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Mehrere Schafe verendet
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Bestätigter Wolfsriss in der Wesermarsch

Barbara Wenke 12.03.2018 0 Kommentare

Björn Thümler und Deichschäfer Fred Wachsmuth (von links) sprechen über den festgestellten Wolfsriss und die Konsequenzen, die beide daraus ziehen möchten.
Björn Thümler und Deichschäfer Fred Wachsmuth (von links) sprechen über den festgestellten Wolfsriss und die Konsequenzen, die beide daraus ziehen möchten. (Sebi Berens)

Der Himmel ist trüb. Fred Wachsmuths Stimmung ist es auch. Die Deichschäferei des Moorhausers befindet sich kaum 100 Meter entfernt vom zu Elsfleth gehörenden Ort Paradies. Ein Paradies ist das Fleckchen Erde tatsächlich, sagt Wachsmuth, ein Paradies für den Wolf. "Der findet hier einen reich gedeckten Tisch." Wachsmuth beklagt den jüngsten Fall eines Wolfsrisses in der Wesermarsch. Ein amtliches Dokument bestätigt ihm: Das Schaf, das er am 12. Februar mit einer klaffenden Wunde in der  Schulter tot auf einer seiner Weiden im Ortsteil Fuchsberg gefunden hat, ist von einem Wolf gerissen worden.

100 Tiere liefen in der Nacht, als der Wolf kam, auf der Weide in Fuchsberg. Das Raubtier hat offensichtlich ausgiebig nach dem leckersten Bissen gesucht. Drei weitere Schafe hätten Kehlbisse aufgewiesen, berichtet der Schäfer. Die drei Tiere seien ihm dann im Stall ebenfalls verendet. Zwei weitere starben, weil sie auf der Flucht vor dem Wolf in einen Graben fielen und ertranken.

Woran lässt sich ein Wolf erkennen? 
Wölfe sind ungefähr so groß wie Schäferhunde. Ihr Fell ist grau-braun und unterhalb der Schnauze weiß. Der Schwanz ist kurz und hat eine schwarze Spitze.
Nicht wegrennen.
Den Wolf beobachten und, wie zu anderen Wildtieren auch, respektvoll Abstand halten. Wer sich unwohl fühlt, kann sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurückziehen. 
Wer eine Kamera dabei hat, kann den Wolf fotografieren, das hilft den Experten bei der Identifizierung.
Ruhig bleiben.
Wenn das Tier den Menschen bemerkt, wird es sich in der Regel zurückziehen. Dazu muss man ihm Zeit und Raum lassen. Der Wolf flüchtet meistens nicht panisch, sondern trabt langsam davon und dreht sich dabei eventuell noch einige Male um.
Fotostrecke: Das ist zu tun, wenn Sie einem Wolf begegnen

Entschädigung zu gering 

Da der Wolf nun auch amtlich als Täter nachgewiesen ist, erhält der Deichschäfer wohl eine Entschädigung. Ein geringer Trost. "Ich will keine Entschädigung, sondern meine Schafe in Sicherheit wissen", sagt der Elsflether. Die Entschädigung in Höhe von 250 Euro könne niemals den tatsächlich entstandenen Schaden wiedergutmachen. Betrachte man den reinen Schlachtpreis, komme man auf eine ähnliche Summe. Sogar auf mehr, denn der Schäfer kalkuliert mit 150 Euro Schlachtprämie pro Tier. Die Entscheidung, ob die Entschädigung für alle bei dem Vorfall ums Leben gekommenen Schafe greift, steht noch aus.

Doch die Rechnung geht laut Wachsmuth auch dann nicht auf. Die Schafe, die der Wolf in besagter Nacht tötete, waren junge, weibliche Zuchttiere. Sie hätten im Regelfall sechs Jahre lang Nachwuchs das Leben geschenkt. Wachsmuth und seine Berufskollegen kalkulieren mit durchschnittlich eineinhalb Lämmern pro Mutterschaf und Jahr. Bei einem Schlachtpreis von 150 Euro pro Tier, kommt Wachsmuth so auf einen Betrag von 1350 Euro (neun Lämmer à 150 Euro), der ihm allein durch den einen Riss durch die Lappen geht. Die übrigen verendeten Tiere kommen noch hinzu.

Der Wolf hat unter anderem leicht abgerundete Ohren, schräge Augen und eine lange Schnauze. Außerdem erkennt man einen Wolf an folgenden Merkmalen. 
Der Tamaskan entstammt Schlittenhunden, die in den 1980er-Jahren aus Nordamerika nach Großbritannien importiert wurden. Dort wurden sie mit Huskys und Deutschen Schäferhunden gekreuzt. Die Nachkommen landeten in Finnland und wurden mit weiteren wolfsartig aussehenden Schlittenhunden vermischt.
Der Alaskan Malamute war bis ins 19. Jahrhundert die einzige Hunderasse im nordwestlichen Teil der Arktis. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Rasse im Schlittenhundesport populär und vermehrt mit anderen Schlittenhunden gekreuzt. Ab 1926 begann man mit der Reinzucht, benannt nach dem Eskimostamm der Malemute.
Der Saarlooswolfhund hat seinen Ursprung in den 1930er-Jahren in den Niederlanden und ist nach dem Begründer der Rasse, Leendert Saarloos, benannt worden. Da ihm der Deutsche Schäferhund zu degeneriert war, züchtete er einen Wolf ein. Die Saarlooswolfhunde zeigen jedoch Schwierigkeiten, sich an Menschen zu binden.
Fotostrecke: Diese Hunderassen sehen wie Wölfe aus

Wesermarsch soll wolfsfrei bleiben

Der materielle Schaden ist nicht alles. "Ich kann seit vier Wochen nicht mehr richtig schlafen, weil ich immer horche, ob draußen etwas los ist", berichtet der Schäfer. Deshalb plädiert er unverhohlen für einen Abschuss der Wölfe. Damit steht er nicht allein. Zahlreiche Nutztierhalter und Politiker teilen diese Meinung. "Wölfe, die im Küstenbereich auftauchen, müssen entnommen werden", sagt beispielsweise der CDU-Landtagsabgeordnete, Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler. Am Montagmorgen stattete der Berner dem Deichschäfer einen Besuch ab. Ob die "Entnahme" letztlich die Umsiedlung, Vergrämung oder den Abschuss der Wölfe bedeutet, ist ihm gleich. Nur eines steht für Thümler fest: Die Wesermarsch muss wolfsfrei bleiben.

Mit frei herumziehenden Wölfen würde über kurz oder lang kein Deichschäfer mehr das Risiko eingehen wollen, seine Tiere als Trippelwalze einzusetzen. Die aber ist wichtig für den Schutz vor Sturmfluten. Die Schafe halten das Gras auf den Deichen kurz und verfestigen mit ihren kleinen Hufen den Untergrund. In den Niederlanden habe man bereits begonnen, "schwarze Deiche" zu bauen. Die Schutzwälle aus Beton sähen nicht schön aus. Des Weiteren bestehe die Gefahr von sogenannten Grundbrüchen, sodass der Deich an einigen Stellen versacken könnte, befürchtet Thümler.

Der Christdemokrat weiß in der Causa Wolf seinen sozialdemokratischen Ministerkollegen Olaf Lies an seiner Seite. Der niedersächsische Umweltminister hatte die Sorgen der norddeutschen Nutztierhalter kürzlich dem Direktor der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, Rosa Delgado, vorgestellt. Dieser habe sich gegenüber den "Herausforderungen, die die niedersächsische Kulturlandschaft mit der Weidetierhaltung auf den Deichen oder in der Lüneburger Heide mit sich bringt, interessiert und aufgeschlossen" gezeigt, teilt Lies in einer Presseerklärung mit. Die EU-Kommission habe ihre Unterstützung für ein einheitliches Monitoring der Wolfspopulation zwischen Polen und Deutschland zugesagt.

Dieses Monitoring sieht Björn Thümler als wichtiges Instrument an. Wenn sich die Wolfspopulation in Deutschland nachweislich gut erholt hat, gebe es die Chance, das Raubtier von der Liste der streng geschützten Arten in eine weniger streng geschützte Liste zurückzustufen und ihn gegebenenfalls zu bejagen. "Das muss aber erst auf europäischer und nationaler Ebene geregelt werden, bevor es auf Länderebene geregelt werden kann", weiß der Politiker um die Zeit, die dabei ins Land zieht.

Schutzmaßnahmen nicht praktikabel

Thümler und Wachsmuth kennen die empfohlenen Schutzmaßnahmen vor dem Wolf. Beide halten die Empfehlungen für nicht praktikabel. Demnach müssten die gesamten Deiche der Wesermarsch auf Land- und Wasserseite neu eingezäunt werden. Sowohl in die Höhe als auch mit Schutz gegen Untergrabungen. Zudem empfiehlt der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Herdenschutzhunde. Deren Ausbildung und Unterhalt seien extrem teuer, sagt Wachsmuth, zumal ein Hund nicht alleine gehalten werden solle. Des Weiteren befürchtet der Schäfer, dass ein Herdenschutzhund seine Herde nicht nur vor Wölfen, sondern auch vor Touristen "beschützen" würde. Dem widerspricht Hundetrainer Gregor Drapinski ebenso wie die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Sowohl in den Schweizer Alpen als auch in den Pyrenäen würden seit mehr als zwei Jahrzehnten Herdenschutzhunde eingesetzt. Ohne besondere Vorkommnisse. Tafeln mit Verhaltensmaßregeln klärten Touristen über Begegnungen mit den Hunden auf.

Nicola Gölzner vom Wolfscenter Dörverden betont, dass Schutzzäune und Herdenschutzhunde die sichersten Varianten seien, Nutztiere zu schützen. Der Wolf sei ein "absoluter Energiesparer" und überspringe Zäune im Normalfall nur dann, wenn er in Panik gerate. Sie weist zudem darauf hin, dass ein Ausgleich für vom Wolf gerissene Tiere nur dann gezahlt werde, wenn alle empfohlenen Schutzmaßnahmen eingehalten würden.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...