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Chor „Northern Spirit“ in Lesumer Kirche
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Verfeinerte Klassiker

Gerd Klingeberg 18.10.2016 1 Kommentar

Sie sind jung, experimentierfreudig, intonationssicher. So ließen sich kurz und knapp die Mitglieder des Chores „Northern Spirit“ charakterisieren, die am Sonntag ein grandioses Konzert in der gut besetzten St.-Martini-Kirche in Lesum präsentierten.

Kirche Lesum Konzert Chor Northern Spirit
Jung, experimentierfreudig, intonationssicher: die Mitglieder von Northern Spirit. (Christian Kosak)
Dabei war vor allem die letztgenannte Eigenschaft von besonderer Relevanz; denn das vor zehn Jahren gegründete, in Bremen beheimatete Ensemble widmet sich nahezu ausschließlich der chorischen Königsdisziplin, dem A-cappella-Gesang, der gänzlich ohne Stützung durch Instrumente erfolgt.

Dass das komplette Programm auswendig gesungen wurde, ist im Hinblick auf teils ausgesprochen schwierige Chorsätze sehr beachtlich; durch unbedingte Konzentration auf dirigentische Vorgaben wurde jedoch ein ungemein homogener, dynamisch reichhaltiger Chorklang allerbester Qualität erreicht.

Schon mit dem eröffnenden Werk „Kondalilla“, mit dem Komponist Stephen Leek das atmosphärische Umfeld des gleichnamigen Wasserfalls in Australien nachzeichnet, bewiesen die zwanzig Choristen, dass sie auch Ungewohntes im Repertoire haben: Während die in breiter Reihe aufgestellten Männer ruhige Akkorde anstimmten, waren die Frauen einzeln im Raum verteilt und sorgten mit hellen, teils trillernden und scharfen Toneffekten, die deutlich an Vogelstimmen und Tierlaute erinnerten, für Plastizität und räumliche Klangtiefe.

Die Affinität zum fernen fünften Kontinent, die auch in einigen weiteren Programmpunkten zum Ausdruck kam, erklärt sich durch den australischen Chorgründer und Dirigenten Gordon Hamilton sowie seinen seit 2012 tätigen, ebenfalls aus Australien stammenden Nachfolger Jaret Choolun. Beide komponieren auch und haben unter anderem einige deutsche Volkslieder umarrangiert.

Ob die Geschichte vom Kuckuck, der vom Jägersmann erschossen wird, oder die vom Jäger in dem grünen Wald, der dort ein nettes Mägdelein trifft: Raffiniert aufgepeppt, wirkten die teils harmonisch verfremdeten und rhythmisch verfeinerten Versionen so gar nicht altbacken und bieder, sondern in ihrer exzellent lebhaften Ausführung erfrischend modern und heiter. Stilistisch hat sich der Chor keine Grenzen gesetzt, hat geistliche und weltliche Werke in bunter Folge gemischt.

Berückend atmosphärisch erklang etwa ein „Agnus dei“ (Stephen Leek), unterlegt vom leicht näselnden Klang eines Didgeridoos, dem typischen nordaustralischen Instrument der Aborigines, das von den Männerstimmen gekonnt imitiert wurde. Ein „Ave Maria“ von Rachmaninow (mit altslawischem Text) bestach mit hymnischer Akkordik; Messiaens anrührende Abendmahlsmusik „O sacrum convivium“ bezauberte mit mystischer Ausdrucksdichte; die zarte, sehr nuancierte Stimmführung bei Regers „Nachtlied“ erzeugte Innigkeit und Expressivität. Hochgradig stimmungsvoll geriet auch die romantisch verbrämte isländische Weise, die in pathetischen Harmonien vom Gebet eines Kriegers vor der Schlacht und dessen Heldentod erzählt.

Dazwischen gab es ausgelassen Fröhliches - etwa beim zungenbrecherischen mazedonischen Trinklied „Oj more vino“, aber auch aphoristisch Hintersinniges in episodischer Kürze bei den Choolun-Vertonungen Brechtscher Texte über Herrn Keuner. Oder die australische Quasi-Nationalhymne „Waltzing Matilda“, die Legende vom freiheitsliebenden, noch immer herumgeisternden Streuner, in einer eher auf Bedächtigkeit setzenden Fassung von Gordon Hamilton.

Mit der inbrünstigen Bitte „Bleib bei uns“ aus Rheinbergers „Abendlied“ beendete das Ensemble sein kurzweiliges, faszinierend vielfältiges Programm, das von den begeisterten Zuhörern mit ausgiebigem Beifall bedacht wurde.


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Leserkommentare
alterwaller am 18.10.2019 20:26
Eine "ich-bin-dagegen-Initiative" nach der anderen. Bremen ist zwar meine Heimatstadt aber inzwischen bin ich froh mich vor ca. 6 Jahren vom Acker ...
Posaune am 18.10.2019 20:16
Aus Luftschlössern werden keine Lustschlösser entstehen weil sich Luft und Lust nicht sonderlich verstehen ;-).

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