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Marcus Mosely von The Sojourners
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„Unsere Botschaft ist Hoffnung“

Christian Pfeiff 04.12.2018 0 Kommentare

Will Sanders, Khari McClelland und Marcus Mosely von den Sojourners kommen zu zwei Konzerten an diesem Mittwoch und Donnerstag ins Kito. Sie werben mit ihrer Musik auch für mehr Menschlichkeit.
Will Sanders, Khari McClelland und Marcus Mosely von den Sojourners kommen zu zwei Konzerten an diesem Mittwoch und Donnerstag ins Kito. Sie werben mit ihrer Musik auch für mehr Menschlichkeit. (Adam PW Smith)

Mister Mosely, Sie singen fast Ihr ganzes Leben lang Gospel, verleihen diesem gemeinsam mit den „Sojourners“ jedoch einen moderne Prägung durch Rock'n'Roll- und Crossover-Elemente.

Marcus Mosely: Unsere Musik basiert zwar auf afroamerikanischem Gospel, ist jedoch nicht darauf limitiert. Wir borgen uns musikalische Elemente aus Genres wie Country, Bluegrass, Jazz, Pop und R'n'B. Alle Mitglieder verfügen über breit gefächerte stilistische Erfahrungswerte und Hintergründe, die wir dann auch einbringen, wenn wir die Songs arrangieren. Der Prozess dahinter ist recht organisch. Auf unserem letzten Album haben wir auch viele Protestsongs aus dem „Civil Rights“-Movement auf  diese Weise neu vertont.

Lassen Sie Ihren Instrumentalisten dabei freie Hand oder machen Sie diesen konkrete Vorgaben?

Es ist eine Mischung aus beidem. Zunächst wählen wir Sänger zu dritt die Songs für die Tourneen und Alben aus und machen uns erste Gedanken darüber, wie diese klingen könnten, was für ein „Feeling“ der jeweilige Song besitzt. Wenn wir dann mit den Musikern zusammenkommen, spielen wir gemeinsam mit Ideen, in die sich jeder einbringen darf. Jeder Mitwirkende soll dabei die Gelegenheit haben, mit seinem Beitrag zu glänzen.

Erhalten Sie für diese Vorgehensweise manchmal auch Kritik von Puristen und Traditionalisten?

Nicht wirklich. Wir Sänger stammen aus verschiedenen Städten der USA und wurden dort sehr kirchlich erzogen, sangen seit unserer Kindheit in Kirchenchören und so weiter. Selbst von unseren dortigen, recht konservativen Gemeinden erhalten wir gutes Feedback, da die Menschen wissen und hören, dass wir die musikalischen Vorlagen mit großem Respekt behandeln. Was uns wirklich wichtig ist: Wir wollen nicht nur einen perfekten Job abliefern und unsere Musik so professionell und exzellent präsentieren, sondern unser Publikum mit unserer Musik berühren und hoffentlich inspirieren, ihre Mitmenschen gut zu behandeln. Wir wollen eine Vision der Welt erhalten, die von Barmherzigkeit, Menschlichkeit, Fairness und Gerechtigkeit geprägt ist.

Sie erwähnten zuvor das „Civil Rights Movement“, das wie alle gesellschaftlichen Umbruchbewegungen neben friedlichem Protest bisweilen auch Gewalt beinhaltete. Wie gelingt es Ihnen heute, angesichts der Nachrichtenlage Ihre Friedfertigkeit aufrecht zu erhalten?

Ich wurde 1952 in Texas geboren, also noch vor dem „Civil Rights Movement“. Ich erinnere mich noch gut daran, im Bus immer hinten sitzen und aus separaten Wasserfontänen trinken zu müssen, mich nicht frei durch die Städte und Gemeinden bewegen zu dürfen. Und natürlich an die stetige Angst, dass der Ku-Klux-Klan ein Kreuz auf dem Grundstück meiner Familie niederbrennen, uns entführen und aufknüpfen könnte – unter dieser Grausamkeit und Tyrannei bin ich aufgewachsen. Ich bin kein gewalttätiger Mensch und heiße Gewalt niemals gut, glaube aber, dass es manchmal durchaus auch etwas drastische Maßnahmen braucht, um überhaupt Aufmerksamkeit für ein Problem zu erzeugen. Ich glaube, dass die Mehrheit der Menschen gut ist. Und wenn sie auf ein Problem hingewiesen und an ihre Gutherzigkeit appelliert wird, ist sie auch bereit, Veränderungen herbeizuführen. Gesellschaftliche Probleme sind natürlich niemals simpel und schwarz-weiß, aber wenn man Menschen andere Perspektiven aufzeigen kann, führt dies zu Lösungen. Ein Problem der heutigen Gesellschaft ist meines Erachtens, dass gewisse gesellschaftliche Kräfte viel Zeit und Mühen darauf verwenden, die jeweilige Gegenseite zu dämonisieren und entmenschlichen. Ein Vorteil, den wir in dieser Hinsicht als Musikgruppe haben, ist, dass die meisten Menschen lieber Musik als Vorträge und Reden hören. Musik verbindet, führt zusammen und kann ihren Zuhörern auch die Botschaft vermitteln, dass wir alle menschliche Wesen und in unseren Bedürfnissen gleich sind. In vielerlei Hinsicht wünschen wir uns alle dasselbe – zum Beispiel Sicherheit, ein angstfreies Leben, eine gesicherte Existenz, die Möglichkeit, uns ausdrücken zu können und kreativ zu sein, menschliche Nähe und Verbundenheit. Unsere musikalische Botschaft ist von Hoffnung geprägt. Meine eigene Erfahrung ist, dass alles, was Gewalt jemals bewirkt hat, ist, noch mehr Gewalt zu schaffen.

Glauben Sie angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zustände auch in der westlichen Welt, dass eine breit aufgestellte Friedensbewegung auch heutzutage noch möglich wäre?

Ich glaube schon, sage dies aber im Bewusstsein, dass derartige Probleme und Antworten niemals einfach, sondern stets hochkomplex sind. Doch wenn unterschiedliche Personengruppen erst einmal bereit sind, in einen gemeinsamen Diskurs zu treten, lassen sich auch gemeinsam Lösungen und Antworten erarbeiten. Was derzeit aus meiner Sicht passiert ist, das gewisse Mächte nicht möchten, das große Menschengruppen Gemeinsamkeiten herausfinden und Solidarität üben. Stattdessen sollen sie sich gegenseitig nicht als menschliche Wesen, sondern vor allem als Bedrohung wahrnehmen. Ich glaube, dass es für alle Menschen genug auf der Erde gibt. Manche wollen jedoch immer mehr besitzen und spielen dafür andere gesellschaftliche Gruppen gegeneinander aus, indem sie diese als Bedrohung darstellen, zum Beispiel indem sie sagen: „Diese Gruppe von Menschen ist Schuld daran, dass Dein Gehalt zu niedrig ist“ oder „Die kommen hier rein und nehmen sich, was eigentlich Deins wäre.“ Als Kind hörte ich sehr oft zwei Geschichten. Die eine stammt aus der Bibel, die berühmte Speisung der Zehntausend. Das andere ist ein Märchen über einen magischen Suppenstein. In beiden Geschichten geht es darum, dass eine Notsituation die Menschen dazu bringt, das zu teilen, was sie haben – und in beiden Geschichten ist auf diese Weise dann genug für alle da. Ich erwähne dies, weil ich glaube, dass in ihnen eine Wahrheit ist, die auch heute gilt: Wir als Menschen haben so viele Ressourcen – nicht nur Essen und Geld, sondern vor allem intellektuelle und kreative Fähigkeiten, und wenn wir uns gestatten, diese mit unseren Mitmenschen zu teilen, würde dies die Welt verbessern. Das mag sehr simplifiziert klingen, aber wenn man dies als Basis nimmt, Menschen als menschliche Wesen wahrzunehmen und ihnen zu ermöglichen, ihre Talente und Fähgkeiten auszuschöpfen und in die Gesellschaft einzubringen, können wir alle davon profitieren – nicht nur in einem bestimmten Land, sondern weltweit.

Das Interview führte Christian Pfeiff.

Zur Person

Marcus Mosely

wurde in Texas geboren und lebt heute nach Reisen und Aufenthalten in vielen Ländern und Kontinenten in Kanada. Auf eine Anfrage des kanadischen Bluesman Jim Byrnes, der einen Backgroundchor für eine Studioaufnahme suchte, entstand der Kontakt zu Will Sanders und Khari McClelland, mit denen Mosely im Anschluss an die Studioaufnahmen die „Sojourners“ formierte. Zur Band gehören ebenfalls Schlagzeuger Geoff Hicks, Gitarrist Paul Pigat und Bassist Rob Becker.

Zur Sache

Konzert im Kito

Gleich an zwei Tagen werden die „Sojourners“ im Rahmen ihrer aktuellen Deutschland-Tournee im KITO zu sehen sein: Sowohl am Mittwoch, 5. Dezember als auch am Donnerstag, 06. Dezember werden sie im KITO ihre Botschaft des Friedens und der Menschlichkeit verbreiten. Beide Konzerte beginnen um 20.00 Uhr, Karten sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse erhältlich.


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Michalek am 20.10.2019 17:37
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Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...