Wetter: Nebel, 11 bis 15 °C
Ortsvorsteher in der Kritik
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Aschwarden: Anwohner protestieren gegen Hähnchenmaststall

Patricia Brandt 16.05.2019 2 Kommentare

Mit Plakaten und Transparenten protestieren Dorfbewohner Aschwardens gegen einen geplanten Hähnchenmaststall.
Mit Plakaten und Transparenten protestieren Dorfbewohner Aschwardens gegen einen geplanten Hähnchenmaststall. (Christian Kosak)

Ausgerechnet gegen den Ortsvorsteher richtet sich der Protest im 400-Seelen-Ort Aschwarden. Seit Landwirt Christian Meyer angekündigt hat, einen Hähnchenmaststall für knapp 30 000 Tiere bauen zu wollen, schneiden ihn viele im Dorf. Vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzung ist eine Unterschriftenaktion: Unterschrieben haben mehr als 160 Dorfbewohner. Sie wollen ihren Ortsvorsteher zum Umdenken bewegen.

Das Dorf mit dem schmucken Galerieholländer hält viel auf seine Gemeinschaft. Kaffeenachmittage, Adventskonzerte, Müllsammel- und Pflanzaktionen schweißen die Nachbarn zusammen. Meyer war immer vorne mit dabei. Er ist ein Typ, der auch mal einen Spaß mitmacht. „Ihr könnt auf mich setzen“, rief er vor Jahren seinen Fans am Ufer zu, als er beim ersten Aschwardener Stand-up-Paddling-Wettbewerb zur 25-Jahr-Feier der Dorfgemeinschaft auf einem wackeligen Board stand. Meyer ging damals baden.

Dass die ländliche Idylle getrübt ist, sieht man derzeit an Häusern und Zäunen: „Keine Massentierhaltung“ und „Kein Hähnchenmaststall in Aschwarden“ steht auf Plakaten. „Mit mir redet keiner mehr“, sagt Christian Meyer am Telefon. Auch seine Frau werde von einigen schon geschnitten. Bitter sei das für die ganze Familie, die der Landwirt gern raushalten möchte. „Ich mache ja nichts Verbotenes. Ich sehe nichts Verwerfliches darin, Lebensmittel zu produzieren“, betont er mit Blick auf seine Baupläne für einen Mastbetrieb, 85 Meter lang, 21 Meter breit. Der Landwirt rechnet mit 35 Kilogramm Fleisch pro Quadratmeter. „Vielleicht werden wir in ein paar Jahren bei 30 Kilogramm sein.“ Es ändere sich viel in der Landwirtschaft. Als er ein Kind war, sagt der 39-Jährige, hingen die Kühe noch an der Kette.

Mehr zum Thema
Hähnchen in Asendorf: Protest gegen Riesen-Stall
Hähnchen in Asendorf
Protest gegen Riesen-Stall

Einen neuen Mega-Maststall für 39.000 Hähnchen hat der Landkreis Diepholz in Asendorf genehmigt. ...

 mehr »

Christian Meyer ist mit Tieren groß geworden. Sein Vater betrieb einen Anbinde-Stall in Aschwarden. Knapp 50 Kühe standen darin. Doch der Sohn gab die Milchviehhaltung 2010 auf und investierte in eine Biogasanlage. Dass ihm jetzt die Idee kam, einen Hähnchenmaststall zu bauen, hat mit eben dieser Anlage zu tun: Christian Meyer will die Abwärme der Anlage für den Stall nutzen. „Ich möchte mir ein zweites Standbein aufbauen, denn die Förderung der Biogasanlage ist endlich.“

Geflügelhaltung als Lebenserwerb: Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes ist Niedersachsen, anders als Bremen, ein Land der Hühner: In den 5183 Betrieben werden mehr als 85 Millionen Hühner gehalten. Dazu kommen acht Millionen Gänse, Enten und Truthühner. Allein im Landkreis Osterholz halten drei Geflügelmastbetriebe jeweils zwischen 4000 und 36 000 Tiere. Einer der Mastställe befindet sich im wenige Kilometer von Aschwarden entfernten Schwanewede. Viele im Dorf wünschten, der neue Maststall würde nie gebaut.

Bei einem ersten Treffen hatte eine Gruppe von Nachbarn versucht, mit ihrem Ortsvorsteher ins Gespräch zu kommen. Mit dabei war auch Arnold Neugebohrn, Mitglied der Linksfraktion im Schwaneweder Gemeinderat. „Ich habe Bedenken gegen diese Art der Tierhaltung“, nennt er einen Grund für sein Engagement. Tiere aus Mastställen könnten oft nicht mehr laufen, weil ihre Brüste zu schwer würden. Dazu käme, dass für hochintensive Mast eiweißhaltiges Futter benötigt werde. Neugebohrn spricht über die Abholzung von Regenwäldern, antibiotika-verseuchtes Fleisch und die Überversorgung der Deutschen mit Geflügel. „Gerade versucht das Dorf, etwas für seine Verschönerung auch im ökologischen Sinne zu tun, zum Beispiel durch Anlage von Blühflächen. Passt dazu so ein Stall mit fast 30 000 Tieren?“, fragen Neugebohrn und dessen Mitstreiter.

Wie Neugebohrn argumentieren viele im Dorf. Aber es geht offenbar nicht nur um das Tierwohl, es geht auch um Mist: Ein Stall mit so vielen Tieren, so die Befürchtung, werde mit oder ohne Filteranlagen für lästige Gerüche sorgen. Wo soll der bleiben? Dazu fürchten Anlieger Verkehrsprobleme. Schwere Lastwagen werden wegen der Tiertransporte und Futtermittellieferungen zusätzlichen Verkehr verursachen, sagen sie. „Nach 40 bis 50 Tagen ist ein Hähnchen schlachtreif. Die Ausstallung geschieht nachts. Das passiert sechs bis sieben Mal im Jahr“, rechnet eine Anwohnerin hoch. Die Frau möchte nicht mit Namen in der Zeitung stehen, seit sie dieser Tage an der Schlachtertheke verbal von einem Landwirt attackiert wurde. Der Bauer hatte Partei für Christian Meyer ergriffen.

Ob der Hähnchenmaststall gebaut wird, ist noch offen. Meyers Antrag für den Bau eines Stalls für 29 900 Tiere liegt dem Landkreis  Osterholz zwar bereits vor. Aber: „Wann eine mögliche Genehmigung erteilt wird, ist aktuell noch nicht absehbar“, so Sprecherin Jana Lindemann auf Anfrage. „Der Landkreis nimmt Sorgen der Bevölkerung ernst. Allerdings kann der Landkreis den Betrieb nur aufgrund von fehlenden Unterlagen oder nicht erfüllten Voraussetzungen für die Genehmigung ablehnen. Sind die Voraussetzungen zur Genehmigung des Hähnchenmaststalls erfüllt, besteht für den Antragsteller ein Anspruch auf die Genehmigung.“

Mehr zum Thema
Keine Mehrheit für Bauvorhaben: Hähnchenmaststall wieder Streitthema
Keine Mehrheit für Bauvorhaben
Hähnchenmaststall wieder Streitthema

Kontroverse Diskussion: Die Planungen für den Bau eines weiteren Hähnchenmaststalles an der ...

 mehr »

Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken (SPD) geht nicht davon aus, dass der Stall in dem Ortsteil seiner Kommune noch zu verhindern ist: „Das ist ein privilegiertes Bauvorhaben.“ Stehnken macht keinen Hehl daraus, dass er selbst gegen Mastbetriebe ist. „Ich esse das Fleisch einfach nicht. Ich lehne das für mich ab, aber die große Masse muss es wohl machen, sonst würde es die Hähnchenmastställe nicht geben, wenn die Leute es nicht kaufen würden“, sagt der Bürgermeister.

Unterdessen spitzt sich der Streit um den Maststall in dem Ort weiter zu. Dem potenziellen Investor wurde eine Unterschriftenliste übergeben. Rund 160 Bürger haben gegen die Hähnchenmast unterzeichnet. Sie haben den Ortsvorsteher auch gebeten, doch über Alternativen nachzudenken. Zum Beispiel über Biogeflügel mit Freilandhaltung.

Christian Meyer hat schon vorher über Alternativen nachgedacht. „Ich habe über Bio nachgedacht, aber ich habe eine Familie zu ernähren“, sagt er. Die Alternative zum Hähnchenmaststall sieht er höchstens in einem Kuhstall – für 500 bis 1000 Kühe. „Sie wollen alle, dass die Tiere durch den Wald laufen, aber das Kaufverhalten der Leute ist ein anderes.“

Der Landwirt verspricht, sich dem freiwilligen Tierwohl-Programm anzuschließen. „Ich habe Tiere lieb. Ich werde die kleinen Küken auf Einstreu halten und ich werde Strohballen zur Abwechslung reinlegen. Von mir aus baue ich Glasfenster in den Stall, damit die Leute sich das angucken können. Aber wehe, ich erwische einen von denen an der Broiler-Bude."


Mein Bremen-Nord
Ihr Portal für Bremen-Nord

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für Bremen-Nord. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrem Stadtteil und Ihrer Gemeinde.

Mehr Maritimes
Uferzonen an der Weser gibt es viele in Bremen und Bremerhaven, aber nur eine Maritime Meile. In einer neuen Serie wollen wir aufzeigen, was die 1852 Meter lange Strecke in Vegesack ausmacht.
Kolumne "Im grünen Bereich"

Im Garten gibt es immer was zu tun. Unsere Redakteurin Patricia Brandt begleitet das Gartenjahr mit einem Augenzwinkern in ihrer Kolumne. Inzwischen ist die 100. WESER-KURIER-Gartenkolumnen erschienen. Sie schildert die Ängste und Sorgen des Hobbygärtners und nimmt Marotten auf die Schippe.

Fluchtpunkte: Serie über Flüchtlinge in Bremen-Nord
Verschiedene Perspektiven ergeben ein Gesamtbild: Die neue Serie Fluchtpunkte will die Situation der Geflüchteten in Bremen-Nord beleuchten - drei Jahre nachdem das Wort Flüchtlingskrise die Runde machte.
Das Leben eines Schwerkranken
Tobias Laatz ist Mitte 30 und will noch viel erleben. Ihm bleibt dafür jedoch weniger Zeit als anderen. Er ist unheilbar krank. Ärzte gehen davon aus, dass er nur noch Monate hat. In diesem Dossier erzählen wir ein Jahr lang seine Geschichte.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 30 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.