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Porträt: Fahrdienstleiter Klaus-Dieter Thuy
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Jeden Zug genau im Blick

Martin Prigge 16.04.2019 1 Kommentar

Klaus-Dieter Thuy ist Experte für den Streckenabschnitt zwischen Oslebshausen, Oldenbüttel und Vegesack.
Klaus-Dieter Thuy ist Experte für den Streckenabschnitt zwischen Oslebshausen, Oldenbüttel und Vegesack. (Christian Kosak)

Burg. 330 Züge am Tag, zwölf Bahnübergange, ein Stellwerk. Das sind einige der Zahlen, die das Aufgabenfeld von Klaus-Dieter Thuy umreißen. Seit 1973 arbeitete Thuy bei der Deutschen Bundesbahn beziehungsweise nach der Privatisierung als zugewiesener Beamter bei der Deutschen Bahn AG. Der 62-Jährige ist seit 1977 als Fahrdienstleiter im Stellwerk Bremen-Burg beschäftigt. Wenn ein Zug verspätet ist, dann kennt Thuy gewöhnlich sofort den Grund.

Zur Arbeit des Fahrdienstleiters gehört auf seiner Betriebsstelle die eigenverantwortliche Zulassung der Zugfahrten. Das bedeutet: Keine Zugfahrt darf ohne vorherige Zustimmung des Fahrdienstleiters über die Gleise gehen. Am Beispiel von Klaus-Dieter Thuy und seinen Kollegen im Stellwerk Burg gilt dies für den Betriebsbereich von Oslebshausen bis kurz vor Oldenbüttel in der einen und bis kurz vor dem Vegesacker Bahnhof in der anderen Richtung.

Wenn der Bahnbeamte von seinem Berufsbild berichtet, fällt mehrmals das Wort Verantwortung. Die übernimmt der Fahrdienstleiter für die Personenbeförderung, aber auch für den Gütertransport in seinem Streckenabschnitt. „Ein Güterzug mit Autos hat immerhin schnell einen Wert von zehn Millionen Euro“, sagt Thuy. Im Zuständigkeitsbereich liegen zwölf Bahnübergänge, von denen zwischen den Bahnhöfen Oslebshausen und Burg vier per Monitor überwacht werden.

„Wir müssen den Übergang als gesichert melden.“ Auf einem Monitor sieht Thuy die Zugnummern. Der Zug sendet ein Signal an die Bahnübergänge, die daraufhin geschlossen werden. Erst durch einen abschließenden Tastendruck des Fahrdienstleiters wird die Erlaubnis für den Zug erteilt. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Notbremsung kommen: „Bei Betriebsgefahr müssen alle Züge zwischen Ritterhude und Burg sofort anhalten“, erklärt Thuy.

Im September 1973 begann Klaus-Dieter Thuy seine zweijährige Ausbildung zum Bundesbahnbeamten in Burg. „Da wurde von Büro bis Service in alle Facetten der Bahn hineingeschnuppert. Das ist heute spezialisierter geworden, weil man genauer sagt, was man werden möchte“, weiß Thuy, der den abwechslungsreichen Beruf gerne analog zum in der Schweiz geläufigen Begriff des „Zuglotsen“ umbenennen würde.

Während der Ausbildung verkaufte er Fahrkarten am Schalter in Lesum. „Damals gab es noch Menschen, die Karten verkauft haben. Heute geht das ja fast alles automatisch“, erinnert er sich. Das Internet sei sehr nützlich, „doch mich wurmen die vielen Privatbahnanbieter. Für ein Wochenende im Harz reist man durch Umsteigen mit fünf verschiedenen Anbietern. Das verwirrt die Menschen.“

Nach seiner Ausbildung arbeitete Klaus-Dieter Thuy weiter am Bahnhof Burg, der bis 1982 noch drei Stellwerke mit Weichenwärtern und eine Befehlsstelle für den Fahrdienstleiter besaß. Heute gibt es ein Stellwerk mit insgesamt fünf festen Fahrdienstleitern und zwei Halbtagskräften, die neue Technik erfordert im Zuge der Modernisierung hingegen keine Weichenwärter mehr. Dauerhaft muss jedoch unverändert ein Fahrdienstleiter anwesend sein. Denn während die Personenzüge ihren nächtlichen Betrieb reduzieren oder ganz einstellen, rollt der Güterverkehr am Burger Knotenpunkt auch in der Nacht weiter. Und an Feiertagen. Thuy lobt übrigens die Arbeitsatmosphäre im Stellwerk: „Wir haben untereinander ein sehr familiäres Verhältnis.“

Während seiner langjährigen Berufstätigkeit hat Klaus-Dieter Thuy viel gesehen. Dabei waren auch unschöne Erlebnisse. Zu Beginn seiner Amtszeit, im November 1977, gab es einen besonders schwerwiegenden Zwischenfall. „Da war ich gerade vier Monate Fahrdienstleiter. Nach einer Signalstörung musste die Sicherung manuell ausgeführt werden. Dann wurde aber die Weiche zu früh umgestellt und zwei Nahverkehrszüge sind zusammengestoßen. Es gab Tote und Verletzte.“ Der zuständige Weichenwärter wurde verurteilt.

Dem jungen Fahrdienstleiter Klaus-Dieter Thuy wurde von seinem Chef hingegen bescheinigt, dass er bei dem Unglück sehr besonnen reagiert habe. „Ich habe da die Ruhe bewahrt, aber wenn man so etwas so früh erlebt, prägt einen das natürlich." Immer wieder gibt es gefährliche Situationen, schildert er aus seinem Berufsalltag. Ein kritischer Bahnübergang sei diesbezüglich zum Beispiel der am Steindamm in Burg-Grambke. „Da fahren oft Personen trotz roter Ampel noch an der Schranke vorbei. Wir sehen das dann auf dem Monitor.“

Als er Mitte der 1980er-Jahre für DIE NORDDEUTSCHE insgesamt 286 Folgen der Serie „Auf den Schienen in Bremen-Nord“ verfasste, entstand hieraus die Idee zu zwei Büchern. So erschienen von ihm „Die Geestebahn Bremen-Bremerhaven“ und „Auf Bremer Schienen“ zwischen 1987 und 1993. Die Bücher sind antiquarisch noch erhältlich.

Dennoch widmet Klaus-Dieter Thuy sein Leben nach eigener Aussage nicht nur der Eisenbahn. Viel Zeit hat er mit Fotografieren verbracht. So ganz ist der Fahrdienstleiter Thuy aber letztlich vom Privatmenschen Thuy nicht zu trennen: In seinem Wohnzimmer steht eine Modelleisenbahn.  


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?