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Ray Wilson singt im Bürgerhaus
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„Man muss lernen zu kämpfen“

ALINA NÖTH 24.03.2015 0 Kommentare

Ray Wilson 2013 Konzert Vegesack Bürgerhaus
Tourt von Januar bis Weihnachten kreuz und quer durch Europa: Ray Wilson. (Kai R Joachim Photography)

Ray Wilson war die Stimme von Genesis und hatte mit seiner Band Stiltskin einen weltweiten Nummer-eins-Hit. Am Ostersonnabend kommt der schottische Rocksänger mit „Genesis Classic“ nach Bremen-Nord. Um 20.30 Uhr spielt Ray Wilson mit seiner Band im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack. Alina Nöth hat mit ihm über seine Entwicklung als Musiker gesprochen.

Herr Wilson, wie lang läuft Ihre aktuelle Tour?

Ray Wilson: Ich bin das gesamte Jahr auf Tour. Wir haben im Januar das erste Konzert gespielt und beenden die Tour kurz nach Weihnachten. In Deutschland gehen wir quasi in jede Ecke des Landes – von der Hallig Langeneß weit oben im Norden bis nach Bayern. Es ist nicht mein erstes Mal in Deutschland. Ich toure hier seit 20 Jahren.

Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?

Meine Lieblingsstadt ist Berlin. Ich glaube, das liegt an der Mischung aus Ost und West. Das macht die Stadt so besonders. Ich kenne auch viele Leute aus der Bremer Gegend. Ich schätze, wir sind seit zwölf oder 13 Jahren regelmäßig in Bremen.

Warum haben Sie angefangen, Musik zu machen?

Als ich noch zur Schule ging, hatten wir dort dreimal pro Jahr Popkonzerte. Mir wurde die Möglichkeit geboten, mit 13 Jahren in einer Band zu singen. Da habe ich unter anderem ein Lied von Genesis gesungen. Es fühlte sich großartig und absolut passend für mich an. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich voll und ganz auf die Musik konzentriert.

Welche wichtigen Erfahrungen haben Sie im Laufe Ihrer Karriere gemacht?

Das Wichtigste ist, dass man sich mehr anstrengen muss, wenn die Dinge mal nicht so rund laufen. Ich hatte viele schöne Zeiten in meinem Leben, wie zum Beispiel die Nummer-eins-Single mit Stiltskin oder die Arbeit mit Genesis, aber auch mit den Scorpions und Armin van Buuren auf Tour zu sein. Trotzdem muss man, wenn die Situation hart ist, darüber nachdenken, was man wirklich will, und auch lernen, dafür zu kämpfen. Wenn die Dinge immer so laufen würden, wie sie sollen, wäre es einfach.

Welchen Herausforderungen mussten Sie entgegentreten?

Ein gutes Beispiel ist, als Genesis aufgehört hat. Da musste ich mein ganzes Leben überdenken. Ich habe zwei Jahre lang gar keine Musik gemacht und habe nur darüber nachgedacht, was ich wirklich tun will. Nach dieser Zeit beschloss ich, mein eigenes Recordlabel zu gründen, meine eigene Tourpromotion zu starten. Ich habe komplett die Kontrolle über meine Karriere übernommen. Wenn ich nun darauf zurückblicke, war das die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Da ich jetzt selbst verantwortlich bin, weiß ich genau, was passiert. Was das hier und jetzt betrifft: Wir reisen sehr viel und legen pro Jahr 80 000 bis 90 000 Kilometer zurück. Ich glaube, die größte Herausforderung ist es, die gute Qualität immer beizubehalten und bei jeder Show mein Bestes zu geben. Mein Team und ich versuchen immer, bei dem nächsten Konzert mindestens genauso gut oder sogar besser zu sein als bei dem vorherigen.

Also haben Sie im Laufe Ihrer Karriere Höhen und Tiefen erlebt?

Ja, ich hatte sehr gute und schlechte Zeiten. Ich denke aber, das ist nicht einzigartig für mich und meine Karriere, sondern das kennt jeder. Als Künstler muss man stark an sich selbst glauben und sehr entschlossen sein. Es ist immer eine Herausforderung, motiviert zu bleiben und weiterzumachen. Zum Glück sind die letzten Jahre sehr gut für mich gelaufen und ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere.

Haben Sie einen Rückzugsort?

Aus der beruflichen Perspektive: Ich gebe gerne Konzerte im kleinen Rahmen mit meiner Akustikgitarre, setze mich in die Ecke eines kleinen Raumes und spiele vor 20 Leuten. Ab und zu genieße ich diese kleinen Shows. Aus der persönlichen Perspektive: Wenn alle in den Urlaub fahren, fahre ich nach Hause. Ich habe ein kleines Studio in meinem Haus mit Unmengen an DVDs. Ich schreibe da Songs, schaue Filme und rede mit meiner Katze.

Wie kam es dazu, dass Genesis Sie nach Phil Collins’ Ausstieg engagiert hat?

Die Band hat mich darum gebeten, ein paar Lieder zu singen. Also habe ich sieben Lieder gespielt. Dann haben wir noch ein bisschen zusammen geschrieben. Es war eine Kombination von verschiedenen Dingen. Ihnen haben mein Selbstbewusstsein und offensichtlich meine Stimme gefallen. Als wir zusammen geschrieben haben, hat die Atmosphäre einfach gestimmt.

War Genesis der Höhepunkt Ihrer Karriere oder haben Sie andere Projekte bevorzugt?

Der beste Teil meiner Karriere findet gerade im Moment statt. Ich bin jetzt viel glücklicher mit dem, was ich mache, als ich es je war. Die Arbeit mit Genesis war natürlich eine schöne Erfahrung, wie auch der Hit mit Stiltskin. Aber diese Gefühle dauern nie lange an und jetzt habe ich dieses Gefühl tagtäglich.

Wie hat sich Ihre Musik im Laufe der Jahre verändert?

Als Songwriter kann ich definitiv sagen, dass das, was ich schreibe, im Alter besser wird – wie ein Scotch Whisky. Wenn ich jetzt Songs schreibe, fühle ich mich als Künstler viel vollkommener als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Ich glaube, das ist eine Kombination aus Erfahrungen, Selbstvertrauen und der eigenen Entwicklung als Künstler.

Was ist Ihre Inspiration?

Ich bin nicht die Art Mensch, die ihre Inspiration in einem Buch findet. Ich schreibe eher über das Leben und die Menschen. Das motiviert und inspiriert mich am meisten.

Wie reagieren Sie, wenn sich Fans wünschen, dass Sie Lieder Ihrer vorherigen Projekte spielen?

Meine Shows dauern normalerweise zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Deshalb habe ich genug Zeit, um alles zu spielen. Gewöhnlich spiele ich Lieder meiner gesamten Karriere. Konzerte sollen das Publikum auf eine Reise der Gefühle mitnehmen. Ich spiele alles – von traurigen bis hin zu glücklichen Liedern. Ich möchte, dass die Zuschauer am Ende der zweistündigen Show denken: „Wow, das Konzert war ja schnell vorbei.“ Sie fühlen sich dann wirklich so, als wären sie für einen Abend der Realität entflohen. Ich finde, es gehört zu den Aufgaben eines Künstlers, die Zuhörer in eine Traumwelt zu bewegen.

Ihr aktuelles Album trägt den Titel „20 Years and More“.

Es blickt auf 20 Jahre meines Lebens zurück. Das ist schon an sich besonders. Es sind Songs meiner Anfänge dabei, dann Lieder, die ich mit Genesis und Stiltskin gespielt habe, aber natürlich auch aktuelle Songs. Das Album spiegelt mein Leben als Künstler wider.

Was sind Ihre Pläne?

Im Moment arbeite ich an 28 neuen Liedern. Außerdem kommt diesen Herbst voraussichtlich ein neues Album namens „Backseat Drivers“ heraus. Eine CD wird Akustik-Songs beinhalten und auf der zweiten CD sind Lieder, die mit der gesamten Band aufgenommen wurden. Zusätzlich werde ich dieses Jahr rund 120 Konzerte spielen.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, mit der Musik aufzuhören?

Ja, manchmal. Zum Beispiel als ich im Sommer in den Alpen war. Wenn ich in so einer friedlichen Umgebung nah an der Natur bin, kann ich mir schon vorstellen, einfach dort zu bleiben und mit der Musik aufzuhören. Aber auf der anderen Seite habe ich nur einmal in meinem Leben keine Musik gemacht – zwei Jahre lang nach dem Ende von Genesis – und das war die unglücklichste Zeit meines Lebens.

Zur Person: Ray Wilson stammt aus Schottland und macht seit seiner Jugend Musik. Für das Konzert am 4. April sind noch Restkarten erhältlich, unter anderem direkt im Bürgerhaus und in der Geschäftsstelle der NORDDEUTSCHEN.


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Leserkommentare
alterwaller am 22.10.2019 10:39
Da sollen also die, die sich Privatschule nicht leisten können die Schulen der "FDP-Klientel" pampern ? Passt zu Bremen und der Partei.
Neal am 22.10.2019 10:36
Parken und fahren wie es dem/der Fahrer/in gerade in den Sinn kommt, ist ja nicht nur zum Freimarkt ein Problem.
Wir brauchen a) eine besser ...