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Das Porträt: Aladdin Haddad
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Grenzenlose Passion für die Gitarre

Imke Molkewehrum 22.05.2019 0 Kommentare

Aladdin Haddad bietet am Sonnabend, 25. Mai, im Lichthof Kunstfabrik einen Gitarren-Workshops an.
Aladdin Haddad bietet am Sonnabend, 25. Mai, im Lichthof Kunstfabrik einen Gitarren-Workshops an. (Christina Kuhaupt)

Burgdamm. Aladdin Haddad hat einen Traum: Der 33-jährige Syrier möchte mit Gitarrenmusik seinen Lebensunterhalt bestreiten. „Mein Ziel ist, mit meiner Musik überall Zuhörer zu erreichen und davon leben zu können. Und ich möchte international arbeiten“, erzählt er. Tatsächlich gibt der studierte Musiker regelmäßig Gitarren-Konzerte in Bremen. „Ich habe zum Beispiel im Bremer Rathaus gespielt und mit einem Ensemble im Sendesaal“ sagt er.

Hinzu kommen Auftritte in Hamburg, Berlin oder München sowie im nahen Ausland, aber zum Überleben reichen die Einkünfte nicht. Deshalb gibt Aladdin Haddad Gitarrenunterricht und bietet Workshops an. So auch in Bremen-Nord am Sonnabend, 25. Mai, im Lichthof Kunstfabrik. Mitmachen können Menschen mit moderaten und guten Vorkenntnissen.

Um sich über Wasser zu halten, unterrichtet Haddad 55 Schüler. „Dabei möchte ich eigentlich lieber selbst Musik machen. Ich spiele Konzertgitarre, Akustikgitarre und E-Gitarre.“ Fünf Instrumente hat er inzwischen. Viel Zeit zum Üben bleibe aber nicht. Trotzdem ist Haddad optimistisch, schließlich hat schon ganz andere Probleme gemeistert.

In Deutschland lebt der 33-Jährige seit 2014 und spricht die Sprache fließend. Er kam mit dem Flugzeug, lange vor dem Flüchtlingsstrom. Inzwischen fühlt er sich in Bremen zu Hause. Ursprünglich wollte Aladdin Haddad aber gar nicht unbedingt nach Deutschland. Wegen seiner Sprachkenntnisse hatte er die USA, Großbritannien, Irland oder Frankreich im Visier. Er ging dann aber nach Berlin, weil ein Freund dort lebte.

„Als ich nach dreieinhalb Monaten von Berlin nach Bremen kam, hatte ich zwar die Sprache gelernt, aber nur fünf Euro in der Tasche“, erzählt der Syrer. An die Weser zog es ihn, weil an der Bremer Hochschule für Künste die von ihm bewunderte Konzertgitarristin Pia Offermann als Dozentin tätig war. In Damaskus hatte er seinen Bachelor gemacht. Jetzt stand der Master auf der Agenda. „Und ich habe tatsächlich einen Studienplatz gekriegt.“

Schlecht stand es dagegen um einen Wohnsitz. „Ich habe bei befreundeten Studenten in Findorff geschlafen, aber erst nach drei Monaten die Miete zurückzahlen müssen“, sagt Haddad und ist heute noch dankbar dafür. Mit Straßenmusik hat Haddad seinerzeit sein Leben finanziert. Entspannter wurde es erst, als er die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in der Tasche hatte und Bafög bekam.

„Ich habe Syrien verlassen, um nicht zum Militär zu müssen“, erzählt Haddad. Zwar sei Damaskus als Sitz der Regierung vergleichsweise sicher gewesen, aber auch sein Bruder habe das Land später verlassen und absolviere jetzt in Bremen eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann. „Die arabischen Länder leiden alle, und die Ausbildung ist schlecht“, beklagt Haddad. Das sei aber auch der Zweck, den die Regierung verfolge. „Freie Gedanken passen den Machthabern nicht.“

Seine Heimat Damaskus sei mittlerweile mit Menschen überfüllt, die vom Land in die Großstadt geflohen seien. „Wo vorher dreieinhalb Millionen Menschen lebten, sind jetzt fünf bis sieben Millionen. Das sind vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder.“ Die Jugendlichen, die rekrutiert wurden, seien alle abgehauen. Allerdings würden die Erwartungen der meisten Flüchtlinge enttäuscht. „Viele sind ziellos und haben Heimweh.“ Sie seien zwischen den Kulturen zerrissen, beobachtet der Musiker. Zwar sind auch Haddads Eltern in Damaskus geblieben, „aber meine neue Heimat ist hier. Nächstes Jahr beantrage ich die deutsche Staatsbürgerschaft, und schon jetzt zahle ich in die Rentenversicherung“ erzählt er „Mein Bruder und ich können nicht nach Syrien zurück“, sagt Haddad und sinniert: „Es wäre ein Traum, wenn man überall leben könnte – ohne Pass. Das wäre ein ideales Szenario für die Welt, wird aber nie passieren.“

Mit sieben Jahren angefangen

Von seinem Vater hat der 33-Jährige die Leidenschaft für die Gitarre. „Ich wünsche mir nichts anderes, als Musiker zu sein.“ Mit sieben Jahren habe er angefangen, erzählt er. „Die Gitarre hat die größte Entwicklung in den letzten 50 Jahren gemacht, sie ist das vielfältigste Instrument. Das Problem ist oft das Publikum. Viele finden Gitarrenmusik langweilig oder anstrengend. Mein Ziel ist, dass die Leute einer Reise durch viele Musikstile mit Entspannung und Emotionen zuhören.“

Inzwischen hat Aladdin Haddad in Eigenregie seine Debüt-CD aufgenommen. Dabei ist er in Vorkasse gegangen. 600 Euro bekam er via Crowdfunding „von Leuten die an meine Kunst glauben“. Wann jedoch die Gesamtkosten von 5000 Euro eingespielt sind, steht in den Sternen. „Das kommt so schnell nicht wieder rein“, bedauert der Gitarrist. Streamingdienste wie Spotify oder Youtube findet der Syrer nicht schlecht. Zwar gebe es für einen Klick maximal einen Cent, „aber ich kann meine Musik überall weiterreichen“.

Sein Vater – eigentlich Möbeltischler und Bildhauer – habe als Gitarrist in einer Band gespielt, die auch die Beatles gecovert haben, erzählt er. „Wir kennen die westliche Mentalität und fühlen uns deshalb wohl hier.“ Im Übrigen seien die deutschen Gitarrenbauer mittlerweile „die besten der Welt“. Zu seinen beiden Gitarren von Adrian Heinzelmann aus Berlin hat Aladdin Haddad daher eine besonders intensive Beziehung und hütet sie wie seinen Augapfel. „Eine Gitarre muss zu 100 Prozent zu den persönlichen Bedürfnissen passen.“ Als mögliche Vorbilder nennt er für den Flamenco Paco de Lucia, für die E-Gitarrenmusik Steve Vai und Thomas Fellow als Pionier des Fingerstyles. „Mir liegt traditionelle Musik genauso wie frische, neue.“ Für die Jury seiner Masterprüfung musste Aladdin Haddad eine Stunde vom Barock bis zur Moderne gestalten. Das Programm anderer Konzerte bestimmt er selbst. Wenn die Zuhörer anschließen begeistert sind und ihn auch mal loben, ist der Wahl-Bremer sehr dankbar. Besonders begeistert hat ihn aber der Kommentar einer Besucherin in München: „Ich hoffe, dass deine Schüler dich zu schätzen wissen. Wir wünschten, du würdest in München leben.“

Zur Sache

Gitarren-Workshop in Burgdamm

Am Sonnabend, 25. Mai, gibt der professionelle Gitarrenspieler Aladdin Haddad im Lichthof Kunstfabrik, Stader Landstraße 64, zwischen 14 und 18 Uhr einen Workshop mit einer Einführung in die Grundlagen des Gitarrenspiels. Aladdin Haddad zeigt unter anderem Rhythmen, Zupftechniken und Akkorde, die ohne große Vorkenntnisse erlernt werden können. Die Teilnahme kostet 30 Euro. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 01 75 / 5 26 73 55 oder über die Mailadresse mail@lichthof-kunstfabrik.de möglich.


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Leserkommentare
Turugeno am 23.10.2019 13:42
Das ist ein Mythos, der immer wieder von gewissen Kreisen gestreut wird, der aber komplett falsch ist.
Die Rente wird vom Bruttolohn gerechnet, ...
MiSchr29 am 23.10.2019 13:41
Woraus schließen Sie, dass wir nicht in einem Rechtsstaat leben, bzw. wie ist Ihre Definition eins Rechtsstaats?