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Günter-Grass-Stiftung plant Umzug

Imke Molkewehrum 04.10.2019 1 Kommentar

Günter Grass, aufgenommen Mitte der 60er-Jahre in Berlin.
Günter Grass, aufgenommen Mitte der 60er-Jahre in Berlin. (Albrecht-Joachim Bahr)

Das „Medienarchiv Günter Grass Stiftung“ fristet im Verwaltungsgebäude der Jacobs University in Grohn ein Schattendasein. Nur selten verirren sich Besucher hierher. Eigentliches Ziel der Bremer Stiftung ist das Sichten, Aufbereiten und Digitalisieren aller Ton- und Bildaufnahmen, die mit dem Nobelpreisträger, Autor und Grafiker in Zusammenhang stehen. Finanzen und Personal sind jedoch knapp und die Technik ist veraltet. Die Günter-Grass-Stiftung Bremen spielt daher mit dem Gedanken, in das Günter-Grass-Haus in Lübeck umzuziehen.

Horst Monsees arbeitet seit Juni 2018 halbtags als Geschäftsführer für die Günter-Grass-Stiftung in Bremen. „Als ich anfing, war die Stiftung schon in einem desolaten Zustand“, sagt der 65-Jährige. Die vorherige Geschäftsführerin hatte einen fünfstelligen Geldbetrag unterschlagen und die Personaldecke war stark ausgedünnt. „Heute bin ich hier allein mit der Archivarin Sonja Wohllaib“, sagt Monsees. Erschwerend kam hinzu, dass der damalige Präsident der Jacobs University, Michael Hülsmann, der Stiftung wegen Eigenbedarfs im Jahr 2018 die Räume entziehen wollte, die ihr gratis zur Verfügung stehen.

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„Die Überlegung, den Standort nach Göttingen oder Lübeck zu verlagern, gab es im Vorstand allerdings schon vorher“, sagt Horst Monsees. „Dort ist das wissenschaftliche Umfeld interessanter. An der Jacobs University gibt es so gut wie keine Geisteswissenschaften mehr. Auf dem Campus ist die Stiftung wie eine Enklave, es kommt niemand vorbei. Wir werden nicht mehr ausreichend wahrgenommen.“ Problematisch sei auch, dass es in Bremen „nicht mehr die richtige Förderkulisse gibt. Dabei brauchen wir unbedingt Geld, wenn wir Lesungen oder Ausstellungen machen wollen. Sonst bringt das alles nichts.“

Geeignete Räume vorhanden

Nach der Aufforderung, die Räume zu verlassen, rückte der mögliche Umzug nach Lübeck zunehmend in den Fokus, denn das Günter-Grass-Haus beherbergt den bildkünstlerischen Nachlass des Schriftstellers. „Das würde Sinn machen“, sagt Monsees und ergänzt: Deshalb waren wir schon im Juli 2018 in Lübeck und haben mit dem Leitenden Direktor der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, gesprochen. Uns wurde signalisiert, dass die Lübecker sehr interessiert sind, weil sie der wissenschaftliche Ansatz reizt.“ Vor Ort gebe es im Trakt zwischen dem Günter-Grass-Haus und dem Willy-Brandt-Haus zudem geeignete Räumlichkeiten für das digitale Archiv aus Bremen, das gegenwärtig knapp 2600 Tondokumente und Videos umfasst.

Im Oktober 2018 sei der damalige Vorstand der Bremer Günter-Grass-Stiftung daher abermals nach Lübeck gereist, darunter Joachim Treusch, Christian Weber, Jörg-Dieter Kogel, der Vorstandsvorsitzende Klaus Meier und Horst Monsees. "Damals haben wir auch mit Ute Grass und der Leitung des Grass-Hauses gesprochen“, erzählt Monsees.

Horst Monsees spricht sich persönlich dafür aus, mit der Stiftung in Bremen zu bleiben.
Horst Monsees spricht sich persönlich dafür aus, mit der Stiftung in Bremen zu bleiben. (Christian Kosak)

Thematisiert wurden die Bedingungen für die Verlegung des Stiftungssitzes von Bremen nach Lübeck. Dabei ging es um die Übernahme der Archivarin und Schaffung einer wissenschaftlichen Stelle. Voraussetzung ist auch, dass die Stiftung so bleibt, wie sie ist – mit Vorstand und Kuratorium. Es muss außerdem mindestens eine Bremer Persönlichkeit im Vorstand sitzen und der Austausch hinsichtlich gemeinsamer Ausstellungen sollte garantiert sein. „Das sind unsere Bedingungen. Es geht nur um eine Sitzverlegung“, sagt Horst Monsees.

Bei einem weiteren Treffen mit Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau im Mai 2019 habe es zunächst geheißen, dass die Lübecker einverstanden sind, schildert der 65-Jährige. Kuratorium und Vorstand der Stiftung in Bremen hätten ihrerseits eine entsprechende Absichtserklärung nach Lübeck geschickt. „Aber wir haben seither nichts mehr gehört. Wir haben keine Zusage. Das ist eine echte Geduldsprobe.“

Angesichts des möglichen Umzugs plagen den Geschäftsführer der Stiftung allerdings auch Zweifel.  „Ich liebe das Günter-Grass-Haus, aber ich persönlich wäre eher für eine enge Kooperation als für die Verlegung.“ Innerhalb Bremens den Sitz zu verlagern, diese Variante wäre dem Geschäftsführer lieber. „Wir brauchen nicht viel Platz für das rein digitale Archiv. Am liebsten wäre uns ein Sitz an der Bremer Universität oder an der Hochschule.“

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Dagegen spricht jedoch, dass die Günter-Grass-Stiftung Bremen sehr knapp bei Kasse ist. „Die Stiftung lebt von ganz geringen Zinserträgen aus dem Stiftungskapital, das 780.000 Euro umfasst“, erklärt der Geschäftsführer. „Dieses Kapital dürfen wir nicht aufzehren.“ Zur Verfügung stehe darüber hinaus die Unterstützung durch die Sparkasse Bremen und vor allem des Vorstandsvorsitzenden Klaus Meier. „Aber auch er sieht in Lübeck die besseren Chancen für das Medienarchiv. Auf Dauer muss es dann wohl so sein“, befürchtet Horst Monsees.

Gegründet wurde das Grass-Medienarchiv 2001 im Zuge der um sich greifenden Sparmaßnahmen bei den Rundfunkanstalten. Damals habe Radio Bremen überlegt, die audiovisuellen Grass-Dokumente aus dem Besitz des Senders dem Rundfunkmuseum in Frankfurt zu übergeben. Der Bremer Senat, hiesige Unternehmer, Radio Bremen und die Sparkasse Bremen, taten sich aber daraufhin zusammen, um die “Günter Grass Stiftung Bremen – Audiovisuelles Archiv und rezeptionsgeschichtliche Forschungsstelle” zu gründen. Günter Grass ist der einzige Autor, von dem es ein solches Ton-Bild-Archiv gibt. Horst Monsees: „Woran es jetzt letztlich in Lübeck hakt, weiß ich nicht. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und machen erst mal weiter wie bisher.“


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...