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Die Schiedsleute Stefan Gröger und Christine Brünjes schlichten in Schwanewede
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Wenn Nachbarn sich streiten

Gabriela Keller 25.04.2014 0 Kommentare

Schiedsamt Schwanewede gke
Sie sind zuständig für Schiedsverfahren in der Gemeinde Schwanewede: Stefan Gröger und Christine Brünjes. GKE· (Gabriela Keller)

Sein schlimmster Fall ist Stefan Gröger noch lebhaft in Erinnerung, obwohl er schon einige Jahre zurückliegt. Der Schwaneweder Schiedsmann musste in einem Parkplatz-Streit zwischen Nachbarn vermitteln. Im Schlichtungsgespräch gerieten sich die Kontrahenten in die Haare. „Da flogen Akten auf den Glastisch, die beiden Streitparteien hätten sich fast geprügelt“, erinnert sich der 47-Jährige. Dem Schiedsmann blieb keine Wahl: „Ich musste das Gespräch abbrechen.“

Eine gütliche, außergerichtliche Einigung war in dem Fall nicht möglich. Dass ein Schlichtungsverfahren so ausartet, ist für Gröger und seine Stellvertreterin Christine Brünjes aber eher die Ausnahme. „Die meisten verhalten sich gesittet.“ Für viele Streitparteien sei das Schiedsverfahren nach jahrelangem Zank die letzte Chance, wieder Frieden zu schließen, weiß Christine Brünjes. „Die meisten wollen gar nicht vor Gericht ziehen.“ In 16 von 21 Fällen, die die Schwaneweder Schiedspersonen in den vergangenen fünf Jahren verhandelten, konnten sie eine Einigung zwischen Streithähnen herbeiführen. „Das ist eine gute Erfolgsquote“, sagt Gröger.

Schiedsleute wie Gröger und Brünjes kommen bei kleineren Rechtsstreitigkeiten zwischen Privatleuten zum Einsatz. Ihre Aufgabe und das Schlichtungsverfahren regelt in Niedersachsen seit 1. Dezember 1989 das Gesetz über gemeindliche Schiedsämter. Jede Gemeinde hat danach mindestens ein Schiedsamt einzurichten. Die Arbeit der ehrenamtlichen Schiedsleute soll helfen, die Gerichte zu entlasten. Schlichten statt richten lautet das Motto. Die Schiedsleute vermitteln bei straf- und zivilrechtlichen Bagatellfällen wie Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, vermögensrechtlichen Streitigkeiten bis zu einem Wert von 750 Euro und bei Nachbarschaftsstreitigkeiten. Eine gütliche Einigung mithilfe der Schiedsleute soll helfen, den Gang vor den Kadi zu vermeiden.

In Schwanewede sind es vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten, die den Schiedsmann Gröger und die stellvertretende Schiedsfrau Brünjes auf den Plan rufen. Wenn Nachbarn über Kreuz liegen wegen zu hoher Hecken, beschädigter Zäune oder weil Bäume zu dicht an der Grundstücksgrenze stehen. „Überhängende Äste und Laubfall auf das Nachbargrundstück sind der Klassiker“, erzählt Gröger. „Aber auch der sogenannte Hinüberfall. Die Frage: Wer darf das Obst ernten, das in Nachbars Garten fällt?“ Bei Garagengemeinschaften sorgen ausstehende Umlagen manchmal für Ärger. Auch in Fällen von Beleidigung mussten Gröger und Brünjes schon vermitteln. „Das ist schwierig, weil oft Aussage gehen Aussage steht. Das ist nicht greifbar wie eine Hecke oder ein Zaun.“

Die Schiedsleute sind für fünf Jahre vom Gemeinderat gewählt. Gröger, der im Bauamt der Gemeinde arbeitet, übt sein Amt seit 2001 aus. Brünjes steht ihm seit 2007 zur Seite. Die 46-Jährige ist gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin. „Juristische Vorkenntnisse sind für die Arbeit als Schiedsperson aber nicht erforderlich“, sagt Brünjes. „Bei der Schiedsverhandlung geht es nicht darum, Recht zu sprechen“, erklärt Gröger. „Wir sorgen dafür, dass beide Seiten an einen Tisch kommen, sich aussprechen und zu einer außergerichtlichen Einigung finden.“

Oft jahrelanger Streit

Gesprächsbereitschaft zwischen den Konfliktparteien ist die erste und wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Schlichtung. Oft haben Nachbarn schon jahrelang kein Wort mehr miteinander geredet, wenn sie sich zum Schlichtungstermin auf neutralem Boden im Rathaus einfinden. Immer wieder machen die Schiedsleute die Erfahrung: „Da kommt dann wie bei einer Abrechnung alles auf den Tisch, was sich über die Jahre aufgestaut hat. Oft geht es gar nicht nur um die eine, aktuelle Sache. Die ist häufig nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagt Gröger. Im Streit über Zäune oder Bäume können sogar Freundschaften zerbrechen. Brünjes berichtet von einem Fall mit zwei beteiligten Ehepaaren. „Die duzten sich früher und fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub. Dann saßen sie hier vor mir und siezten sich.“

Das Schlichtungsverfahren wird durch den Antrag einer Partei eingeleitet. Entweder schriftlich oder durch mündliche Erklärung gegenüber der Schiedsperson. In Schwanewede erfolgt der erste Kontakt meist telefonisch. „Wir nehmen den Antrag auf, informieren über Verfahren und Kosten und schreiben eine Ladung an beide Parteien für das Schlichtungsgespräch“, erklärt Gröger. Die Streithähne müssen persönlich erscheinen. „Wer zum Termin nicht kommt, zahlt ein Ordnungsgeld.“ In der Praxis habe er das aber erst ein Mal erlebt. Für die Verhandlung gelten Spielregeln. „Zuerst spricht der Antragsteller, dann die Gegenseite.“ Dem anderen in Ruhe zuzuhören – „damit tut sich mancher schwer“, weiß Gröger.

Erst wenn beide Kontrahenten ihre Sicht der Dinge dargelegt haben, nimmt der Schlichter Stellung. „Danach heißt es Feuer frei.“ Gesunder Menschenverstand ist nach den Erfahrungen der Schiedsleute bei der Schlichtung wichtiger als die Kenntnis von Gesetzesparagrafen. „Meist fällen wir eine Bauchentscheidung“, so Gröger. Der Ergebnis der Einigung wird in einem Protokoll festgehalten, das Schiedsperson und Parteien unterzeichnen. Die Vereinbarungen sind bindend, betont Gröger. „Wer dagegen verstößt, hätte bei einem Gerichtsverfahren schlechte Karten.“

Wenn sich Nachbarn, die sich zu Beginn des Gespräch keines Blickes würdigten, am Ende wieder die Hand geben können, freut das auch die Schiedsleute. „Da fühlt man sich wie bei einem Tortreffer“, meint Gröger. Sein schönstes Happy End erlebte er bei der erfolgreichen Einigung in einem Streit um überhängende Äste: „Da verständigten sich die Parteien, gemeinsam die Äste abzuschneiden und das Ganze mit einem Grillfest zu verbinden.“

Schiedsmann Stefan Gröger ist unter 0 42 09 / 74 70 zu erreichen. Er vermittelt auch den Kontakt zu Christine Brünjes.


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Leserkommentare
WK-28203 am 22.10.2019 11:44
Nur leider sind die bestimmten Bahnen/Busse der BSAG schon überfüllt, dort gibt es einfach kaum noch Platz drin...

Um es mal direkt ...
peteris am 22.10.2019 11:19
Ach die "armen Landwirte". Monokultur,Massentierhaltung und Grundwasserverseuchung, sind das Markenzeichen der so "armen Landwirte", was auch noch ...