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An der Jacobs University trifft sich einen Tag lang die „Hacker School“ – Informatik-Einstieg für Jugendliche
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Fliegende Kühe - selbst programmiert

Volker Kölling 22.09.2015 0 Kommentare

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Die Hacker-Klasse an der Jacobs University. (Volker Kölling coast communication)

Immer mehr IT-Firmen stellen fest, dass die Bewerber auf ihre Ausbildungsplätze selbst die einfachsten Programmierschritte nicht mehr in der Schule gelernt haben. Statt aber bloß zu jammern, haben nun Hamburger Informatiker die „Hacker School“ gegründet und damit binnen zwei Jahren eine bundesweite Bewegung losgetreten. Jetzt hat sich an der Jacobs University eine „Class“ der „Hacker School“ getroffen. Neun Bremer Jugendliche haben an nur einem Tag die Anleitung zum Bau eines eigenen Computerspiels bekommen.

Warren Laine-Naida hat schon 1979 einen Sommer lang ein Kriegsspiel programmiert. Die 6000 Zeilen Code dafür hatte der Kanadier mit einem Freund noch auf einem Kassettenrekorder aufgenommen. Sein Computer war der legendäre „Commodore 64“, wie er sich lachend erinnert: „Wollte man eine Zeile Code ändern, musste man alles noch einmal aufnehmen. Aber am Ende hat es funktioniert.“ Jahrzehnte später will der 52-jährige Webkoordinator der Jacobs University neun Jugendliche aus Bremen mit seiner Freude am „Coden“ anstecken. Einen Tag hat er Zeit, um den Elf- bis 13-Jährigen zu zeigen, wie man seine eigene Webseite programmiert und am Ende sogar ein eigenes kleines Computerspiel auf den Bildschirm bringt.

Martin Diekmann baut nach den Anleitungen seines Dozenten mal eben eine kleine Hausaufgabentabelle auf die Rohfassung seiner Internetseite. „Ich konnte das vorher noch nicht. Aber mich hat immer schon interessiert, was hinter Spielen und Internetseiten eigentlich steckt.“ Der Elfjährige aus Borgfeld kann sich sogar vorstellen, einmal selbst den Beruf des Programmierers zu lernen: „Ich war bis jetzt auf jeden Fall überrascht, wie einfach hier alles ging.“ Mit wenigen Tastatur- und Mausbefehlen kommt er mal eben auf die Programmierebene der „Google“-Suchmaschine: „Ändern könnte ich hier nichts, mir aber eins zu eins eine genau gleiche Suchmaschine kopieren.“

Vorne paukt Warren Laine-Naida der Gruppe die wichtigsten Kurzbefehle ein – Shortcuts, also Abkürzungen, genannt: „Wenn etwas hakt und ihr nicht weiterkommt: Nehmt erst einmal die Hände von der Tastatur. HTML ist äußerst logisch. Dann habt ihr irgendwo einen Strich oder einen Punkt vergessen. Dann einfach erst einmal gucken und nachdenken.“ Laine-Naida mag an den jungen Schülern, dass sie gar keine Angst vor der Programmiersprache haben. Er hält es sogar für möglich, schon Fünf- oder Sechsjährige an die Tastaturen zu lassen: „Letzten Endes sind das ja auch Fremdsprachen und für Sprachen gilt: Je früher man sie lernt, desto besser beherrscht man sie später.“

Die Idee zur „Hacker School“ entstand in Hamburg: Als der dortige Senat 2013 über die Abschaffung des Fachs Informatik nachdachte, wie sich „Hacker School“-Mitbegründer Andreas Ollmann erinnert. „Da hieß es, eine dritte Fremdsprache wie Chinesisch sei wichtiger. Mit Kollegen aus Hamburger IT-Firmen hatte er da schon festgestellt, dass junge Bewerber um einen Ausbildungsplatz in ihrer Branche eigentlich ohne eine Vorstellung von ihrem späteren Beruf in die Gespräche gingen: „Und man sollte doch wenigstens ahnen, was da später in einem Beruf verlangt wird, den man vielleicht jahrzehntelang ausübt.“

Mit seinen Geschäftspartnern Timm Peters und David Cummins von der digitalen Agentur „Ministry“ startete er einen Aufruf unter Kollegen mit der Idee, ehrenamtlich Kurse für Schüler anzubieten. Imke Nierhaus half bei der Umsetzung: „Wir hatten die Idee 2014 in unserem Netzwerk gestreut und waren baff erstaunt, als zum Treffen dann 43 Leute kamen. Wir hatten einen Nerv getroffen.“ Eine Frau sei vorgetreten und habe gesagt, sie wolle zeigen, wie eine Webseite gebaut wird und bekam binnen Sekunden einen Kodozenten an ihre Seite. Und bei diesen Zweierteams für „Classes“ bis zu zehn Schülern ist es bis heute geblieben. Andreas Ollmann: „Es gibt Themen wie ’Twitter – wie geht das?’, Sicherheitsthemen oder eben auch, wie man in die offene Schnittstelle im Spiel Minecraft selbst etwas hineinprogrammieren kann.“

Unter den Schülern an der Jacobs University in Grohn ist Henrik Petersen aus Hamburg-Bergedorf. Er hat schon an einem der Hamburger Workshops teilgenommen. „Wir haben fliegende Kühe in Minecraft einprogrammiert, die explodierten mit einem eingeblendeten Zehner-Countdown, wenn sie auf den Boden aufkamen“, erzählt der hochgewachsene blonde Junge unter dem Gelächter der Gruppe.

Warren Laine-Naida hat diesen spielerischen Spaß auch noch nach zwanzig Jahren, wenn er Dinge programmiert: „Man schreibt das auf und sieht sofort, wie es im Internet oder dem Spiel funktioniert – das begeistert mich immer noch.“ Und praktisch stecke heute in fast jedem Gebrauchsgerät vom Toaster bis zum Staubsauger ein Chip mit einer Programmierung, die erst einmal jemand schreiben müsse.

Editierprogramme und Programmiermaschinen findet er langweilig, weil die einem den Spaß an genau dieser Handarbeit nehmen. Aus Bremen würde er sich noch mehr Nachfragen nach Kursen wünschen. An der Stelle können sich die Hamburger Kollegen um Andreas Ollmann nicht beklagen: Er gibt praktisch täglich Kollegen in anderen deutschen Städten Tipps, wie man dort „Hacker Schools“ gründen könnte. Er räumt auch noch mit einem Missverständnis zum Begriff „Hacker“ auf: „Wir sind keine Leute, die Software und Computer zerstören. Ein Hack ist in der Programmiersprache vielmehr eine schnelle Lösung für ein Problem. Computerzerstörer heißen bei uns Cracker.“

Das Prädikat „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ hat die „Hacker School“ in diesem Jahr erhalten. Nun tüfteln Ollmann und Co. gerade an einer Art Grundgesetz für die „Hacker School“-Bewegung als nicht nach Gewinn strebender Organisation. Und auch das bekommt bei den international ausgerichteten Programmierern natürlich eine englische Vokabel: „Non-Profit-Organisation“.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...