Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Interview mit Lars Redlich
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„Ich war der schlechteste Tänzer, den es je gab“

Daniela Schilling 09.10.2019 0 Kommentare

Lars Redlich ist schon seit frühester Kindheit musikalisch aktiv, er spielte Blockflöte, Klarinette, Gitarre und spielte und sang in verschiedenen Coverbands. Bevor er zum Studiengang
Lars Redlich ist schon seit frühester Kindheit musikalisch aktiv, er spielte Blockflöte, Klarinette, Gitarre und spielte und sang in verschiedenen Coverbands. Bevor er zum Studiengang "Musical" an der Universität der Künste Berlin wechselte, studierte er einige Semester Musik und Sport auf Lehramt. Neben diversen Engagements bei Musical, Film und Fernsehen ist Redlich mit seiner eigenen Comedyshow unterwegs. (FR)

Lars Redlich, am kommenden Sonnabend treten Sie im Kito in Vegesack auf. Haben Sie darüber hinaus eine Verbindung zu Bremen?

Lars Redlich: Ja, meine Cousins wohnen in der Nähe von Bremen. Als Teenager war ich großer SV-Werder-Fan, bin es eigentlich immer noch. Aus dem Grund, weil meine Heimatstadt Berlin damals keinen Erstligaklub hatte, und ich es immer cool fand mit meinen Cousins ins Weserstadion zu gehen und den SV-Werder anzufeuern. Außerdem habe ich vor einigen Jahren mit dem Musical Grease im Musicaltheater gastiert.

Haben Sie ein besonderes Ritual vor Ihren Auftritten?

Vom Prinzip her nicht, allerdings checke ich mein Headset bestimmt drei Mal und schaue, ob das Mikrofon richtig angebracht ist, et cetera. Warm-up-Übungen oder Ähnliches mache ich aber nicht.

Also haben Sie kein Problem mit Lampenfieber?

Nee, eigentlich bin ich da ziemlich locker. Beim Soundcheck und Aufbau bin ich allerdings schon ein wenig pingelig, schaue, ob die Gitarre richtig gestimmt ist und das Klavier gut steht, aber wenn das alles passt, bin ich entspannt. Es soll ja auch locker und improvisiert bleiben.

Was war Ihr persönliches Schlüsselerlebnis, das Sie dazu gebracht hat, sich beruflich der Musik zu widmen?

Oh, das war das Blockflötenkonzert in der ersten Klasse (lacht). Nein, das war eher traumatisch. Ich glaube, letztendlich war es der Musikleistungskurs, mit dem ich auch mein Abi gemacht habe. Darin haben wir ein Halbjahr lang ein Bühnenstück erarbeitet, ähnlich wie ein Musical. Das hat wirklich Spaß gemacht, besonders die kreative Arbeit und das Auf-der-Bühne-Stehen. Vorher hatte ich das nur spaßeshalber für mich selbst gemacht.

Aber trotzdem haben Sie nach dem Abi nicht gleich einen Job als Musiker gesucht, sondern haben angefangen, Lehramt zu studieren.

Das stimmt. Aber ich wollte unbedingt etwas mit Musik machen und habe deshalb Musik als Hauptfach gewählt. Während des Studiums sah ich dann irgendwann eine A-cappella-Band und dachte: „Das will ich auch machen!“ Die Band gab mir den Ratschlag, doch mal Musical auszuprobieren, weil man dort Singen, Tanzen und Schauspielerei lernt. Das sei eine super Ausbildung, egal was man hinterher macht. Das war dann wohl mein zweites Schlüsselerlebnis.

Nur weil man ein musikalisches Talent hat, heißt das nicht gleichzeitig, dass man auch ein toller Tänzer ist. Waren Sie einer?

Überhaupt nicht (lacht). Ich war der schlechteste Tänzer, den es je an der Universität für Künste gab. Aber sie haben mich bei der Aufnahmeprüfung trotzdem genommen. Da ich viel Sport mache, hatte ich wohl eine gewisse Körperlichkeit. Sie dachten dann, dass man Tanzen noch am ehesten lernen kann. Das stimmte, auch wenn es für mich eine harte Zeit war. Allein der Ballettunterricht war nicht ganz so mein Ding, aber von der Grundlage hat es mir viel gebracht. Ich würde immer noch nicht sagen, dass ich ein Tänzer bin, aber zumindest weiß ich inzwischen, links von rechts zu unterscheiden.

Musicaldarsteller, Schauspieler, Moderator, Comedian: Was macht für Sie den Reiz dieser unterschiedlichen Rollen aus, und was würden Sie wählen, wenn Sie sich eine aussuchen müssten?

Musical ist cool, weil du ein riesiges, professionelles Team hinter dir hast. Du brauchst dich um nichts zu kümmern, du gehst einfach ins Theater und erfüllst deine Rolle. Alles drum herum wird gemacht. Und es ist faszinierend, dass du einfach eine Rolle spielst und jemand anders sein kannst. Das Gleiche gilt fürs Schauspiel, besonders beim Film. Allerdings bin ich eher eine Rampensau und mag es live. Beim Film macht man hundert Takes, bis es sitzt und live muss es von vornherein laufen. Moderation mag ich, weil ich vieles verbinden kann: den Quatsch, Gesang und Moderation. Bei der Comedy sind es die eigenen Ideen, Stand-ups und Songs, die man zeigen kann. Das ist das Kreativste, was einen selber betrifft. Deshalb würde ich mich auch dafür entscheiden, wenn ich nur eines machen könnte. Eben weil es mein eigenes „Baby“ ist.

Was gab den Anstoß, ein eigenes Programm auf die Beine zu stellen, und wieso Comedy?

Im Musicalbereich gibt es bestimmte Typen, die man verkörpern kann, je nachdem wie man rüberkommt. Ich bin relativ groß, wodurch ich immer in eine bestimmte Ecke gestellt werde. Die ist zwar auch cool, aber dass ich nie den Lustigen spielen durfte, hat mich schon irgendwie gestört. Außerdem war es mir wichtig, was Eigenes zu machen und nicht das, was sich irgendein Regisseur oder Autor ausgedacht hat. Ich wollte meine Ideen, die Musik und das, was ich gelernt habe, kombinieren. Ich finde, das ist schon etwas Einmaliges.

Wann haben Sie angefangen, ein Programm zu erarbeiten?

Vor fünf Jahren circa. Ich habe mich etwas ausprobiert, zuerst vor Familie und Freunden. Dann habe ich die offenen Bühnen gestürmt, von denen es in Berlin einige gibt. Das Ganze ist dann gewachsen, bis ich die beiden Programme hatte, mit denen ich jetzt unterwegs bin.

Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Songs?

Das sind alltägliche Situationen: Beim Sockenzusammenlegen, am Frühstückstisch und so weiter. So ist auch der Song „Schorsch“ über den einzelnen Socken entstanden. Ich habe mich einfach gefragt, was er fühlt, wenn er seinen Lebenspartner verliert. Meine Ideen sammel ich in einem Notizblock oder ich tippe sie in mein Handy. Da drin stehen jede Menge gute und auch sehr viele, sehr schlechte Ideen.

Wie sehr sind Sie privat der Entertainer, als den man Sie auf der Bühne sieht?

Ich bin auf der Bühne keine Kunstfigur, sondern ich selber, aber natürlich ist man dort schon mehr Entertainer als im Privaten. Ich finde es immer etwas aufdringlich, wenn jemand von der Bühne runter ist, andauernd Gags erzählt und sich so versucht, in den Mittelpunkt zu stellen. Das bin ich nicht … aber ich haue schon hin und wieder eine Schote raus. Das Ganze aber eher zurückhaltend.

Was würden Ihre Freunde über Sie sagen, wie Sie sind oder was typisch für Sie ist?

Dass ich Quatsch und immer viele komische Ideen im Kopf habe, aber eigentlich ein ganz normaler Typ bin.

Wenn Sie einen Song über Ihr Leben schreiben müssten, wäre es eher ein Musicalsong oder einer für Ihr Comedy-Programm?

Ich glaube, es wäre ein Chanson, gemischt mit Comedy … (überlegt einen Moment) … Das zu beantworten ist echt schwierig, da es so viele verschiedene Dinge in meinem Leben gab. Von der Kindheit über die Pubertät (allein daraus könnte man zwei Musicals machen), dann die Studienzeit. Jetzt bin ich über 30, da ist alles noch mal anders. Wahrscheinlich wird es eine Musicaloper mit Comedy-Aspekten in vier Akten. Allerdings will die wahrscheinlich keiner sehen außer meine Mutter.

Das Interview führte Daniela Schilling.

Zur Person

Lars Redlich

ist Musicaldarsteller, Moderator, Schauspieler und Comedian. Mit dem Comedy-Programm „Lars But Not Least!“ steht er am 11. Oktober im Kito auf der Bühne.


Mein Bremen-Nord
Ihr Portal für Bremen-Nord

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für Bremen-Nord. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrem Stadtteil und Ihrer Gemeinde.

Mehr Maritimes
Uferzonen an der Weser gibt es viele in Bremen und Bremerhaven, aber nur eine Maritime Meile. In einer neuen Serie wollen wir aufzeigen, was die 1852 Meter lange Strecke in Vegesack ausmacht.
Kolumne "Im grünen Bereich"

Im Garten gibt es immer was zu tun. Unsere Redakteurin Patricia Brandt begleitet das Gartenjahr mit einem Augenzwinkern in ihrer Kolumne. Inzwischen ist die 100. WESER-KURIER-Gartenkolumnen erschienen. Sie schildert die Ängste und Sorgen des Hobbygärtners und nimmt Marotten auf die Schippe.

Fluchtpunkte: Serie über Flüchtlinge in Bremen-Nord
Verschiedene Perspektiven ergeben ein Gesamtbild: Die neue Serie Fluchtpunkte will die Situation der Geflüchteten in Bremen-Nord beleuchten - drei Jahre nachdem das Wort Flüchtlingskrise die Runde machte.
Das Leben eines Schwerkranken
Tobias Laatz ist Mitte 30 und will noch viel erleben. Ihm bleibt dafür jedoch weniger Zeit als anderen. Er ist unheilbar krank. Ärzte gehen davon aus, dass er nur noch Monate hat. In diesem Dossier erzählen wir ein Jahr lang seine Geschichte.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 16 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?