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Bücherbox in Lemwerder
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Kostenloser Büchertausch

Georg Jauken 07.06.2019 0 Kommentare

Büchereileiterin Petra Schmidt ist nicht die einzige, die die neue Bücherbox in den vergangenen Tagen gefüllt hat.
Büchereileiterin Petra Schmidt ist nicht die einzige, die die neue Bücherbox in den vergangenen Tagen gefüllt hat. (Christian Kosak)

Lemwerder. „Das Bessere ist der Feind des Guten". Das Philosophische Wörterbuch, in dem der Lebemann und Philosoph Voltaire (1694-1778) die obige Weisheit preisgibt, ist in der neuen Bücherbox vor der Bücherei Lemwerder derzeit (noch) nicht zu finden. Dort dominiert die Literatur neueren Datums. Und doch kam Bürgermeisterin Regina Neuke just dieser Satz des von Preußenkönig Friedrich II und den sogenannten kleinen Leuten gleichermaßen geschätzten Aufklärers in den Sinn, als es um die Umsetzung der Idee ging, eine von einer öffentlichen Bücherkiste ging.

Als sich die Telekom anschickte, die Telefonzelle auf dem Platz vor dem Rathaus aufzugeben, schien bereits ein passender Ort für die von Neukes Mitarbeiterin Martina Wien und Büchereileiterin Petra Schmidt angeregte Bücherkiste gefunden zu sein. Doch die Telekom AG bestand darauf, die Telefonzelle zunächst abzubauen und nach Berlin zu schaffen. Dort hätte die Gemeinde diese (oder eine andere) aufgearbeitete Telefonzelle erwerben und wieder zurück nach Lemwerder holen können.

Zu aufwendig, befand die Bürgermeisterin und wandte sich an die Ausbildungswerkstätten heimischer Betriebe. Vielleicht könnten sie eine Bücherkiste bauen? Doch die erhoffte Zusage ließ auf sich warten. Zwei Jahre später wandte sie sich schließlich an den Betriebshof der Gemeinde, wo Rainer Storch kurzerhand aus gebrauchten Materialien eine Bücherbox baute. Seine „Box“ funktioniert wie ein Warenautomat für Snacks und Schokoriegel, allerdings mit dem Unterschied, dass keine Münzen eingeworfen werden müssen, damit sich ein Fach öffnen lässt. In dieser Woche wurde die Bücherbox offiziell in Betrieb genommen.

Vor der Bücherei aufgestellt wurde sie schon ein paar Tage vorher. Die ersten Regenschauer hat die Kiste bereits schadlos überstanden. Seine Bewährungsprobe hat der Bücherautomat ebenfalls bereits hinter sich. Bevor Petra Schmidt die ersten Bücher hineinstellen konnte, waren ihr andere zuvorgekommen. Die ersten Bücher wurden auch bereits entnommen, die wenigen Kinderbücher waren ganz schnell wieder weg, berichtete Martina Wien. Dafür gab es am Donnerstag ein paar Filme auf DVD, jede Menge Krimis, Romane und Schmöker für verregnete Sonntagnachmittage und Urlaubsstrand oder auch die viel gelobte Autobiografie des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, die ein Jahr lang die Spiegel-Bestsellerliste anführte.

An verschiedenen Urlaubsorten hat auch Martina Wien die Bücherkisten zu schätzen gelernt. Den ausgelesenen Krimi gegen einen neuen Kriminalfall auszutauschen, um mit einem vielleicht noch gewiefteren oder verschrobeneren Kommissar auf eine neue Verbrecherjagd zu gehen und einen noch komplizierteren Fall zu lösen, das gefiel ihr.

Sachbücher waren bei der offiziellen Übergabe der Bücherbox übrigens noch Mangelware. Doch das könnte sich inzwischen allerdings schon geändert haben. Schließlich ist die wetterfeste Bücherbox rund um die Uhr geöffnet, so dass jederzeit Bücher und andere Medien hineingestellt oder herausgenommen werden können. In der Bücherei warten unterdessen ein paar Stapel gespendeter Bücher, die Petra Schmidt ebenfalls nach und nach in die Bücherbox stellen will, um für stets frischen Lesestoff zu sorgen.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
Wollen Sie im Ernst behaupten, dass Menschen, die sich für Kultur interessieren, keine normalen Leute sind ?