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Tango auf dem Schulschiff
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Milonga-Rhythmen an Deck

Doris Friedrichs 10.07.2019 0 Kommentare

Auch Gaby Ellert und Harald Duin tanzen wie zahlreiche weitere Paare mit Begeisterung an Deck des Dreimasters.
Auch Gaby Ellert und Harald Duin tanzen wie zahlreiche weitere Paare mit Begeisterung an Deck des Dreimasters. (Bernd Kramer)

Vegesack. Wer Tango tanzen möchte, denkt wohl nicht als Erstes an ein altes Segelschiff als Veranstaltungsort. Dass beides bestens zusammenpassen kann, bewiesen jetzt einmal mehr Menschen aus ganz Bremen und Umgebung an Bord des Großseglers „Schulschiff Deutschland“. Tango-Lehrer Michael Hänel hatte bereits zum fünften Mal zu einer Open-Air-Milonga an Deck des alten Dreimasters an der Lesum-Mündung eingeladen – und zahlreiche Tänzer, Anfänger, Fortgeschrittene und auch reine Zuschauer folgten der Einladung zu dem Tanzvergnügen.

Alla und Alfred Kleine, die sich seit zehn Jahren lateinamerikanischen Tänzen widmen, aber erst seit Dezember vergangenen Jahres dem Tango, besuchten erstmals die Milonga von Michael Hänel auf dem alten Rahsegler. „Uns inspiriert der Tanz“, erzählte Alla Kleine. „Bei anderen Tänzen muss man tanzen, was vorgegeben ist. Beim Tango gibt es keine festgelegte Schrittreihenfolge und keinen vorgegebenen Rhythmus. Dafür muss man mit dem Partner sehr harmonieren.“

Vorab hätten sie nur einen Tango-Kurs der Volkshochschule mitgemacht, fügte Alfred Kleine hinzu. Dabei trafen sie Michael Hänel, der sie motiviert habe, bei der Veranstaltung dabei zu sein. Außerdem, so die beiden Aumunder, haben sie sich vor 13 Jahren am „Schulschiff Deutschland“ kennengelernt. Da passe es umso mehr, dort mal zu tanzen. Zu guter Letzt lohnte noch ein Blick auf die feinen schwarzen Schuhe von Alla Kleine, Tanzschuhe und die teuersten in ihrem Schrank, wie sie gestand.

Alla und Alfred Kleine gehörten zu den ersten Gästen auf dem Segelschiff an diesem Abend. Schon vor dem offiziellen Start der Veranstaltung um 17 Uhr und noch mit Musik „vom Band“ wiegten sich die ersten Tänzer zu Tango-Rhythmen.

Nach und nach trudelten die Besucher ein, Tango-Begeisterte allen Alters, manche in Wohlfühlkleidung und Sneakers, vielleicht auch ein wenig der kühlen Witterung an diesem Tag geschuldet, viele der Damen aber dennoch in feiner Garderobe, schönen Kleidern, rot oder schwarz die vorherrschenden Farben, und die Tanzschuhe nicht zu vergessen. Und nach und nach wurde es enger an Deck des Schulschiffs, das sich langsam aber stetig mit tanzenden Paaren füllte. Manch ein zahlender Gast war auch nur zum Zuschauen vor Ort, wagte vielleicht ein paar Schritte und zog dann aber doch Sekt oder ein anderes Getränk an Bord vor, vielleicht an einem der Stehtische mit Blick auf die hingebungsvoll tanzenden Paare. Dem Laien mochten sich die getanzten Elemente nicht erschließen, die Bewegungen insbesondere der Füße eher verwirren.

„Man lernt und tanzt Grundelemente, die man während des Tanzens selbst choreografiert“, erläuterte Michael Hänel. „Man verbindet Schrittelemente zu Figuren. Das Führungsprozedere erfolgt über den Körper. In der Regel führt der Mann, aber es gibt auch Frauen, die Männer führen. Man muss sich emotional auf den Tango und den Partner einlassen können. Es reicht nicht, Figuren zu lernen und umzusetzen“, erklärte der 72-Jährige, der eigentlich Lehrer, Dozent und Sozialpädagoge ist. Über seine Lebensgefährtin kam er zum Tango. Da war er schon Mitte 50.

Von 2011 bis 2016 leitete er sein eigenes Studio auf dem Gelände des Güterbahnhofs in Bremen. Ein Jahr länger, bis 2017, organisierte er regelmäßig Tanzveranstaltungen an Bord eines umgebauten Holzfrachters nahe dem Hohentorshafen, der „De Liefde“, einem Veranstaltungsschiff, dessen Betrieb inzwischen eingestellt wurde. Tango-Cafés unter seiner Regie finden auch im „Fallstaff“, der Theaterkneipe der Bremer Shakespeare Company, statt.

In Bremen-Nord veranstaltete Hänel zwei Jahre lang Tango-Cafés im ehemaligen Café Erlesenes, die, wie er sagt, „sehr gut angenommen“ wurden. Bei einem Spaziergang entlang der Weser besuchte er auch das Schulschiff Deutschland und nahm anschließend Kontakt zum Schulschiff-Verein auf. Die Verantwortlichen hätten sofort positiv auf seine Idee einer Milonga an Deck des Rahseglers reagiert, so Hänel.

Die Tango-Begeisterten jedenfalls nahmen die ungewöhnliche Location auch dieses Mal gut an, wie Bärbel und Holger Schoon. Sie hoben unter anderem die Atmosphäre, die Musik und den besonderen Veranstaltungsort positiv hervor. „Wir tanzen seit zehn Jahren Tango. Die Elemente haben wir in Kursen und Workshops gelernt“, erzählten die beiden Oldenburger, die erstmals nach Vegesack gekommen waren und vom Schulschiff als „tolle Location“ schwärmten. Beide waren sich einig, dass sie am liebsten Tango Vals tanzen, aber das variiere auch. „Der Führende gibt mit seinem Körper vor, wo es hingehen soll“, erläuterte Holger Schoon. Und warum führt er immer? „Weil ich nicht will“, lautete die prompte Antwort seiner Tanzpartnerin.

Julia Smolyar besuchte die Milonga ohne Partner. „Ich habe schon alles andere getanzt, aber erst ein einziges Mal Tango“, so die Vegesackerin. „Ich bin letzte Woche hier am Schulschiff vorbeigelaufen und habe das Plakat mit der Ankündigung gesehen und gedacht, da muss ich hin. Das ist faszinierend, die Paare tanzen zu sehen.“ Sie habe keine Berührungsängste mit dem Tango, sagte sie, und dass sie sich überraschen lassen wolle. Ein wenig langweilig sei es, alleine am Geländer zu stehen. Lange alleine blieb sie allerdings nicht.

Inzwischen hatten auch längst die Musiker vor Ort ihre Arbeit aufgenommen: Herbert Martens (Bandoneon, Ukulele, Posaune, Bajan), Heike Steffens (Bratsche, Piano), Claudia Lanzrath (Violine, Bratsche) und Daniel Grieser (Violine). Tango Classico machte den Auftakt, gefolgt von Tango Vals, Milonga, Tango Nuevo und finnischer Tango-Musik. Die Finnen wähnten sich als große Tango-Nation, erzählte Michael Hänel.

„Tango wird aber in vielen Ländern der Erde gespielt und getanzt, beispielsweise auch in Russland, dort gibt es eine große Tango-Tradition, oder in Griechenland und der Türkei. Es gibt sogar Non-Tango-Musik, nach denen Tangos getanzt werden, das kann beispielsweise Musik von den ,Toten Hosen' sein.“ Die Musik, die an diesem Abend live zu hören war, kam mal fröhlich und mal traurig daher, mal heiter und mal herzergreifend, mal flott, mal schmeichelnd – in jedem Fall aber lud sie zum Tanzen ein.


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Leserkommentare
reswer am 22.10.2019 09:01
Die wollen lieber ihre subventionierten Biogasanlagen behalten........Ihre Felder mit Nitrat verseuchen...zum Nachteil aller Menschen.......und ...
gorgon1 am 22.10.2019 08:55
@ManUD7... Schuld, ok, dass ist in erster Linie der Konsument ...

Moin, weshalb das denn? Würde nicht so rumgeaast in der Landwirtschaft ...