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Interview mit Ursula Pickener
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„Ich habe vier, fünf Jahre an diesem Buch gearbeitet“

Albrecht-Joachim Bahr 07.10.2019 0 Kommentare

Die Nordbremer Autorin Ursula Pickener stellt ihren Roman
Die Nordbremer Autorin Ursula Pickener stellt ihren Roman "Utopia war gestern" vor. (Albrecht-Joachim Bahr)

Das Blut ist getrocknet. Die Opfer unter der Erde. Und der oder die Täter hinter Gittern. Oder auch nicht. Frau Pickener, Sie haben einen Krimi geschrieben, das Manuskript liegt vor Ihnen auf dem Schreibtisch. Wie geht’s jetzt weiter?

Ursula Pickener: Das Manuskript war fertig und ich suchte ein professionelles Lektorat. Ich habe den Text niemandem vorher zum Lesen gegeben, meinem Mann nicht, auch keinem meiner Freunde, obwohl auch versierte Autoren und Autorinnen dazugehören.

In Ihrem Buch geht es viel um Biologie. Doch Sie selbst sind oder waren doch keine Biologielehrerin.

Sport und Deutsch waren meine Fächer. Und ja, ich bin keine ausgebildete Biologin. Deshalb sollte ein Lektor, eine Lektorin Kenntnisse in Biologie haben – und dazu auch hier in der Nähe leben … Während der vier, fünf Jahre, an denen ich an diesem Buch neben meinem Beruf gearbeitet habe, habe ich begleitend an Seminaren und Romanwerkstätten teilgenommen, darunter solche mit namhaften Schriftstellern wie Juli Zeh, Frank Schulz, Till Raether, John von Düffel und Oliver Uschmann. Uschmann war es dann auch, über den ich, auf Umwegen, an meinen Lektor gekommen bin. Er hat mich einer Lektorin in München empfohlen. Da sie keine Kapazitäten mehr hatte, schickte sie mir eine Liste, auf der unter anderem Michael Kracht stand

Und der ist Biologe?

Biologieprofessor. Und Lektor. Und er lebt in der Nähe, das heißt in Rhauderfehn, im Ostfriesischen. Ich rief ihn also an und er forderte erst mal ein Exposé an und eine Leseprobe. Schon am nächsten Tag rief er zurück. Die Kostprobe gefalle ihm außerordentlich gut. Ich solle ihm doch das ganze Manuskript schicken. Dabei fragte er mich auch, ob ich wisse, dass er einen Verlag habe? Der Fehnland-Verlag sei auf Spannungsliteratur spezialisiert und er wolle den Roman gern verlegen, wenn er die Erwartungen erfülle, die die Leseprobe geweckt habe.

Warum aber dieser Biologie-Check? Ihr Roman, der – nicht – an Ihrer ehemaligen Schule Alwin-Lonke-Straße spielt, dreht sich schließlich hauptsächlich um Mobbing.

Letztlich um die ganze Bandbreite von Schüler- und Lehrerproblemen, die ich unter anderem als Vertrauenslehrerin selbst erlebt habe. Biologischen Beistand habe ich gesucht, weil meine Protagonistin, eine Lehrerin mit ein paar Macken, alles um sich herum mit biologischen Begriffen, Analogien anreichert. So bezeichnet sie ihre eigene Haltung und Gestik als Imponiergehabe wie ein Silberrückengorilla. Überhaupt macht sie sich ihre Umgebung mithilfe von biologischen Begriffen begreifbar. Ich selbst habe mich schon immer für Tiere, Pflanzen und Natur interessiert, habe einen Hund und auch Hühner. Dazu habe ich auch eine Biologiekollegin gefragt und dann eben auch einen biologisch versierten Lektor gesucht.

Und der fand dann auch Ihr Manuskript gut?

Ja, ausgesprochen gut. Er hat mir auch gleich einen Vertrag angeboten. Weil ich auf diesem Gebiet ein Neuling bin, habe ich mir bei Oliver Uschmann Rat geholt. Der hat mir zugeraten, diese Chance zu ergreifen und nicht auf Fischer, Rowohlt und Co. zu hoffen. Wenn du es bei einem großen Verlag versuchst, da aber weniger als 20 000 Exemplare Umsatz hast, meinte er, dann bist du künftig und auch bei den anderen großen Verlagen verbrannt. Bei einem kleinen Verlag bist du mit sehr viel geringeren Auflagen schon ein Hit. Es ist schon komisch, was sich da in einem abspielt, da finde ich von heut' auf morgen einen zuverlässigen und wohlwollenden Verlag und frage mich dann trotzdem, ob nicht noch mehr geht. Schlussendlich: Nach fünf Jahren Arbeit hatte ich kurz vor Weihnachten mein Manuskript eingereicht. Und am 21. Dezember schon kam der Vertragsentwurf. Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und ein gutes halbes Jahr später ist das Buch schon erschienen.

Was hat Sie dann von diesen hochtrabenden, aber letztendlich nicht verbotenen Träumen wieder auf den Boden geholt?

Beim Fehnland-Verlag konnte ich mitbestimmen, bis hin zum Design: Vorblatt, Umschlag, Klappentext, Danksagung. Von einem pädagogischen Nachschlag hat der Verleger mir allerdings abgeraten, der würde, meinte er, das ganze Buch, immerhin ein Kriminalroman, zu pädagogisch werden lassen. Ursprünglich sollte der Roman übrigens „Bullerbü war gestern“ heißen. Da hat der Verleger für mich mit der Astrid-Lindgren-Erbengemeinschaft verhandelt, die aber unannehmbare Bedingungen gestellt hat. Deshalb heißt es jetzt „Utopia war gestern“.

Wobei es mit der Thomas-Morus-Erbengemeinschaft wohl keine Probleme gegeben hat.

Nein, natürlich nicht.

Wie ging es dann inhaltlich weiter?

Das Lektorat hat mir denn Text mit Korrekturvorschlägen zurückgeschickt. Und das habe ich dann umgesetzt. Oder angemerkte Stellen eben belassen, weil sie meiner Meinung nach nur so funktionieren. Kann ich das eine dann doch deutlicher machen, oder sollte das doch in der Schwebe bleiben? Alles in allem war es eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ich habe nie das Gefühl gehabt, mich hinterher in der Geschichte nicht wiederzufinden. Da wurde kein „Mehr Leichen!“ gefordert oder „Mehr Sex!“ Es ging bei dieser Arbeit immer nur um das Gesagte. Im Mai kamen die Druckfahnen, die ich noch einmal durchsah. Und dann wurde „Utopia war gestern“ gedruckt!

Wie aber das Buch verkaufen? Welchen Part spielen Sie darin?

Nun, wenn das Buch erscheint, fängt ein ganz neuer Teil der Arbeit an. Dann muss die Marketingmaschine anlaufen. Fehnland selbst ließ kleine Flyer in Form eines Lesezeichens herstellen, zum Verteilen. Außerdem schickt der Verlag Exemplare an Medienvertreter und Rezensenten. Den Rest mache ich. Das heißt, ich mobilisiere alle Kontakte. Autorinnenvita und Foto hatte ich ja schon für den Verlag. Es erschien bisher eine Besprechung im Nordanschlag. Ein Beitrag von Radio Bremen ist noch in der Schwebe. Nicht zuletzt habe ich mich um eine Buchpremiere bei Otto und Sohn gekümmert. Eine weitere Lesung gibt es bei Leuwer und später dann zwei in Hannover. Ich bemühe mich um Rezensionen in den Zeitungen von GEW und Verdi. Und ich suchte jemanden mit Sachverstand und Krimikenntnissen, der zu den Veranstaltungen eine Einführung hält. Das wird bei den Lesungen in Bremen Sabine Altrock-Otten sein.

Selbst Vorlesen, das wird für Sie als Deutschlehrerin nicht fremd sein.

Trotzdem dachte ich, da noch etwas nachzuhelfen. Wie stelle ich es zum Beispiel an, einen Spannungsbogen über einen ganzen Absatz zu halten, ohne dass die Zuhörer aus dem Text rausfallen. Ich mache dafür ein Lesecoaching bei der Schauspielerin und Regisseurin Franziska Mencz mit. Bei ihr habe ich gelernt, die Emotionen des Textes zu verinnerlichen, zu übernehmen und an die Zuhörer weiterzugeben. Sonst würden die noch auf den Gedanken kommen, wie schön es jetzt wäre, zu Hause auf dem Sofa zu liegen… Ich lerne jetzt so unglaublich viel Neues, das ist ein ganz tolles Geschenk.

Das Gespräch führte Albrecht-Joachim Bahr.

Zur Person

Ursula Pickener

lebt mit Mann, Katze, Hund und Hühnern in Grohn. Viele Jahre war sie am Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße als Lehrerin, Mediatorin und Beraterin tätig. Sie schreibt Prosa und Lyrik, vielfach im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. In Kooperation mit anderen Künstlern und Künstlerinnen aus den Bereichen Musik, Malerei, Fotografie und Tanz veranstaltet sie an oft ungewöhnlichen Orten Lesungen und Performances. Seit 2018 gehört sie zu den „Mörderischen Schwestern“.


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alterwaller am 23.10.2019 10:09
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