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Neue Reihe auf Burg Blomendal
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Geschichte für alle

Jörn Hildebrandt 14.05.2019 0 Kommentare

Rund 30 Interessierte haben an dem ersten Gespräch zum Thema Kolonialismus teilgenommen.
Rund 30 Interessierte haben an dem ersten Gespräch zum Thema Kolonialismus teilgenommen. (Christian Kosak)

Es ist ein verheißungsvoller Auftakt: Im Rittersaal der Burg Blomendal sitzen rund 30 Gäste bei Kaffee und Keksen gemütlich an den Tischen, und eine abwechslungsreiche Diskussion sorgt für thematische Vielfalt. Da macht es nicht viel aus, dass es mit der Powerpoint-Projektion nicht klappen will. Wiebke Schwind, die das Geschichtscafé mit wechselnden Themen für die Burg Blomendal entwickelt hat, kann das Thema „Kolonialismus in Bremen und die Forschungsfahrten des Kapitän Dallmann“ auch ohne Bilder lebendig vermitteln.

Wiebke Schwind hat es sich zur Aufgabe gemacht, geschichtliche Themen für alle zugänglich zu machen. Neben dem jetzt gestarteten Café plant sie eine Vortragsreihe und ein Angebot für Kinder.
Wiebke Schwind hat es sich zur Aufgabe gemacht, geschichtliche Themen für alle zugänglich zu machen. Neben dem jetzt gestarteten Café plant sie eine Vortragsreihe und ein Angebot für Kinder. (Fotos: Maximilian von Lachner)

Die Veranstaltung ist die Premiere der neuen Geschichtscafé-Reihe. Die Gesprächsrunden sollen künftig im vierteljährlichen Abstand auf Burg Blomendal stattfinden. „Mit einer geselligen Runde und lockeren Gesprächen soll das Geschichtscafé eine neue Form sein, sich mit historischen Themen zu beschäftigen“, sagt Wiebke Schwind. „Ich halte Geschichte für extrem wichtig, denn wer die Vergangenheit nicht kennt, kann auch viele Probleme der Gegenwart nicht verstehen.“ Das Geschichtscafé will vor allem Geschichte in Bremen-Nord vermitteln, und der gewählte Ort, die Burg Blomendal aus dem 14. Jahrhundert, ist selbst geschichtsträchtig genug.

Exponate aus dem Museum der Burg Blomendal, die auf den Tischen stehen, dienen als Anschauungsobjekte im Geschichtscafé – wie der Panzer eines Gürteltiers oder ein altes Fernglas. Requisiten, die indirekt mit dem Thema Kolonialismus zu tun haben. Wiebke Schwind studiert an der Bremer Uni und möchte „Geschichte für alle zugänglich machen“, wie sie sagt. Und das funktioniert beim Geschichtscafé, indem sie das Publikum durch direkte Fragen gleich zu Beginn aktiviert: „Was verbinden Sie mit Kolonialismus?“ Antworten wie „Kaffee, Tee und Baumwolle“ geben den Impuls, den Blick zurück auf die Anfänge der Kolonien zu richten: Als im 16. Jahrhundert den Europäern das meiste Land und Meer jenseits ihres Kontinents noch „terra incognita“ war, über dessen Ausdehnung und Reichtum sich niemand eine Vorstellung machen konnte.

Schnell melden sich Gäste zu Wort, die ihr Hintergrundwissen einbringen können, wie zum Beispiel Ulf Fiedler, der erklärt, wie sich Bismarck nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 gegen den Besitz deutscher Kolonien aussprach: „Er sah darin eine Gefahr für das politische Gleichgewicht“, sagt Fiedler.

Spuren des Kolonialismus

Doch dem stand der Wunsch, vor allem von Bremer Kaufleuten und Reedern gegenüber, Kolonien zu besitzen – die es dann auch gab, wie in Togo, Kamerun, aber auch in Ozeanien. Und damit kam ein Wirkbereich des Entdeckers und Forschers Kapitän Eduard Dallmann zur Sprache, der 1896 in Blumenthal starb. Dallmann hisste 1884 auf einer Expedition mit dem Forschungsreisenden Otto Finsch auf Neuguinea die deutsche Flagge und machte sich unter anderem als Kartograf vieler ferner Gegenden verdient.

„Welche Spuren des Kolonialismus in Bremen oder Bremen-Nord kennen Sie?“, fragt Wiebke Schwind, und spontan werden Straßennamen wie die Hermann-Heinrich-Meier-Allee in Schwachhausen genannt oder eben auch die Kapitän-Dallmann-Straße in Blumenthal. Hermann Heinrich Meier hatte als Mitbegründer des Deutschen Lloyd mit den Folgen des Kolonialismus zu tun. Und Kapitän Eduard Dallmann beschwerte sich über die Ausbeutung der Eingeborenen in Neuguinea, was ihn künftige Aufträge kosten sollte. Weitere Beispiele: Ein Mosaik im Hauptbahnhof erinnert an den Weg des Tabaks von der Ernte bis zur Ankunft in Europa, und der „Elefant“ aus Backstein nahe der Bürgerweide ist heute ein Antikolonialdenkmal, zur Erinnerung an die ökonomischen und ökologischen Schäden, die der Kolonialismus in Afrika angerichtet hat. Und der letztlich auch für Kriege verantwortlich ist.

Die Abschlussfrage beim Geschichtscafé dreht sich um Exponate aus ehemaligen Kolonien, die heute zum Beispiel im Bremer Überseemuseum stehen: Sollten sie nicht zurückgegeben werden? „Viele Objekte haben schließlich für die Völker eine spirituelle Bedeutung“, sagt Ulf Fiedler. Das Geschichtscafé nimmt einen vielversprechenden Anfang und verknüpft Welthistorisches mit lokaler Geschichte in Bremen-Nord.

Das Geschichtscafé ist nicht die einzige Veranstaltungsreihe, die Wiebke Schwind auf Burg Blomendal initiiert: Noch in diesem Jahr startet ein Programm aus wissenschaftlichen Vorträgen zu Geschichtsthemen wie Unterwasser-Archäologie oder Entwicklung der Fahrzeugtechnik. Schwind hat bereits Professoren und Doktoren verschiedener Fachrichtungen für die Teilnahme gewonnen. „Wir wollen aber auch ein Geschichtscafé für Kinder anbieten – ein Thema werden natürlich die Raubritter sein, die einst auf der Burg gelebt haben“, sagt Wiebke Schwind. „Und wir nehmen natürlich auch gern Themenvorschläge entgegen, die aus der Bevölkerung kommen.“

Das nächste Geschichtscafé findet am Sonntag, 1. September, 15 Uhr, statt. Das Thema lautet dann „Lichtspielhäuser in Bremen-Nord“.


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Leserkommentare
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
Mangaguide.de am 20.10.2019 16:42
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