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Spendenaufrufe im Gemeindebrief
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Eklatanter Mitgliederschwund: Kirchengemeinde Grambke in Not

Klaus Grunewald 08.07.2019 2 Kommentare

Die Grambker Kirche: Weil die Gemeinde immer weniger Mitglieder hat, gibt es mittlerweile ein bedrohliches Defizit in der Kasse.
Die Grambker Kirche: Weil die Gemeinde immer weniger Mitglieder hat, gibt es mittlerweile ein bedrohliches Defizit in der Kasse. (Christian Kosak)

Dem Klang der Kirchenglocken kann man sogar auf der Internetseite der Evangelischen Kirchengemeinde Grambke lauschen – zur Erbauung. Doch inzwischen werden die Glockenschläge wie in fast allen christlichen Gotteshäusern der Republik auch als Alarmsignal verstanden. Die Grambker leiden unter einem eklatanten Mitgliederschwund und damit unter bedrohlichen Defiziten in der Kasse. Der Kirchenvorstand hat sich deshalb zu einem Spendenaufruf im Gemeindebrief veranlasst gesehen.

Der Turm der evangelischen Pfarrkirche am Grambker Kirchweg 6 ist seit 1722 zu sehen. Doch wenn 2022 das 300-jährige Bestehen gefeiert wird, könnte die Zahl der Gläubigen weiter geschrumpft sein. Rund 3300 Mitglieder zählt die Gemeinde heute, vor 30 Jahren seien es noch knapp 6000 gewesen, sagt Pastor Thomas Nicolmann-Drewes. Ein Verlust von 45 Prozent.

Drewes macht kein Hehl daraus, dass sich die Grambker Gemeinde in Not befindet: Jedes Rechnungsjahr ende seit geraumer Zeit mit einem Minus, weil die Steuereinnahmen aufgrund des Mitgliederschwunds zurückgingen und die Sparguthaben wegen der Geldpolitik schon lange keine Zinsen mehr erbrächten.

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Die finanziellen Probleme bedrohen die umfangreiche Gemeindearbeit mit Angeboten für alle Altersgruppen vom „Säugling bis zum Pensionär“ und auch die Jobs der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  nach Auskunft der Verwaltenden Bauherrin Tanja Eriksons wurde darum kürzlich ein „Wirtschaftszukunftsausschuss“ gebildet.

Er soll ergründen, auf welchen Feldern noch Sparmaßnahmen möglich sind, ohne Angebote für die Gemeindemitglieder zu streichen. Darüber hinaus, so Tanja Eriksons, werde natürlich nach Wegen gesucht, zusätzliche Einnahmen zu bekommen.  Der im Mai erfolgte Spendenaufruf habe bislang rund 800 Euro erbracht. Doch der Appell an die Gemeindemitglieder, ihr Portemonnaie zu öffnen, reicht natürlich nicht aus.  

Deshalb wird als nächster Schritt erwogen, um bezahlte Anzeigen zu werben, die im Gemeindebrief veröffentlicht werden. „Wir wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die vielfältigen Angebote für die Menschen in der Kirchengemeinde und im Ortsteil aufrecht zu erhalten“, bekräftigt Tanja Eriksons.

Die evangelische Kirchengemeinde Grambke kann ein vielfältiges Angebot vorweisen. Dazu gehören der Seniorenkreis, der Glaubenstalk, der Bibelkreis, der Jugend-, der Posaunen- und der Gospelchor, der Handarbeits- und Bastelkreis, die Gruppen für anonyme Alkoholiker, Gymnastik, Fußball sowie die Kinder-, Jugend- und Frauengruppe. Und nicht zuletzt die Hausaufgabenhilfe.

Finanzielle Engpässe überwinden

Im Vergleich mit anderen bremischen Kirchengemeinden stehen die Grambker noch auf relativ festem Boden. „Unsere Mitgliederzahl sinkt langsamer“, erläutert die Verwaltende Bauherrin. Das kann natürlich kein Ruhekissen sein, und deshalb gibt es im Kreis des Vorstands weitere Überlegungen, die finanziellen Engpässe zu überwinden. Zum Beispiel durch die Vermietung von Räumen wie den Gemeindesaal für kleinere und größere Veranstaltungen. Doch trotz aller Anstrengungen, dem Mitgliederschwund zu trotzen, sind Zukunftsängste unter dem Personal  unüberhörbar. Das sagt  Pastor Thomas Nicolmann-Drewes. Er verweist auf die Entwicklung seines Berufsstandes.

Wegen der unsicheren Zukunft in den Kirchengemeinden bundesweit wolle doch kaum noch jemand Pastor werden. Drewes zeigt sich besorgt über den schwindenden Einfluss des Christentums und seiner Werte insgesamt. Allein die Tatsache, dass sich nur noch die Hälfte aller potenziellen Konfirmanden konfirmieren ließen, sei ein negatives Signal. Wie 60 weitere gehört die Kirchengemeinde Grambke zur Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). Diese selbstständige Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zählte 2017 noch 193 099 Mitglieder, damit 61 334 weniger als 16 Jahre zuvor. Ein Minus von rund 25 Prozent.

Doch dafür hauptsächlich den demografischen Faktor verantwortlich zu machen, sei falsch, hat das „Forschungszentrum Generationenverträge“ der Universität Freiburg soeben in einer Studie für die 20 evangelischen Landeskirchen und die 27 katholischen Bistümer unterstrichen. Als Hauptgrund für den Mitgliederverlust werden vor allem die Kirchenaustritte der Menschen im Alter zwischen 25 und 40 genannt. Insgesamt, so die rein rechnerische Prognose der Freiburger, verringerten sich die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen bis zum Jahr 2035 um 22 Prozent. Und bis 2060 gar um 49 Prozent - von gegenwärtig 44,8 auf 22,7 Millionen. Darüber hinaus würden die Kirchensteuereinnahmen um etwa die Hälfte einbrechen.

Die Suche nach Wegen zur Wende

Angesichts dieser negativen Vorzeichen gilt es für die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Grambke, intensiv nach Wegen zur Wende zu suchen. Pastor Drewes verweist zum Beispiel auf den Boom der Freikirchen. Sie verzichten auf Kirchensteuern und vertreten gegenüber dem Staat das Prinzip der Selbstfinanzierung und -verwaltung.

Als entscheidend für ihre positive Entwicklung, glaubt der Grambker Pastor, sei aber deren anderer, vor allem bunter Gottesdienst. Um für junge Erwachsene attraktiv zu bleiben, müsse man in den evangelischen Kirchengemeinden wieder mehr über den Glauben sprechen und ihn in die Gesellschaft hineintragen, sagt er.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.