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Unermüdlich im Kampf gegen Leukämie

Alexander Bösch 03.09.2018 0 Kommentare

Das Typisierungsteam plant vermehrt Aktionen in Bremen-Nord: Thilo und Katja Hößelbarth (von links), Gerd und Jutta Holzhauer.
Das Typisierungsteam plant vermehrt Aktionen in Bremen-Nord: Thilo und Katja Hößelbarth (von links), Gerd und Jutta Holzhauer. (Christian Kosak)

Ritterhude/Farge. „Links und rechts das Wattestäbchen an die Backen drücken – als ob man sich die Wangen sauber macht. Sie können auch mal zwischen die Schneidezähne und unter das Zahnfleisch gehen.“ Geduldig erklärt Gerd Holzhauer einer Dame auf dem Kinderfest des Vereins für Turn und Tanz in Farge-Rekum (VTT), was sie für die Typisierung als potenzielle Stammzellspenderin machen muss.

Die Besucherin reibt sich mit dem etwa zehn Zentimeter langen Wattestäbchen in den Innenflächen der Wange. „Wichtig ist, dass viel DNA rankommt, die ist in der Wangenschleimhaut“, weiß Holzhauer. Jeder zehnte an Leukämie erkrankte Mensch in Deutschland findet derzeit keinen Spender. Seit 25 Jahren engagieren sich Gerd Holzhauer und seine Frau Jutta in der Ortsgruppe Ritterhude-Bremen für die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) dafür, dass an Blutkrebs beziehungsweise Leukämie Erkrankten eine neue Lebenschance geschenkt wird.

Drei lange Wattestäbchen kommen bei der Typisierung zum Einsatz. „Das wird seit einem Jahr so gemacht, damit man mehr Auswahlmöglichkeit hat. Früher wurde noch Blut abgenommen zur Typisierung, das musste dann in einem geschlossenen Raum passieren“, weiß Katja Hösselbarth. Auch sie gehört seit Jahren zum Team. Ihr 15-jähriger Sohn Thilo kann mittlerweile selbstständig Typisierungen durchführen. „Ich war schon an den Ständen dabei, als ich fünf war. Seitdem ich acht Jahre alt bin, helfe ich mit“, erzählt Thilo Hößelbarth. Jetzt will das Team verstärkt in Bremen-Nord Typisierungen vornehmen.

„Wir wählen meist kleinere Aktionen aus. Wenn jemand konkret erkrankt ist und auch über die Presse nach einem Spender gesucht wird, kommen schon mal bis zu 2000 Personen“, weiß Gerd Holzhauer. Er erinnert an die Aktion für den kleinen Emil aus Lunestedt, für den 2016 tatsächlich ein Stammzellspender gefunden wurde. „Wir kommen immer, wenn wir angefordert werden“, erklärt Holzhauer. Kürzlich bei den Stadtwerken habe es die Möglichkeit einer Typisierung nicht gegeben: „Wir hatten nur einen Infostand, es kam kaum einer“. Dafür typisiert die Gruppe regelmäßig während der Adventssonnabende im Möbelhaus Meyerhoff in Osterholz-Scharmbeck. Bei einem jährlich organisierten Fußballturnier spende ein Sponsor 20 Euro für jedes Tor: „Da kommen schon mal 5000 Euro zusammen.“

Auch auf dem dritten Nordbremer Kinderfest des Vereins für Turn und Tanz (VTT) Farge-Rekum gibt es an diesem Tag viele junge Gäste. In der Sporthalle toben Kinder auf einem Spielparcours. Eine Gruppe, die es zum Norddeutschen Meister im Hip-Hop brachte, zeigt ihr Können. Kinder springen auf dem Trampolin, die Rhythmische Sportgymnastik Blumenthal gibt eine Gastvorführung. Neben der Halle hat die Freiwillige Feuerwehr Farge einen Parcours aufgebaut. „Hier sind viele Kinder mit ihren Eltern, da hätte ich mir eigentlich ein bisschen mehr Beteiligung gewünscht“, bekennt Jutta Holzhauer. Bis zum Alter von 55 Jahren können sich Erstspender typisieren lassen. Bis 60 bleibt man in der Kartei: „Bis dahin sind die Menschen gesundheitlich stabil.“ Wenn sich junge Menschen erstmals registrieren lassen, ist die Verweildauer in der Kartei entsprechend länger. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, dass die Registrierten irgendwann mal einem Bedürftigen helfen können. Den Aufwand von 35 Euro pro Typisierung müssen die Teilnehmer nicht selbst bezahlen. „Wer will, kann den Betrag natürlich spenden“, sagt Jutta Holzhauer.

An diesem Tag machen beim Sportfest in Farge doch einige Besucher mit. „Ich wollte das schon immer machen, es könnte ja auch mal die eigenen Kinder betreffen“, sagt eine Fargerin, die zwei Kinder hat. Sabine Kiecol nimmt die Gelegenheit ebenfalls wahr, sich typisieren zu lassen. „Man sollte dabei immer an das eigene Kind denken. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich mal registrieren zu lassen“, sagt die Neuenkirchenerin. Mit Solveig Kirschke vom VTT Farge-Rekum kann das Team dann sogar die insgesamt 11 111. Person feiern, die sich in den 25 Jahren des Bestehens der DKMS-Gruppe hat typisieren lassen. Zum Dank gibt es einen kleinen Preis. „Wenn ich jetzt noch jemandem helfen kann, hab ich tatsächlich das große Los gezogen“, sagt die Jubilarin mit Blick auf ihre Funktion als „Losfee“ während des Sportfestes.

Im Alter von 17 bis 55 Jahren sind die registrierten Personen an diesem Tag in Farge. Die jeweils drei verwendeten Wattestäbchen werden etwa zwei Minuten lang getrocknet und in ein mit einem Barcode versehenes Kuvert gesteckt. Innerhalb des beigefügten Fragebogens muss auch die Frage beantwortet werden, ob beide Eltern deutschstämmig sind. Im Falle einer Stammzellspende könne mit Blick auf das genetische Erbmaterial eher einem aus dem jeweils entfernteren Land stammenden Empfänger geholfen werden. Wer nicht zu einer Typisierung vor Ort erscheinen kann, kann ein entsprechendes Set im Internet bestellen. „Aber das lassen die Leute dann oft liegen“, weiß Gerd Holzhauer aus Erfahrung.

Für einen potenziellen Empfänger werden nach dem Abgleich in der internationalen Datenbank in der Regel vier Personen mit dem jeweils ähnlichsten Genmaterial ausgewählt. „Von diesen vieren wird dann noch mal Blut abgenommen und noch feiner typisiert. Um die 2000 Kriterien müssen übereinstimmen“, sagt Gerd Holzhauer.

Innerhalb der Ritterhuder DKMS-Gruppe habe es bereits Mitglieder gegeben, deren Genmaterial Übereinstimmungen mit Empfängern in Amerika uns Italien aufgewiesen habe. Dabei ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zweier Menschen generell äußerst selten.

100 Menschen erkranken am Tag an Blutkrebs, 32 weltweit sind es jede Sekunde. „Viele glauben immer noch, dass bei der Stammzellentnahme am Rücken gebohrt wird. Heutzutage werden über 85 Prozent  aller Stammzellentnahmen aber peripher vorgenommen, die Stammzellen werden aus dem Blut gefiltert. Das ist quasi wie eine verlängerte Blutspende“, erläutert Jutta Holzhauer.

Um die Spendenbereitschaft der Leute zu stimulieren, hat Gerd Holzhauer auch dieses Mal einige wertvolle Fußballdevotionalien dabei. Sein absolutes Schmuckstück ist eine Nachbildung des WM-Balls von 1954 mit den Originalunterschriften diverser Deutscher Weltmeister von Lothar Mätthäus bis Paul Breitner. „Ich habe Thomas Helmer einmal bei einer Gala kennengelernt. Der hat den Ball mitgenommen und bei der Fußballprominenz herumgereicht“, erzählt Gerd Holzhauer. Horst Eckel, den letzten noch lebenden Weltmeister von 1954, habe er selbst einmal zufällig getroffen, als er seinen Ball gerade dabei hatte. Zwei Werder-Bälle mit Signaturen der Mannschaften von 1984 und 2005 sollen ebenfalls für den guten Zweck verkauft beziehungsweise versteigert werden.

Weitere Informationen

Informationen gibt es unter www.dkms.de. Das DKMS Team Bremen-Ritterhude ist auch auf Facebook vertreten.


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IhrenNamen am 22.10.2019 12:56
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