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„Frühstück auf dem Bauernhof“ in Berne
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„Ich werde unseren Hof präsentieren“

Barbara Wenke 12.06.2019 0 Kommentare

Heike Schmidt wird den Teilnehmern der Aktion "Frühstück sucht Gast" auf ihrem Hof im Berner Ortsteil Ranzenbüttel viele Milchprodukte aus Quark und Käse auftischen.
Heike Schmidt wird den Teilnehmern der Aktion "Frühstück sucht Gast" auf ihrem Hof im Berner Ortsteil Ranzenbüttel viele Milchprodukte aus Quark und Käse auftischen. (Christian Kosak)

Frau Schmidt, Sie beteiligen sich am Sonntag, 7. Juli, an der Aktion „Frühstück sucht Gast“. Dabei wollen sie das moderne Landleben vorstellen. In Kinderbüchern wird Bauernhofleben meist als Idylle dargestellt: Trecker fahren, Kühe melken und mit den Tieren kuscheln. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Heike Schmidt: Trecker fahren und mit den Kühen kuscheln. (lacht) Nein. Spaß beiseite. Man muss natürlich auch füttern und melken. Die Landwirtschaft ist ein extrem abwechslungsreicher Beruf. Etwas Besseres gibt es nicht. Man ist an der frischen Luft, hat mit Tieren zu tun und kann seine Kinder selbst betreuen. Wir sitzen mittags alle zusammen am Tisch und essen. Ich muss meine Kinder nicht bis um fünf zur Tagesmutter bringen, weil ich irgendwo im Büro hocke. Und wenn wir nachmittags Kühe auf eine andere Weide bringen, dann nehme ich die Kinder mit. (kurze Pause) Doch Idylle.

Wie lautet heute ihre korrekte Berufsbezeichnung? Bauer? Landwirt? Agrarökonom?

Bauer ist nicht mehr zeitgemäß. Da hängt ein Klischee dran. Wir bezeichnen uns als Landwirte. Agrarökonom würde ich mich vielleicht nennen, wenn ich 500 Hektar Land mit Weizen in Mecklenburg-Vorpommern hätte. Für unseren Milchviehbetrieb mit Weideland passt der Begriff ,agrar‘ für mich nicht.

Warum nehmen Sie an dem Projekt „Frühstück sucht Gast“ teil?

Um Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Ich finde das Projekt super. Man kommt mit Leuten zusammen, kann Fragen beantworten und diskutieren. Am Tag des offenen Hofes, den das Landvolk auch organisiert, kommt man nicht wirklich in einen Dialog. Da werden die Leute durchgeschleust. Bei ,Frühstück sucht Gast‘ kann man individuelle Fragen beantworten.

Wie wird das Frühstück ablaufen?

Das hängt vom Wetter ab. In unserem Carport haben wir Platz für 30 bis 40 Gäste. Wenn die Sonne scheint, kann noch ein Tisch nach draußen, falls jemand freitags anruft und sagt, er möchte noch dazukommen. Oder ich mache unter dem Dach ein Buffet und wir sitzen im Garten.

Und was wird am Sonntag bei Ihnen auf den Tisch kommen?

Natürlich das Klassische: Kaffee, Tee, Brötchen, Schwarzbrot. Dazu gibt es Käse, Aufschnitt und Quarkspeisen mit verschiedenen Früchten – und zur Begrüßung einen Buttermilchdrink. Das ganze Frühstück ist sehr auf Milchprodukte bezogen. Das liegt an unsrem Hof. Wir machen gentechnikfreie Weidemilch für die Molkerei Ammerland. Das wird sich auf dem Frühstücksbuffet wiederfinden.

„Frühstück sucht Gast“ ist eine Ausnahmesituation. Wie viele Ihrer Mahlzeiten stellen Sie im Alltag selbst her?

Ich mache alles selber. Ich arbeite mit tief gefrorenem Obst. Das kann man schnell auftauen – Mikrowelle, Pürierstab, unterrühren, fertig. Kochen ist heutzutage so einfach, weil man alles kaufen kann. Früher hat sich jeder selber versorgt. Unsere Omas standen alle noch im Garten. Heute haben die Menschen nichts mehr selbst, nicht mal Radieschen im Blumenkasten. Deshalb braucht es eine moderne Landwirtschaft.

Wie meinen Sie das?

Die meisten Leute leben in der Stadt, ohne etwas anzubauen. Ein Landwirt ernährt heute 145 Menschen. Frauen könnten nicht arbeiten gehen, wenn sie im Garten Bohnen und Erdbeeren pflanzen und ernten müssten, um die Familie durch den Winter zu bringen. Da braucht man eine ganz andere Schlagkraft in der Landwirtschaft als früher.

Welche weiteren Aktionen bieten Sie an, um die Landwirtschaft ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen?

Ich mache gerne etwas mit unserem Kindergarten. Die Jungen und Mädchen können hierherlaufen. Ich habe aber kein Kind mehr im Kindergarten, da ist die Aktion jetzt ein bisschen eingeschlafen. Ich finde so einen Wandertag super, denn Kinder können sonst nicht wissen, wie Landwirtschaft funktioniert, zum Beispiel was Kühe fressen. Deswegen sollten sich Lehrer und Erzieher die Höfe angucken. Die sind schließlich Multiplikatoren.

Was haben Ihnen Ihre Berufskollegen berichtet? Wo kommen die Teilnehmer für ,Frühstück sucht Gast‘ überwiegend her? Aus der Stadt oder hier vor Ort?

Es wäre wünschenswert, wenn Gäste auch aus den Städten kommen. Aus Bremen-Nord können sie zum Beispiel mit dem Fahrrad eben über die Weser kommen.

Wird am Sonntag, 7. Juli, Milch von den eigenen Kühen bei Ihnen auf den Tisch kommen?

Für unseren privaten Gebrauch kommt die Milch immer aus dem eigenen Stall. Für ,Frühstück sucht Gast‘ nehme ich allerdings die Ammerländer Weidemilch. Wenn jemand dabei ist, der nur mit H-Milch groß geworden ist, der kann die ganzen Bakterien, die in der unbehandelten Vollmilch vorhanden sind, nicht vertragen. H-Milch ist abgekocht und steril. Es wäre eigentlich ratsam für Verbraucher, zumindest sogenannte frische Milch zu trinken, die ja auch länger haltbar ist.

Bei Ihnen im Garten steht ein Gewächshaus, welche Lebensmittel bauen Sie selbst an?

Im Gewächshaus habe ich Tomaten und Gurken. Im Gemüsegarten wachsen außerdem Wurzeln, Erbsen und Bohnen. Mit den Kindern habe ich einen Naschgarten angepflanzt mit Himbeeren, Jostabeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren. Die Hälfte liegt allerdings brach, weil ich die viele Arbeit, die damit zusammenhängt, nicht schaffe. Und an der Hauswand gedeihen noch Weintrauben. Die sind megalecker.

Wie viele Kühe muss man halten, um heute noch von der Landwirtschaft leben zu können?

Das hängt davon ab, wie man wirtschaftet. Wir haben 230 Milchkühe und die weibliche Nachzucht. Damit ist unser Hof ausgelastet. Die Bullenkälber verkaufen wir.

Warum?

Die gehen in die Mast. Früher haben wir die behalten, aber die passen nicht mehr ins Betriebssystem. Wir hatten die Bullen auf der Weide, da ist die Akzeptanz in der Bevölkerung allerdings nicht so vorhanden.

Würde Sie Ihre Betriebsgröße noch zu bäuerlicher Landwirtschaft zählen.

Ja. Aber nicht mehr zu familiärer Landwirtschaft. Dafür ist die Familie zu klein. Wir sind ja nur eine Generation. Wir haben hier keine Oma oder Opa, die mal irgendetwas machen.

Das heißt, Sie arbeiten mit Angestellten?

Ja. Wir haben eine Frau, die melkt, und einen weiteren Mitarbeiter. Und wir haben drei Kinder, die mit ranmüssen. Gerade wenn die Handyzeit überschritten ist. (lacht)

Der Ruf nach bäuerlicher Landwirtschaft, weg von der Massentierhaltung, ist immer deutlicher zu vernehmen. Könnte Deutschland sich allein von Höfen Ihrer Größenordnung ernähren?

Wahrscheinlich nicht. Die Bevölkerung wächst. Wir brauchen die Produkte. Zu den Massenbetrieben ist aber zu sagen, dass die alle genehmigt sind. Die Leute machen nichts falsch. Wenn wir unsere Landwirtschaft runterfahren würden, dann kämen die Produkte aus dem Ausland. Und dort haben die Betriebe ganz andere Richtlinien. Ein Beispiel sind die Eier. Hier ist die Käfighaltung verboten. Jetzt kommen viele Eier halt aus dem Ausland. In den großen Hühner- oder Putenställen leben die Tiere sogar gesünder. Die Ställe sehen immer so abgeschottet aus. Das sind sie aber aus hygienischen Gründen, damit die Tiere vor Keimen von draußen geschützt werden. Bei uns hat der Verbraucher die Wahl. Er kann selber Hühner halten, Eier im Discounter kaufen oder im Bioladen.

Früher gab es auf einem Bauernhof viele verschiedene Tiere: Kühe, Schweine, Hühner. Heute sind alle spezialisiert.

Wir haben uns hier in der Wesermarsch auf Milchkühe spezialisiert. Ich könnte zum Thema ,Ferkel kastrieren‘ beispielsweise nichts sagen, weil wir keine Schweine haben. Bei ,Frühstück sucht Gast‘ werde ich deshalb nur unseren Hof präsentieren und unsere Art zu wirtschaften.

Das Gespräch führte Barbara Wenke.

Zur Person

Heike Schmidt (44)

ist Mutter dreier Töchter. Gemeinsam mit ihrem Mann Axel bewirtschaftet die gelernte milchwirtschaftliche Laborantin im Berner Ortsteil Ranzenbüttel einen Hof mit 230 Milchkühen.

Zur Sache

Anmeldung zum Aktionstag

Zur Veranstaltung „Frühstück sucht Gast“ laden Landfrauen und Landvolk in der Wesermarsch für Sonntag, 7. Juli, von 10 bis 13 Uhr auf acht Höfe zwischen Jadebusen und Weser ein. Im Kreissüden beteiligen sich die Familien Schmidt (Berne, 0 44 06 / 97 27 47), Schwarting (Berne, 01 52 - 03 79 76 67), Harms (Elsfleth, 0 44 85 / 338) und Hayen (Elsfleth, 0 44 85 / 42 08 60). Das Frühstück samt Hofführung kostet 15 Euro pro Personen. Kinder zwischen sieben und 14 Jahren zahlen einen Euro pro Lebensjahr. Kinder bis sechs Jahre speisen frei. Anmeldungen nehmen die Gastgeber jeweils bis zum 1. Juli entgegen. Weitere Informationen online unter www.fruehstueck-sucht-gast.info.


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