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Naturferne Gärten und Insektenmangel
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Harte Zeiten für Igel

Jörn Hildebrandt 12.06.2018 0 Kommentare

Die Tierfreunde suchen ständig naturnahe Gärten, in denen sie Igel aussetzen können.
Die Tierfreunde suchen ständig naturnahe Gärten, in denen sie Igel aussetzen können. (Karl-Josef Hildenbrand)

„Es brennt an allen Ecken und Kanten, was die Natur und auch den Igel betrifft“, sagt Carla Peinemann, zweite Vorsitzende des Vereins Netzwerk Igelfreunde, „die Lebensraumqualität für Igel insgesamt sinkt.“ Der Verein möchte etwas zum Schutz der Igel tun, doch diese Bemühungen sind eingebettet in den Schutz der Natur insgesamt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ stehe obenan, und das bedeute vor allem: Die Tierfreunde wollen Wissen über den artgerechten Umgang mit Igeln zu vermitteln.

„Wir sind über Igel-Notfälle erstmals in Kontakt gekommen“, erläutert Carla Peinemann, „und noch vor vier Jahren gab es keine Anlaufstellen, wenn Igel gefunden wurden und ihnen geholfen werden musste.“ Deshalb setzte sich eine Handvoll von Leuten zusammen und gründete im Jahre 2014 einen Verein.“ Heute hat das Netzwerk Igelfreunde mit Sitz in Osterholz-Scharmbeck fast 40 Mitglieder. Durch Kontakte zu Igel-Auffangstationen und zu Experten erweitern die Aktiven ihr Wissen ständig und vertreiben zum Beispiel eine ausführliche Broschüre, in denen das Igel-Wissen zusammengefasst wird. Im Restaurant „Gläserne Werft“ trafen sich die Mitglieder zu einem offenen Frühstück, zu dem auch einige Natur- und Igelinteressierte erschienen waren. Informationen zu naturnahen Gärten wurden gegeben, Erfahrungen ausgetauscht und Tipps zum Bau von Futterstellen und Igelhäusern gegeben.

„Doch eine Igel-Auffangstation sind wir nicht“, betont Carla Peinemann, „wir machen Beratung und geben Informationen weiter, und dazu haben wir ein Not-Telefon eingerichtet, das ehrenamtlich betrieben wird. In schweren Fällen geben wir Igel an eine Aufzuchtstation in Hannover, wo sie längere Zeit gepflegt werden.“

Um die Finanzen des Vereins aufzubessern, gehen die Mitglieder zum Beispiel auf Märkte und organisieren Tombolas. Denn die Kosten, um zum Beispiel kranke Igel vom Tierarzt behandeln zu lassen, sind hoch. „Wildtiere können von Tierärzten mit einem höheren Satz abgerechnet werden als Haustiere“, hätten Tierärzte gegenüber Carla Peinemann geäußert. Sogar, wenn man einen Igel einschläfern lassen muss, koste das in manchen Fällen Geld. Doch es würden sich auch immer wieder Tierärzte finden, die bei den Tierschützern Entgegenkommen zeigen. „Die Igelbestände gehen zurück, vor allem weil sie wegen des Insektensterbens nicht mehr Nahrung von ausreichender Qualität finden“, sagt Horst Schröder, erster Vorsitzender des Netzwerks Igelfreunde. Große Laufkäfer zum Beispiel, deren Chitin den Igel vor Innenparasiten schützt, würden sie immer seltener finden. Und unter Igeln hätten Hautkrankheiten deutlich zugenommen, vielleicht eine Folge mangelhafter Ernährung.

Die Igelfreunde machen nicht allein die Pestizide für den Rückgang des nächtlichen Einzelgängers verantwortlich, sondern auch die Art und Weise, wie private Gärten angelegt werden. „Einen Naturgarten zu betreiben, ist der beste Igelschutz“, sagt Horst Schröder, „wir raten den Leuten ausdrücklich, im Garten eine Totholzecke einzurichten und heimischen Pflanzenarten den Vorzug zu geben.“

Denn im Totholz finden Igel nicht nur Unterschlupf und Nahrung, zum Beispiel in Form von Asseln oder Käfern. An Pflanzenarten aus der Region leben auch viel mehr Insekten, die Speise für den Igel bieten. Besonders Mähroboter, die in Gärten sogar nachts den Rasen mähen, stören die Tierwelt extrem, außer die Igel zum Beispiel auch zahlreiche Kleinvögel. Carla Peinemann hat in ihrem eigenen Garten seit einiger Zeit ein Stück Rasen nicht gemäht und war überrascht, dass sich die Vogelwelt, wie zum Beispiel Hausspatzen, auf diesen Streifen konzentrierte, um dort nach Nahrung zu suchen.

Eine weitere Bedrohung für Igel sind abgeriegelte Gartengrundstücke: „In Neubaugebieten werden die neu angelegten Gärten oft mit Zäunen umgeben, die tief in den Boden reichen, für Igel ist das verhängnisvoll“, sagt Susanne Fischer, Mitglied des Netzwerks Igelfreunde, „denn die Männchen unternehmen während der Paarungszeit weite Streifzüge bis zu fünf Kilometern pro Nacht.“ In Kleingartengebieten werden die Parzellen zusätzlich häufig noch mit Kaninchendraht umgeben – wandernde Igel können also nicht in Gärten eindringen und dort nach Nahrung suchen.

Übertriebener Ordnungssinn führe auch dazu, dass in Grünstreifen, aber auch in Gärten das Herbstlaub abtransportiert werde. „Diese Laubhaufen sind wichtige Über-Lebensräume für Igel im Winter, und hier legen sie gern ihre Schlafnester an“, weiß Carla Peinemann. „Unser Hauptgeschäft ist die Beratung in Sachen Igel“, sagt sie, „wir kümmern uns zum Beispiel um Igel, wenn sie verletzt sind, doch mit dem ausdrücklichen Ziel, sie wieder gesund und überlebensfähig in die Natur zurückzugeben.“

Das Netzwerk Igelfreunde sucht permanent naturnahe Gärten, die für die Auswilderung im Frühjahr geeignet sind, ebenso wie Überwinterungsquartiere, wenn Igel vor dem Wintereinbruch nicht mehr rechtzeitig ausgewildert werden konnten. Horst Schröder und Carla Peinemann schauen sich solche Gärten und Unterbringungsmöglichkeiten persönlich an, damit die Hilfe in jedem Falle artgerecht ist.

Weitere Informationen

Weitere Informationen rund um den Verein und um heimische Igel gibt es im Internet unter www.netzwerk-igelfreunde.de. Wer einen kranken oder verletzten Igel findet, kann sich unter 0 15 75 / 5 02 19 73 oder per E-Mail an kontakt@netzwerk-igelfreunde.de melden.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...