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Gedenkstele am Rathaus
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Erinnerung an Berner Juden

Hannelore Johannesdotter 06.12.2018 0 Kommentare

Raymon Müller hat die Stele zur Erinnerung an jüdische Familien entworfen, die jetzt am Rathaus aufgestellt wird.
Raymon Müller hat die Stele zur Erinnerung an jüdische Familien entworfen, die jetzt am Rathaus aufgestellt wird. (Johannesdotter)

Berne. Bei der Neugestaltung des Berner Ortskerns im Rahmen des Stadtumbaus sollte das Gedenken an die Berner Juden, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, nicht vergessen werden. Darauf hatte Reinhard Rakow, Autor und Initiator der Berner Bücherwochen, bereits im Juni 2015 bei einer Sondersitzung zur Ortskernsanierung hingewiesen. Drei Jahre später ist es jetzt so weit: Am Sonnabend, 8. Dezember, 10 Uhr, wird vor dem Berner Rathaus zur Erinnerung an die Berner Juden eine Stele eingeweiht.

Der Gedenkstein geht auf eine Idee des Künstlers Raymon Müller aus Jade zurück. Reinhard Rakow trug sie zielstrebig weiter. Er fand damit bei vielen Berner Bürgern und Politikern Gehör, auch beim Landtagsabgeordneten Björn Thümler (CDU), jetzt Minister für Wissenschaft und Kultur. Thümler machte seinen Einfluss für eine finanzierbare Lösung des Projekts geltend. Bei der Einweihung wird er ein Grußwort sprechen.

Die Idee ist eine Sache, die konkrete Umsetzung eine andere. Raymon Müller hatte sehr schnell einen Entwurf im Kopf. In Berne ist der Jader kein Unbekannter, hat er doch 2016 bei dem neuen Tor zum jüdischen Friedhof in Ranzenbüttel schon einmal künstlerisch einfühlsame Spuren hinterlassen.

Ausgelöst durch die Erzählungen seiner Großmutter, interessiere er sich seit früher Jugend für das jüdische Leben und die jüdische Kultur, begründet Raymon Müller sein Engagement. „Man bleibt unbewusst immer am Ball“, sagt der heute 68-Jährige. „Wenn ich Gelegenheit habe und man mich anspricht, dann bin ich immer dabei.“

Müller hat für seine Arbeit kein Honorar verlangt. Die Kosten für das Material konnten mit Geld von Spendern aus der Gemeinde Berne gedeckt werden. Hergestellt wurde die Stele unter Müllers Assistenz bei der Braker Metallbaufirma Meinardus und Tapken. Das Unternehmen stellte seine Arbeiten ebenso wenig in Rechnung wie die Elsflether Werft, auf der die Tafel mit den Namen der einst im Berne lebenden jüdischen Familien angefertigt wurde.

Die Gemeinde Berne stellte einen Platz am Rathaus zur Verfügung und legte dort das Fundament für den fast anderthalb Tonnen schweren Betonquader. Er wird hier zunächst einige Jahre stehen, bis sein endgültiger Platz entsprechend gestaltet sein wird: das Gemeindegrundstück gegenüber dem Breithof.

Bürgermeister Hartmut Schierenstedt steht dem Projekt wohlwollend gegenüber. Er findet es wichtig und richtig, dass der jüdischen Familien auf diese Weise würdig und nachhaltig gedacht wird. Immerhin, erinnert er, sei Berne die einzige Gemeinde in der Wesermarsch, die einen jüdischen Friedhof und außerdem das Gebäude einer früheren Synagoge vorweisen kann. Im Baugebiet Glüsing habe die Gemeinde der Jüdin Ella Türk eine Straße gewidmet.

Für Hartmut Schierenstedt wird mit dem Platz der Stele in Berne eine sogenannte Achse der Erinnerung entstehen: die Stele für die jüdischen Mitbürger, das Denkmal für die Gefallen 1870/71 um die Eiche auf dem Breithof und im Hintergrund die St.-Ägidius-Kirche mit der Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.

Reinhard Rakow beschreibt den Gedenkstein als einen stahlummantelten Betonquader mit einer Grundfläche von 50 Zentimetern im Quadrat und einer Höhe von 2,50 Metern. Von seinem oberen Ende verläuft ein Keilstück mit der Spitze nach unten. Dieses „Bruchstück“ findet sich etwa in Armhöhe an der Stele wieder. Es steht für etwas, das weggebrochen ist, symbolisch also für den Verlust. Reinhard Rakow hat es nie als Option angesehen, vor den Berner Häusern, in denen Juden lebten, Stolpersteine ins Pflaster zu verlegen. Es gehe um ein „Gedenken auf Augenhöhe“, erklärt er auf Nachfrage.

Die Stele wird auf einer Tafel die Namen der damals in Berne lebenden jüdischen Familien tragen. An der Ermittlung der Stammbäume seien Ursula Bernhold, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch, und ihre Mitarbeiterin Almuth Setje-Eilers mit intensiver Archivarbeit maßgeblich beteiligt gewesen, informiert Rakow.

Zur Einweihung der Stele erwartet die Gemeinde Berne zahlreiche Besucher. Neben Wissenschaftsminister Björn Thümler auch den Landrat Thomas Brückmann, Marina Jelowaja, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und deren Friedhofsbeauftragten Bodo Riethmüller. Eingeladen sind außerdem mehrere Nachfahren ehemaliger Berner Juden, darunter Ernest Koopmann, der aus den USA anreist, sowie die Enkelin und Urenkel von Ella Türk.

Weitere Informationen

Die offizielle Einweihung der Gedenkstele ist am Sonnabend, 8. Dezember, 10 Uhr, auf dem Rathausplatz in Berne.


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Leserkommentare
rmonsees am 22.10.2019 08:33
In Luxemburg beispielsweise, während des dortigen Volksfestes -der "Schueberfouer"- kann der ÖPNV ab 19 Uhr zum und vom Festplatz kostenfrei genutzt ...
axp am 22.10.2019 08:29
na ja, ich denke nicht, das die Bevölkerung hier aufgehetzt wird. Es ist eher so, dass langsam aber sicher immer mehr Menschen mitbekommen, das die ...