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Naturschutz contra Kita
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Kita-Ausbau in Bremen-Nord stockt

Gabriela Keller 22.09.2019 0 Kommentare

Bremen-Nord braucht Kita-Plätze. Zwei Neubau-Projekte an der Landrat-Christians-Straße und an der Hakenwehrstraße in Blumenthal sind jetzt aber gescheitert.
Bremen-Nord braucht Kita-Plätze. Zwei Neubau-Projekte an der Landrat-Christians-Straße und an der Hakenwehrstraße in Blumenthal sind jetzt aber gescheitert. (Julian Stratenschulte)

Der geplante Kita-Ausbau in Bremen-Nord gerät weiter ins Stocken. Nachdem zwei Vorhaben in Vegesack an der Ludwig-Jahn-Straße und der Aumunder Feldstraße gestoppt wurden, sind jetzt zwei weitere Projekte in Blumenthal gescheitert. Auf einem Grundstück an der Landrat-Christians-Straße durchkreuzt der Naturschutz die Pläne eines Investors, für ein Vorhaben an der Hakenwehrstraße ist das Grundstück zu klein.

An der Landrat-Christians-Straße, auf einem Gelände zwischen dem Amtsgericht und der Straße Zur Westpier, wollte das Unternehmen Signa Funds aus Düsseldorf eine Kindertagesstätte bauen, die gemeinnützige Gesellschaft Kleine Riesen Nord aus Esslingen die Einrichtung betreiben. Sechs Gruppen waren geplant. Signa Funds hatte das Grundstück nach Angaben von Geschäftsführer Michael Liebe im Juni 2018 gekauft – 3378 Quadratmeter mit einem alten Haus und vielen Bäumen. Die Bäume sind das Problem. Für die Kita müsste abgeholzt werden.

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„Das Baufenster, das zur Verfügung steht, ist für eine Kita mit sechs Gruppen zu klein. Um die Baugrenzen überschreiten zu dürfen, bräuchten wir im Rahmen des Bebauungsplanes eine Befreiung“, erklärt Liebe. Mehr Platz für die Kita würde bedeuten: „Ein Großteil der Bäume müsste gefällt werden. Das macht die Naturschutzbehörde aber nicht mit. Wir haben einen Bauantrag gestellt. Der ist abgelehnt worden. Die Naturschutzbehörde stuft den Baumbestand als Wald ein“, sagt der Geschäftsführer von Signa Funds. „Wir dürfen die Bäume nicht fällen oder aber wir müssten eine Ausgleichsfläche erwerben. Das lohnt sich wirtschaftlich nicht.“

Maximillian Donaubauer bestätigt die Ablehnung des Bauantrages. „Das Grundstück ist sehr dicht bewachsen. Allen Beteiligten war es von Anfang an als konfliktträchtig dargestellt worden“, sagt der Leiter des Bauamtes Bremen-Nord. „Die Naturschutz- und Waldbehörde hat den wilden Aufwuchs als Wald eingestuft, der mit einer Ausgleichsfläche verbunden ist.“ Signa Funds zieht nun die Reißleine. „Unter den genannten Voraussetzungen werden wir das Projekt nicht weiter verfolgen. Wir werden das Grundstück verkaufen“, kündigt Michael Liebe an. Beim geplanten Trägerverein Kleine Riesen Nord bedauert man das Aus.

Die Behörde in Bremen habe den Verein Ende August informiert, „dass die Kita an der Landrat-Christians-Straße 59 nicht umgesetzt werden kann“, sagt Geschäftsführer Peter Wahler. „Das hat mich überrascht, weil alle Beteiligten das Projekt wollten und es vor der Bürgerschaftswahl mit Nachdruck in die politischen Gremien gebracht wurde.“ Rund 100 Plätze wären im Neubau entstanden. „Ich halte es für fragwürdig, eine Kita, die dringend gebraucht wird, nicht zu bauen, um dafür einige Bäume zu erhalten.“

Gescheitert ist ein weiteres Kita-Projekt an der Hakenwehrstraße. Hier plante der Verein Kindertagesstätten Nord als Träger mit einem Investor eine Betreuungseinrichtung. Tanja Latimer ist Geschäftsführerin des Vereins. „Unser Plan sah mindestens vier Gruppen vor, je zwei Elementar- und Krippengruppen“, sagt Latimer. „Im Laufe der Planung hat sich herausgestellt, dass das Grundstück zu klein ist.“ Der Investor habe versucht, von einem Nachbargrundstück einen Geländestreifen zu erwerben. „Wir waren guter Hoffnung, dass es klappt, suchten schon Personal für die Kita.“ Das Nachbargrundstück, auf dem zuvor eine Gärtnerei stand, sei dann aber komplett an einen anderen Investor verkauft worden.

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Tatsächlich baut auf dem ehemaligen Gärtnerei-Gelände an der Lüssumer Straße derzeit die Kathmann-Gruppe eine Kita für sechs Gruppen mit 90 Plätzen. Träger ist die gemeinnützige Gesellschaft Scola Nova aus Bremen. Der Verein Kindertagesstätten Nord hat seine Pläne für das Gelände an der Hakenwehrstraße inzwischen begraben. „Für uns ist die Sache erledigt.“ Zumal der Investor, mit dem der Verein das Projekt realisieren wollte, das Grundstück laut Latimer inzwischen verkauft hat. Voran geht es auf dem 2800 Quadratmeter großen Nachbargrundstück an der Lüssumer Straße. Am Donnerstag war Grundsteinlegung für die Kita „Bunte Weser“, wie die Einrichtung künftig heißt. Der geplante Neubau mit einer Nutzfläche von rund 1200 Quadratmetern wird eine Kita und ein Familienzentrum beherbergen. Der Kita-Betrieb soll im August 2020 starten.

Bereits eingerichtet ist die neue Kita Herrschaftliche Tannen in Lüssum. Für 3,5 Millionen Euro hat der Investor aus Albstadt auf dem 3974 Quadratmeter großen Grundstück ein ebenerdiges Gebäude errichtet. Die Awo Bremen als Träger betreibt hier künftig auf 1319 Quadratmetern Nutzfläche jeweils drei Krippen- und drei Elementargruppen. Ein großer Bewegungsraum und ein Kinderrestaurant mit eigener Küche ergänzen Gruppen- und Differenzierungsräume, außerdem zieht eine Dependance der Awo-Frühförderstelle ein. „Wir warten jetzt auf die Betriebserlaubnis und hoffen, im Oktober starten zu können“, sagt Grit Fleischer. Bei der Awo ist sie Fachberaterin für den Bereich Kinder. Voll durchstarten wird die Kita, die Eyfer Tunc leitet, noch nicht. „Wir fangen zunächst mit drei Gruppen an“, sagt Fleischer. Der Fachkräftemangel macht der Awo zu schaffen. „Wir suchen noch fünf Erzieher.“

Die Awo ist auch Träger einer neuen Kita, die in Burglesum entsteht. Auf einem 2332 Quadratmeter großen Grundstück an der Grambker Heerstraße baut ein Investor aus Bremen ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 1231 Quadratmetern für sechs Gruppen: zwei Krippen- und vier Elementargruppen, insgesamt 100 Plätze. „Wir haben die Zusage, dass wir die Kita zum 1. Dezember des Jahres übernehmen können“, sagt Fleischer. „Die Personalsuche läuft, die Stellen sind ausgeschrieben. Im ersten Quartal 2020 wollen wir starten.“

An der Dobbheide in Vegesack sollen laut Philip Nitzsche vom Investor Rhein Group Bremen Anfang Oktober die Rohbauarbeiten starten. Auf einem 6000-Quadratmeter-Grundstück entsteht ein Gebäude mit 2600 Quadratmetern Nutzfläche. 1000 entfallen auf eine Kita im Erdgeschoss, der große Rest auf ein Fitnesszentrum im Obergeschoss. Der Träger, die Fröbel-Gruppe, hatte zunächst mit vier Gruppen geplant. „Die Planung ist jetzt auf mehr Kinder ausgelegt worden“, sagt Nitzsche. Von der Fröbel-Gruppe  heißt es auf Nachfrage: „Dazu können wir noch nichts sagen. Wir befinden uns in einer relativ frühen Planungsphase.“

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Zynisch könnte man sagen, in vielen Schulen in BHV siehts ja nicht besser aus. Nein, man hat schon viel zu viel Geld in dieses "Wahrzeichen" ...
Bunker-F76 am 18.10.2019 19:04
Bedeutet dies auch, dass der Mann im Falle einer Verurteilung in ein Jugendgefängnis muss?