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Thulasi Tharumalingam
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Schwaneweder Boxtalent bei den Profis

Alexander Bösch 18.11.2017 0 Kommentare

Thulasi Tharumalingam, Boxer, Schwanewede
Ein Deutsch-Tamili in Brasilien für Katar: Da trat der Schwaneweder Thulasi Tharumalingam 2016 bei den Olympischen Spielen an. (Thulasi Tharumalingam)

Herr Tharumalingam, Sie bestreiten den zweiten Profikampf. Sind Sie aufgeregt?

Thulasi Tharumalingam: Bei meinen ersten Kämpfen war ich sicherlich noch aufgeregt. Nach über 100 Kämpfen in der Amateurliga gewinnt man eine gewisse Gelassenheit, da kann nichts ganz Unerwartetes mehr kommen. Ich habe ja beispielsweise auch schon gegen den Olympiasieger aus Usbekistan gekämpft. Die Manager schauen auch, dass man nicht sofort gegen einen zu starken Gegner antritt.

Wie kam es dazu, dass der Berliner Boxstall Wiking Team auf Sie aufmerksam wurde?

Ein Freund von mir hatte dort trainiert und mich mit dem Manager Winfried Spiering bekannt gemacht. Er hatte schon von mir gehört, da ich ja schon einige Kämpfe in der Bundesliga gewonnen habe.

Wie ging es dann weiter?

Zuerst wurde ich im Juli zu einem Schaukampf in der Barclay Card Arena in Hamburg eingeladen. Da kämpften Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft gegen eine Auswahlmannschaft, Profis traten gegen Amateure an, ohne große Werbung. Ich habe gegen einen Hamburger Amateur gekämpft. Das hat mir gefallen und wir sind in Kontakt geblieben.

Am 30. September siegten sie bei ihrem ersten Profikampf in Berlin.

Ja, ich bin gegen den rumänischen Kickboxer Nicolas Dragos angetreten, der sogar schon mal Weltmeister war. Ich konnte ihn in der vierten Runde durch einen technischen KO besiegen.

Wie werden Sie sich nach dem Kampf in Schwerin entscheiden? Werden Sie dann endgültig Mitglied des Berliner Wiking Teams?

Wir haben ausgemacht, dass wir erst einmal abwarten, wie dieser zweite Profikampf ausgeht.  Man wollte mich von Anfang an verpflichten, aber ich wollte abwarten.

Waren Sie immer schon ein sportliches Kind?

Meine Mutter erinnert sich, dass ich nie so recht still sitzen konnte. Ich habe alle möglichen Sportarten ausprobiert, um meine überschüssige Energie loszuwerden – Handball, Schwimmen, Geräteturnen. Irgendwann nahm mich mein Bruder Kuri zu Marion Kramber, der damaligen Judotrainerin des TV Schwanewede, mit. Vor elf Jahren machte dann die Boxsparte des TV Schwanewede auf. Boxen gefiel mir noch besser.

Ihr duales Studium der Fitnessökonomie und der Boxsport: Ist das eine ideale Kombination?

Das ergänzt sich in der Tat. Ich habe gerade meine B-Lizenz als Ernährungsberater gemacht, das kann man gut kombinieren. Das Studium setzte ich jetzt in Bremen fort, etwa zwei Jahre wird das noch in Anspruch nehmen. Nebenbei arbeite ich in Bremen als Fitnesstrainer.

Bei den Olympischen Spielen in Brasilien traten sie 2016 im Superweltergewicht an – für Katar. Wie kam es dazu?

Ich hatte bereits 2015 in Katar bei der Amateur-Boxweltmeisterschaft in Doha in Katar mitgewirkt. Da wurde man auf mich und Halan Erseker aufmerksam. Als das Angebot kam, dann für Katar ein Jahr später bei Olympia in Brasilien anzutreten, lehnten wir erst ab. Wir sollten die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen.

Der außergewöhnliche Deal kam dann aber doch zustande.

Es gab eine Erneuerung des Angebots, nach der wir die deutsche Staatsangehörigkeit behalten durften und eine katarische Zweitbürgerschaft annehmen mussten. Nach Rücksprache mit unseren Familien haben wir dieses Angebot angenommen.

Sie machen einen sehr ruhigen und ausgeglichenen Eindruck. Meinen Sie, dass man als Kampfsportler eine Verantwortung trägt, mit seiner Kraft besonnen umzugehen?

Klar trägt man eine Verantwortung, man weiß ja, was man kann. Bei mir kam es zum Glück erst einmal vor, dass ich zwecks Gegenwehr auf meine sportlichen Talente zurückgreifen musste. So etwas vermeidet man nach Möglichkeit. Ich denke aber, gerade verhaltensauffälligen Kindern oder Jugendlichen hilft der Sport, die Kraft und Energie zu bündeln und herauszulassen.

Sind Sie durch das Boxen selbstbewusster geworden?

Da ich damit eigentlich nie Probleme hatte und früh mit Kampfsport anfing, gibt es keinen großen Unterschied. Das aggressive Posing und Provozieren, mit dem im Boxsport manchmal die Werbetrommel gerührt wird, ist nicht so mein Ding. Das ist ja auch größtenteils Show und gehört dazu.

Ihre Mutter Nalinie kam 1983 nach Schwanewede, nachdem sie durch den damaligen Bürgerkrieg in Sri Lanka ihre tamilische Heimat verlor. Sie heiratete 1986 ihren Mann Annalingam. Verbindet Sie noch etwas mit Ihren tamilischen Wurzeln?

Ich bin ja in Schwanewede geboren und aufgewachsen, da fühlt man sich in erster Linie als Deutscher. Meine Schwester und ich haben aber parallel zur deutschen eine tamilische Schule besucht. Den Unterricht haben meine Mutter und meine Tante erteilt. Das fand in der Begegnungsstätte und der katholischen Kirche statt oder auch mal im privaten Rahmen. Dadurch habe ich schon ein gewisses Traditionsbewusstsein.

Sie sind gerade wieder nach Schwanewede gezogen, beziehen demnächst eine neue Wohnung. Wie läuft es weiter, falls Sie sich für einen Vertrag in Berlin entscheiden?

Ich würde dann wohl jeweils für die Vorbereitung der Kämpfe für zwei bis drei Wochen nach Berlin gehen, aber in Schwanewede wohnen bleiben und mein Studium beenden. Allein schon, weil ich so vernarrt bin in meine kleine Nichte Iniya.

Zum heutigen Kampf: Haben Sie in Schwerin ausreichend Unterstützung dabei?

Mein Bruder und 25 Freunde fahren zur Unterstützung mit. Der Kampf beginnt um 19 Uhr. Ich stelle ihn auf meinem Facebookprofil live online, da können Fans aus Schwanewede und umzu also gern mitfiebern.

Das Interview führte Alexander Bösch.


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Leserkommentare
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