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Zwangsversteigerung am Amtsgericht
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Luxusvilla in Leuchtenburg kommt unter den Hammer

Gabriela Keller 15.05.2019 1 Kommentar

Diese Luxusvilla in Leuchtenburg wird zwangsversteigert. Der Ortsrat lehnte das Bauvorhaben seinerzeit ab, Naturschützer protestieren gegen Baumfällungen.
Diese Luxusvilla in Leuchtenburg wird zwangsversteigert. Der Ortsrat lehnte das Bauvorhaben seinerzeit ab, Naturschützer protestieren gegen Baumfällungen. (Christian Kosak)

Als „exklusives Villenanwesen mit Parkanlage“ wird die Leuchtenburger Villa im Makler-Exposé im Internet angepriesen: 7450 Quadratmeter Grundstück, 500 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf zwei Geschosse, neun Zimmer, vier Badezimmer, Schwimmhalle, Wellnessbereich mit Whirlpool, Sauna und Fitnessempore, Gästehaus, Grillhaus und Schwimmteich, eine Garage mit drei Stellplätzen und diverse andere Annehmlichkeiten. 1,5 Millionen Euro soll der Luxus an der Landesgrenze zwischen Leuchtenburg und Schönebeck kosten. Bislang hat sich kein Käufer gefunden. Jetzt kommt das Anwesen unter den Hammer.

Am Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck sollen Grundstück und Gebäude am Freitag, 17. Mai, zwangsversteigert werden. Bei dem Anwesen geht es nicht um irgendeine Immobilie. Eine Abholzaktion mehrerer Bäume auf dem Gelände nahe der Schönebecker Aue im Vorfeld der Bebauung hatte im Jahr 2002 für Schlagzeilen gesorgt. Die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz protestierte damals insbesondere gegen die Fällung einer alten Eiche auf dem Gelände. „Es war ein wunderschöner Baum, schätzungsweise 150 bis 200 Jahre alt“, erinnert sich Peter Krauß. Der damalige Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft schritt als zufälliger Zeuge der Fällaktion ein und schaltete die Gemeinde ein.

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Die Frage, die sich damals stellte: Stand die abgeholzte Eiche auf Bremer Gebiet? Dann hätte sie nicht gefällt werden dürfen, denn Bremen hatte schon eine Baumschutzsatzung und die Aue-Flächen sind dort als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Rechtmäßig wäre die Fällung gewesen, hätten der Baum auf niedersächsischer Seite gestanden. In Schwanewede gab es noch keine Baumschutzsatzung, im Bebauungsplan Leuchtenburg-Mitte waren weder die besagte Eiche noch die übrigen gefällten Bäume als schützenswert markiert. „Der Bebauungsplan war zu einer Zeit aufgestellt worden, als es noch nicht üblich war, Bäume zum Erhalt im Plan festzusetzen“, sagt der Leuchtenburger Ortsbürgermeister Karl-Gerd Brand rückblickend.

Streit um eine alte Eiche

Nach einer Ortsbesichtigung kam die Gemeinde damals zu dem Schluss, die Eiche habe wohl in niedersächsischer Erde gestanden. Ein Zweifel aber blieb. „Das ist bis heute nicht 100-prozentig geklärt“, so Peter Krauß. Die Leuchtenburger Fällaktion heizte die Debatte um eine Baumschutzsatzung für Schwanewede an. Es sollte indes noch sieben Jahre dauern, bis der Gemeinderat im November 2008 die Satzung beschloss.

„Die hatten dort ziemlich Tabula rasa gemacht“, sagt der Leuchtenburger Ortsbürgermeister über die damalige Rodung auf dem Grundstück, das jetzt mitsamt der 2003 erbauten Luxusvilla zum Verkauf steht. Ein Teil des auf dem Grundstück vorhandenen Waldes sei seinerzeit abgeholzt worden. „Uns als Ortsrat hat das schon gestört, was da gemacht wurde. Das waren schließlich große Bäume, um die 100 Jahre alt. Wir lehnten auch die geplante Bebauung ab. Nach unserer Auffassung passte das Haus vom Volumen und von der Optik dort nicht hin“, blickt Brand zurück.

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Mit Optik meint der Ortsbürgermeister das Tonnendach, das der Villa in der Ortschaft den Spitznamen „Leuchtenburger Bahnhof“ eingebracht hat, weil es an das Dach des Bremer Bahnhofes erinnert. Der Verwaltungsausschuss der Gemeinde genehmigte laut Brand am Ende das Bauvorhaben. Dass der Luxusbau, den der Ortsrat an der Stelle nicht haben wollte, jetzt zwangsversteigert wird, kommentiert der Ortsbürgermeister so: „Manches wird von der Zeit wieder kassiert.“ Das Haus, in dem Radio Bremen 2007 einen „Tatort“ drehte, soll schon seit Jahren zum Verkauf stehen, der Kaufpreis auch schon mal höher angesetzt gewesen sein, sagt Brand.

Bereits zwei Versteigerungstermine

In der amtlichen Bekanntmachung für die Zwangsversteigerung am 17. Mai um 10 Uhr im Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck heißt es: „Der Versteigerungsvermerk ist eingetragen am 3. Juli 2014.“ An diesem Tag, so erläutert die zuständige Rechtspflegerin Jacqueline Siewert auf Nachfrage, sei der Vermerk über die Anordnung des Versteigerungsverfahrens im Grundbuch des beschlagnahmten Grundstücks eingetragen worden. Für die Immobilie gab es nach ihren Angaben bereits zwei frühere Versteigerungstermine: am 27. Juli 2016 und am 16. Januar 2019. „Im ersten Termin gab es ein Gebot. Hierauf konnte der Zuschlag nicht erteilt werden, weil die das Verfahren betreibende Bank die Einstellung des Verfahrens beantragt hatte.“ Zu den Gründen dürfe sie keine Auskunft geben, auch nicht über die Höhe von Geboten vergangener abgeschlossener Termine. „Im Versteigerungstermin am 16. Januar 2019 wurden keine Gebote abgegeben“, so die Rechtspflegerin.

Unter der Adresse der Villa an der Leuchtenburger Straße 50 wurde vor Jahren ein Ausbildungszentrum für Faserverbundtechnik geführt, wie dem Wirtschaftsinformationsportal „North Data“ zu entnehmen ist, das Handelsregisterbekanntmachungen und andere Pflichtveröffentlichungen deutscher Firmen auswertet. Das Unternehmen ging pleite, wurde 2011 aus dem Handelsregister gelöscht. Die Leuchtenburger Adresse taucht im Internet zudem in Zusammenhang mit einer Unternehmensberatungsgesellschaft auf.

Die Zwangsversteigerung im Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck beginnt am 17. Mai um 10 Uhr. Als Verkehrswert für Grundstück und Gebäude hat das Vollstreckungsgericht 1,5 Millionen Euro festgesetzt. Als Grundlage diente ein Gutachten, das ein Sachverständiger im Auftrag des Gerichts erstellt hat. Bei seinen Angaben zu Grundstück und Villa musste sich der Gutachter auf Bauakte und Makler-Exposé verlassen. „Die Gebäude konnten nicht näher und nicht von innen besichtigt werden“, heißt es in der amtlichen Bekanntmachung. Dort wird auch ausgeführt, wie sich die rund 7450 Quadratmeter Grundbesitz verteilen. Das Grundstück an der Leuchtenburger Straßen 50 mit Villa samt Schwimmbad- und Wellnessanbau, Garagengebäude und Gästehaus mit Garage umfasst demnach 5561 Quadratmeter, dazu kommen eine Landwirtschaftsfläche mit 218 Quadratmetern und ein Laubwald mit 1672 Quadratmetern.

Allein, um am 17. Mai mitbieten zu können, müssen Interessenten finanzkräftig sein. Zehn Prozent des Verkehrswertes, 150 000 Euro, sind als Sicherheit zu hinterlegen.


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