. 266 Tiere konnten sie ihren Besitzern zurückgeben.

Begonnen hat Heidi Huth-Hinrichs Engagement vor mehr als 16 Jahren. Im Sommer 2000 verschwand ihre Katze Winnie. „Wir wissen nicht, was mit ihr passiert ist.“ Die Ungewissheit nagt an der 53-jährigen Nordenhamerin. Damals habe sie Anzeigen in der Tageszeitung geschaltet. Ihre Kinder hätten Handzettel verteilt. Doch Winnie blieb verschwunden.

Ruf als "Katzen-Mutti"

Dann habe sie begonnen herumzufragen, wer außer ihr eine Katze vermisst, erinnert sich die 53-Jährige. „An dem Wochenende sind rund um Nordenham mehr als 30 Katzen verschwunden“, berichtet Heidi Huth-Hinrichs. Sie hat alle Fälle dokumentiert. Und nachgefragt, ob die Tiere zurückgekehrt sind. So entstand ein Register. In der Stadt handelte sich Huth-Hinrichs schnell den Ruf der „Katzen-Mutti“ ein. Bei der Polizei sei sie belächelt worden, wenn sie wieder eine Vermisstenanzeige aufgab. Da ihr ein Polizist verriet, wie seine Kollegen über sie denken, gab Heidi Huth-Hinrichs das Anzeigeerstatten auf und begann, auf eigene Faust zu ermitteln.

Heute denke der Polizist anders über ihr Engagement, erzählt die Nordenhamerin. Sie habe ihn kürzlich wiedergetroffen, und er gestand ihr, nicht mit dem Erfolg der Tiersucherin gerechnet zu haben. Mittlerweile arbeitet die Vereinsvorsitzende regelmäßig mit Polizei, Ordnungsämtern, Veterinäramt und Tierärzten zusammen.

Aus Berne hatte sie am Donnerstagnachmittag ein Vereinsmitglied angerufen. Die Frau erzählte, im Ortsteil Schlüte kurz vor der Huntebrücke auf der Bundesstraße 212 eine tote Katze entdeckt und neben die Leitplanke an den Abhang gelegt zu haben. Am Freitagvormittag macht sich Heidi Huth-Hinrichs auf in den Süden der Wesermarsch. Auch das gehört zu ihren Aufgaben: Tote Tiere zu fotografieren sowie nach Tätowierungen und Chip abzusuchen. Vielleicht hat sie bereits jemand als vermisst gemeldet. Demjenigen könnte sie dann wenigstens erzählen, was aus dem Tier geworden ist. Das wäre mehr, als ihr und Winnie vergönnt war, denn auch eine traurige Gewissheit sei besser als gar keine.

Mit Kescher und Lebendfallen

Meistens handelt es sich allerdings um lebende Hunde und Katzen, die die Mitglieder des Tiersuchdienstes aufnehmen. Mit Kescher und Lebendfallen machen sie sich auf den Weg, die Tiere einzufangen. Mitnehmen können sie sie allerdings nicht. „Wenn es geht, lassen wir die Tiere bei denen, die sie gemeldet haben“, erzählt die 53-Jährige. „Vielleicht finden sie ja von alleine wieder nach Hause.“ Ansonsten müsse sich das Ordnungsamt der zuständigen Kommune kümmern.

Seit der Aufnahme seiner Arbeit habe der Tiersuchdienst den Städten und Gemeinden im Landkreis viel Geld gespart, sagt Heidi Huth-Hinrichs. Früher hätten die Kommunen die Tiere in Tierheimen unterbringen müssen. Heute würden die Besitzer Dank des Tiersuchdienstes viel schneller ermittelt. Zudem könnten viele Tiere, bis sie abgeholt werden, bei ihren Findern bleiben. 

Die Suche nach der toten Katze in Berne gestaltet sich schwierig. Zum einen kennt Heidi Huth-Hinrichs den exakten Fundort nicht. Zum anderen überdeckt eine Schneedecke das schwarz-weiße Tier. Jeder Buckel unter dem Schneematsch könnte der Leichnam sein. Nach einigen Minuten des Suchens entlang der Leitplanke, und von zahlreichen vorbei fahrenden Autos mit Schneematsch bespritzt, findet Heidi Huth-Hinrichs das Tier dann doch. Es war ein stattlicher, schwarz-weiß gefleckter Kater. Nase und Mund vom Unfall bis zur Unkenntlichkeit deformiert. „Der war mit Sicherheit sofort tot“, sagt sie.

Der Chip ist immer lesbar

Mittlerweile hat Heidi Huth-Hinrichs sich Einweghandschuhe aus Gummi übergestreift. Die ehrenamtliche Tiersucherin fotografiert den Leichnam, wendet ihn und drückt erneut auf den Auslöser. „Wir nehmen die Tiere immer von beiden Seiten auf“, erzählt die Vereinsvorsitzende. „Dieser Kater sieht aufgrund seiner Zeichnung von der einen Seite ganz anders aus als von der anderen.“ ann sucht sie in den Ohren nach einer Tätowierung. Fehlanzeige. Mit einem speziellen Lesegerät stellt Huth-Hinrichs fest, dass der Kater ebensowenig gechippt ist. „Dabei ist das so wichtig. Der Chip ist immer lesbar. Auch bei einer überfahrenen oder verwesten Katze.“ Hilfreich sei das Reiskorn große Implantat mit der 15-stelligen Nummer aber nur, wenn das gechippte Tier bei einem Haustierregister aufgenommen ist.

Die Anblicke, die sich Huth-Hinrichs und ihren acht aktiven Mitstreitern bieten, sind nicht immer gut auszuhalten. Im Winter seien die toten Tiere quasi konserviert. Im Sommer könne es angehen, dass sich bereits Maden an dem Körper zu schaffen machen. Dennoch nimmt der Verein die Tiere in seine Datenbank auf. Jeden Abend schreibt Heidi Huth-Hinrichs ein Tagebuch für den Internetauftritt (www.tiersuchdienst-wesermarsch.de).

Auf der Facebookseite des Vereins werden nur Fundtiere eingestellt. In erster Linie Katzen. „Die Hunde kriegen wir eigentlich immer schnell wieder nach Hause, weil die meisten gechippt sind“, berichtet Heidi Huth-Hinrichs. Im vergangenen Jahr habe der Verein neben Katzen und Hunden aber auch sieben Ziegen, Sittiche, Tauben, Kaninchen, Frettchen und eine Wasserschildkröte vermitteln können.

Lange Arbeitszeiten

Die Mitglieder nehmen lange Arbeitszeiten auf sich. Viele Stunden und Kilometer kommen insbesondere dann auf ihr Konto, wenn sie zu Einsätzen südlich der Hunte gerufen werden. „Es wäre toll, wenn wir Mitarbeiter in Berne oder Lemwerder finden würden“, sagt Heidi Huth-Hinrichs. Interessierte müssten dafür allerdings einige Bedingungen erfüllen. Voraussetzungen seien eine Kamera, ein Computer sowie ein Auto. „Mit dem Fahrrad oder der Bahn ist das nicht zu machen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Es müsse zudem die Bereitschaft vorhanden sein, lange Strecken zu fahren.

Eine tote Katze müsse hingegen nicht jeder aufnehmen. Wer sich kein totes Tier ansehen mag, brauche dies nicht zu tun, sagt Heidi Huth-Hinrichs. Sie weist aber darauf hin, dass man auch bei lebendigen Fundtiere nie wisse, was man vorfinde. Die Fahrtkosten werden erstattet. Die Arbeitszeit nicht. Lohn sei die Freude der Tierbesitzer, die ihren vermissten Liebling zurückbekommen.

Der Tiersuchdienst in Zahlen: Nachdem sie vier Jahre lang als Privatperson nach vermissten Tieren gesucht hat, rief die Nordenhamerin Heidi Huth-Hinrichs im Jahr 2004 offiziell den Tiersuchdienst Wesermarsch ins Leben. 2009 entstand aus dem Zusammenschluss ein gemeinnütziger Verein. 137 Männer und Frauen haben sich ihm bislang angeschlossen.

Der Tiersuchdienst hat in den vergangenen acht Jahren mehr als 1330 entlaufene Tiere ihren Besitzern zurückgebracht. Dafür legten die Mitglieder knapp 50 000 Kilometer zurück. Offizielle Zuschüsse gibt es nicht. Alle vermissten und zugelaufenen Tiere finden Eingang in eine Datenbank. Die Tiere selbst verbleiben möglichst bei den Findern. Die Daten bleiben so lange im Register, bis der Tiersuchdienst Auskunft über den Verbleib der Tiere erhalten hat. Deshalb besteht für einen Tierhalter auch nach Jahren noch die Möglichkeit, über den Verein zu erfahren, was aus seinem Tier geworden ist. Der Tiersuchdienst ist froh über jede Art von Unterstützung.

Personen, die helfen wollen, zugelaufene und aufgefundene Tiere zu registrieren, können sich unter der Telefonnummer (04731) 22297 mit Heidi Huth-Hinrichs in Verbindung setzen. Unter der IBAN DE 032826 2673 2475 2096 00 nimmt der gemeinnützige Verein Spenden entgegen, um seinen aktiven Mitgliedern die Benzinkosten für die zurückgelegten Kilometer zu erstatten.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...