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Ökostation sucht Helfer
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Handarbeit im Kräutergarten

Sylvia Wörmke 05.09.2019 0 Kommentare

Astrid Roschke und der Mitarbeiter der Ökologiestation Jochen Kamien legen zuerst im Kräutergarten Hand an. Später kommen weitere ehrenamtliche Helfer dazu.
Astrid Roschke und der Mitarbeiter der Ökologiestation Jochen Kamien legen zuerst im Kräutergarten Hand an. Später kommen weitere ehrenamtliche Helfer dazu. (Christian Kosak)

Es hat zwar in der Nacht fürchterlich geregnet. Sie kommen aber doch zur Ökologiestation, obwohl davon auszugehen ist, dass das Wasser im Kräutergarten hoch steht. Zuerst eine Ehrenamtliche. Dann sind es fünf Frauen und Männer, die zusammen mit der Diplom-Biologin und Stationsleiterin Martina Schnaidt sowie Mitarbeiter Jochen Kamien Unkraut zupfen, hacken und Verwüstungen durch den Starkregen beseitigen. Die Ökostation sucht dringend weitere Ehrenamtliche.

Seit Monaten kümmert sich die Gruppe um die Anlage. „Es war viel Arbeit“, erzählt Martina Schnaidt. Der Garten existierte quasi gar nicht mehr. Der Bereich war wie die angrenzende Wiese vollständig zugewuchert und von der Natur erobert worden. Während die Biologin erzählt, warum ehrenamtliche Unterstützung so dringend nötig ist, radelt Astrid Roschke aufs Gelände. Sie ist seit Urzeiten Mitglied im Verein. Die 68-Jährige, sie war unter anderem in Walle und 33 Jahre am Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße als Lehrerin tätig, hat nun als Rentnerin mehr Zeit. Sie möchte aber vor allem die Ökologiestation, das Umweltbildungszentrum, unterstützen – Spaß und Unterhaltung gibt es im Team von zehn Ehrenamtlichen ganz nebenbei dazu. Astrid Roschke hält sich nur kurz auf, um sich dann schnell an die Arbeit zu machen. 

Gegen die Entfremdung

Weiter geht es mit den Erklärungen. Seit Februar läuft in der Ökologiestation das Projekt „Insektenschutz, Artenvielfalt und Klimawandel“ mit vielen Vorträgen. Das ist die Theorie. Für den praktischen Teil, um das Thema den Menschen näher zu bringen, soll gemeinsam der Garten angelegt werden. Ehrenamtliche unterschiedlichen Alters von 18 bis 70 Jahren sind auf dem Gelände aktiv. „Es ist ein Projekt für die Bürger, um Anreize zu geben, über Insektenschutz, Artenvielfalt und Klimawandel nachzudenken,“ erläutert die Biologin.

Martina Schnaidt zeigt später im Garten auf die blau blühende Wegwarte, deren Blüten nur einen Tag blühen. Sie seien ein Leckerbissen für Schwebfliegen. Aus den Wurzeln der Pflanze könne man Kaffee herstellen. Der sei viel verträglicher als der normale Kaffee und sogar Kinder könnten ihn trinken, da er ohne Koffein sei. 

Grundsätzlich aber war es auch dringend nötig, diesen komplett verwilderten Bereich im Waldgelände der Ökologiestation zu gestalten. Für die Umweltbildung für Kinder und Jugendliche wird er gebraucht.  Bisher besteht der neue Kräutergarten, nachdem hier erst einmal schwer geschuftet worden ist, aus Beeten mit Arznei- und Duftpflanzen sowie einer Kräuterspirale. „Auch schon die ganz kleinen Kinder können hier schnuppern.“ Marita Schnaidt erzählt, dass die Kinder Zitronenduft riechen, aber gar keine Zitronen entdecken. Sie zeigt auf die Zitronenmelisse. Der Lavendel erinnere Kinder ans Bad. Bei den Heilpflanzen wiederum erfahren  Jungen und Mädchen, „dass die Natur Mittel hat, um Wehwehchen zu kurieren“. Aus den Wurzeln des Eibisch kann Hustentee gekocht werden, Apfelminze hilft bei Bauchweh.

Bei Aktionen in der Ökologiestation werden diese Informationen dann praktisch umgesetzt. Man kocht zusammen Tee oder verkostet geerntete Pflanzen. So helfen die Informationen unter anderem, der Entfremdung von der Natur zu begegnen. Auf diese Weise werden Kinder und Jugendliche wieder an die Natur und Umweltthemen herangeführt.

Die Ehrenamtlichen, die an diesem Tag am Werk sind, kennen sich allesamt gut aus. Sie haben zum Teil selber Gärten, haben sich schon lange als Mitglieder für den Verein Ökologiestation engagiert oder waren beziehungsweise sind beruflich mit den Themen Natur und Umwelt beschäftigt. Domenik Chopin, mit 70 Jahren der Älteste in der Gruppe und seit Jahrzehnten Vereinsmitglied, konnte es nicht ertragen, dass über das Aussehen der Gartenanlage von Besuchern gemeckert wurde. „Es hat mir wehgetan“, sagt er. Früher sei die Anlage so schön gewesen. „Ich habe mich darum gefreut, hier einsteigen zu können“, begründet er seinen ehrenamtlichen und tatkräftigen Einsatz.

Früher, die Ökologiestation gibt es seit 1979, waren zunächst über Jahre der Verein Ökologiestation, die Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) und die Stadt Bremen gemeinsam Träger der Anlage. Damals waren hier noch Gärtner der Stadt im Einsatz. Laut Martina Schnaidt ist diese Konstruktion dann aber aus Geldmangel aufgegeben worden. „Seit Anfang der 2000er Jahre machen wir alles allein.“ Das heißt, der Verein muss mit einer Basisförderung seitens der Bildungs- und der Umweltbehörde, mit eigenen Einnahmen aus der Vermietung des früheren Hofmeierhauses auf dem Landgut Lamotte für Veranstaltungen, der Wohnung im Obergeschoss, Vereinsbeiträgen der rund 145 Mitglieder sowie Sponsorengeldern das Gelände in Schuss halten. Manchmal gebe es noch Einkünfte aus Global- oder Bingo-Mitteln.

Die Konsequenz ist, dass auf dem Areal jede helfende Hand gebraucht wird. Auch unabhängig von diesem Projekt. Gerade wurde wieder ein Aufruf gestartet, dass sich freiwillige Helfer melden sollten. Einmal pro Woche sind sie auf dem Gelände im Einsatz. Wobei es keine Verpflichtung gibt. Nur wer möchte, kann auch zu Hacke und Gartenschere greifen. „Wer Lust dazu hat, kann kommen“, sagt Astrid Roschke.

Sie und Jochen Kamien arbeiten inzwischen nicht mehr allein im Garten. Nach und nach haben sich Mitstreiter eingefunden. Zum dritten Mal ist Sigrid Reimann dabei, auch sie ist eine ehemalige Lehrerin, mit 66 Jahren gerade frisch in Rente. Sturm und Regen haben dem Werk der Gruppe der vergangenen Wochen zugesetzt und die Pflanzen ordentlich zerzaust. Darum wird sofort gearbeitet. Ingo Dobner wird mit seinen 53 Jahren als Jüngster im Bunde vorgestellt. Der promovierte Biologe begründet seinen Einsatz so: „Der Verein braucht Unterstützung.“ Er sagt aber auch, dass eine tolle Atmosphäre herrsche und er sich sehr wohl fühle.

Tatsächlich ist Samira Sönmez das Küken, 18 Jahre alt. Die junge Frau aus Lemwerder, die im vergangenen Jahr ihr Abitur in Delmenhorst gemacht hat, möchte als Bufti (Bundesfreiwilligendienst) in der Ökologiestation vor dem Biologie-Studium in den Niederlanden erst einmal praktische Erfahrungen sammeln. Sie bezeichnet das Zusammensein in dieser Gruppe als sehr harmonisch. „Ich mache das sehr gerne“, sagt sie.

Zur Sache

Ehrenamtliche Hilfe und Vortrag

Wer die Ökologiestation ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich telefonisch unter 04 21 / 2 22 19 22 oder per E-Mail an info@oekologiestation-bremen.de melden. Der nächste Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Insektenschutz, Artenvielfalt und Klimawandel“ ist am Mittwoch, 2. Oktober, ab 19 Uhr in der Ökologiestation, Am Gütpohl 11. Die Biologin Jutta Kemmer (Biologische Station Osterholz) spricht über das Thema: „Feld- und Wegraine – von der Theorie zur Praxis.“ Die Teilnahmegebühr beträgt vier Euro.


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Leserkommentare
Bunker-F76 am 20.10.2019 11:04
Ich habe in diesem Artikel ganze achtmal des Wort Rechtsextrem(ismus) registriert.
Linksextrem(ismus) kein einziges mal.
Dabei sollte ...
Opferanode am 20.10.2019 10:48
"Endlich mal ein Angebot, wo Bremen offenbar einen Spitzenplatz hält, und interessierte Menschen die Qual der Wahl haben."
Das kann ja wohl ...