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Das war das Festival Maritim 2018

Volker Kölling 05.08.2018 0 Kommentare

Das Wochenende ist reich an stimmungsvollen Momenten. Viele Bands wissen das und kommen seit vielen Jahren zum Festival Maritim.
Das Wochenende ist reich an stimmungsvollen Momenten. Viele Bands wissen das und kommen seit vielen Jahren zum Festival Maritim. (Christian Kosak)

Heiß, heiß, heiß – drei Tage lang brennt in Vegesack die Luft beim 20. Festival Maritim. Entlang der Maritimen Meile geht es zu wie einst im Hafen der Karibikinsel Tortuga zur Hochzeit der Piraten. Mit dem Unterschied, dass es hier vollkommen friedlich bleibt. Menschenmassen feiern vor den Bühnen zwischen dem Stadtwald und „Schulschiff Deutschland“ jeweils bis Mitternacht die Musiker in Kilts, Piratenkostümen und ­Matrosenkluft. Die 100.000-Besucher-Marke knackt das Festival am Sonntagabend.

Sean Gallagher ist gebürtiger Ire, den die Liebe in den Schwarzwald nach Deutschland verschlagen hat. Seit zwölf Jahren besucht er mit seiner Frau Beate in Bremen Freunde – und immer punktgenau zur Festivalzeit: „Diese Shanty-Lieder sind die Lieder meiner Kindheit in Irland. Viele Gruppen hier spielen ja auch unsere Kinder- und Volkslieder. Ich liebe das hier.“ Nach drei Tagen geht es wieder die 700 Kilometer nach Hause.

Fotostrecke: So schön war der Sonntag beim Festival Maritim

Aber was heißt schon zu Hause? Für den Banjo-Spieler Sjoerd van Ravenzwaaij von der Folkband „Harmony Glen“ ist es, als komme er nach Vegesack zurück in sein musikalisches Zuhause. Und so begrüßt er zu Beginn der Show auch das Publikum: „Wir sind – glaube ich – das sechste Mal hier, und es ist jedes Mal wieder unglaublich.“

2016 hat die Band aus den Niederlanden auf dem Festival sogar eine CD und einen Film produziert. Die drei Shows 2018 sind wieder mitgeschnitten worden. Gut die Hälfte der Gruppen sind wie „Harmony Glen“ bekannte Größen, die dem Ausnahmefestival der „Seamusic“ in Bremen-Nord die Treue halten.

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Die alten Hasen sollen den neuen Gruppen jeweils zeigen, wie das Festival Maritim funktioniert: Die 170 Auftritte bekommen die 30 Formationen vom Shanty-Chor bis zur Folkpunkcombo nur auf die Bühnenbretter, indem sie fast pausenlos von einem der neun Auftrittsorte zum nächsten pilgern. So mischen sich ständig Musiker unter den Besucherstrom. An allen Enden und Ecken Vegesacks wird gesungen.

Volkig und bretthart

Das sorgt für volle Straßencafés und eine gut gefüllte Fußgängerzone: Das Festival Maritim ist gerade am Sonnabend auch immer ein Fest für Vegesacks Kaufleute. Von 10 bis nach 14 Uhr sind am Sonnabend insgesamt 18 Akustikgruppen zwischen den Geschäften unterwegs gewesen. Abwechselnd bespielen sie fünf Straßenbühnen, verteilt über die gesamte Länge der Vegesacker Fußgängerzone.

Da stehen die Shanty-Sänger von „Amstrongs Patent“ in kurzen Hosen vor dem Modeladen, und die Danziger Gruppe „Trzy Majtki“ besinnt sich passenderweise direkt vor dem Fischgeschäft auf polnische Fischerlieder. „Vent de Noroise“ bringen derweil mit ihrem Auftritt ein ganzes Café zum Mitschunkeln. Das Programm geht unten am Wasser ab 15 Uhr nahtlos weiter. Unter den neuen Gruppen tun sich besonders die Schweizer von „Tortilla Flat“ hervor, deren Sound sich verdächtig nach den guten alten „Pogues“ anhört: folkig, aber eben auch bretthart mit gleich drei Dudelsäcken vorneweg.

Zum Abheben:
Zum Abheben: "Celkilt" aus Frankreich lassen die Bühne erzittern. (Volker Kölling)

Ab 18 Uhr stehen dann nur noch Bands auf den drei großen Hauptbühnen, bei denen es richtig abgeht. „Wir haben in diesem Jahr noch einen Packen draufgelegt mit den Verpflichtungen von Gruppen wie „The Clan“ oder „Celtkilts“. Das sind echte Kracherbands und in ihren Ländern richtig bekannt“, freut sich Wolfgang Helms, ­Geschäftsführer beim Vegesack Marketing.

Der Verein organisiert das Festival Maritim, maßgeblich unterstützt durch Mittel der Wirtschaftsförderung Bremen. Und das Konzept des Festivals geht auch im 20. Jahr auf: „Harmony Glen“ spielen schon am Auftaktabend am Freitag vor einigen Tausend Fans vor der Bühne am Vegesacker Balkon im Stadtgarten.

Fotostrecke: So war der Samstag beim Festival Maritim in Bremen

Tags drauf stehen hier „Celtkilt“ aus Frankreich: Am Ende hält es zwischen Rosenbüschen und Hecken kaum noch einen Zuschauer auf den Bänken. Der blonde Titou Macfire fliegt mehr durch die Luft, als dass er auf dem Boden steht. Die Geigerin Ana Macfive scheint mit ihrem Bogen zwischendurch ihr Instrument fast zersäbeln zu wollen. Es gibt bei „Celkilt“ sogar ­AC/DC mit Fidel und Dudelsack – die Leute sind begeistert.

Nichts zu tun für Polizisten und Sanitäter

Wer die drei Sonnenuntergänge der Festivaltage eher in Ruhe genießen möchte, ist beim Weinland an der Signalstation richtig. Mit dem Finkenwerder Kutter „Astarte“ der Schiffergilde Bremerhaven als Kulisse begleiten Akustikgruppen wie „Seyl & Treyl“ die Feiernden singend in die Dunkelheit. Die Niederländer sind so ziemlich die einzigen, die auf dem Festival Opfer einer Straftat geworden sind. Veranstaltungsleiter Fritz Rapp vom Vegesack Marketing: „Denen ist in der Fußgängerzone eine Ukulele gestohlen worden. Wir bitten auf diesem Weg, die doch bitte zurückzugeben.“

Je später der Abend, desto mehr wird die Veranstaltung zum Folkrock-Fest mit Ausschlägen bis zum Punk.
Je später der Abend, desto mehr wird die Veranstaltung zum Folkrock-Fest mit Ausschlägen bis zum Punk. (Christian Kosak)

Ansonsten hat es laut Fritz Rapp für die Polizisten und Sanitäter beim 20. Festival Maritim nichts zu tun gegeben. Und die Feuerwehr hat ihren Teil getan, damit sie nichts zu tun bekommt. Laut Fritz Rapp wurde dem Festival die Erlaubnis für das Höhenfeuerwerk am Sonntagabend über der Weser entzogen: „Wir hatten noch gehofft, dass es mit günstigem Wind gehen könnte. Aber wir haben jetzt die Waldbrand­gefahrstufe fünf. Da darf man nichts riskieren.“

Wobei das eigentliche Feuerwerk beim Festival Maritim ohnehin am Sonntagabend immer eher musikalisch mit dem „Shanty-Slam“ abgebrannt wird. Dann kommt es zu Shanty-Sessions und einem wilden Kapellen-Mix auf der Stadtgartenbühne. Und ab 22 Uhr treffen sich alle Piraten, Matrosen und singende Seebären zum Farewell-Winken – eigentlich mit Wunderkerzen, wenn die noch erlaubt sind. Musiker und Fans können sich schon einmal das erste Augustwochenende 2019 vormerken, wenn in Vegesack die 21. Auflage des internationalen See­musik-Treffens gefeiert wird.

Das 1. Bremer Ukulelenorchester spielt am Fähranleger, und gleich bleibt das Publikum stehen.
Das 1. Bremer Ukulelenorchester spielt am Fähranleger, und gleich bleibt das Publikum stehen. (Christian Kosak)

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...