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Offene Pforte 2019
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Verstecktes Paradies in Vegesack

Julia Ladebeck 12.06.2019 0 Kommentare

Susanne Meyer-Hackmann hat den Garten gemeinsam mit ihrem Mann so bepflanzt, dass im Jahresverlauf immer etwas blüht. Derzeit sind es die Rosen.
Susanne Meyer-Hackmann hat den Garten gemeinsam mit ihrem Mann so bepflanzt, dass im Jahresverlauf immer etwas blüht. Derzeit sind es die Rosen. (fotos: Christian Kosak)

Vegesack. Wer vor dem schmalen Kapitänshaus an der Weserstraße 26 steht, ahnt nichts von dem blühenden Paradies, das sich dahinter verbirgt. Vor allem die Größe des Gartens überrascht. In der Regel sind die Grundstücke dieser Häuserreihe mit rund 50 Metern zwar lang, dafür aber ziemlich schmal. Susanne Meyer-Hackmann und Gerd Hackmann haben aus zwei Gärten einen gemacht.

Entstanden ist ein rund 1400 Quadratmeter großes Ensemble aus Staudenbeeten, Ziergehölzen, Obstbäumen, einem Teich, mehreren Sitzplätzen und einem Spielbereich für die Enkel. Am 15. und 16. Juni öffnet das Ehepaar seinen Garten erstmals im Zuge der Veranstaltungsreihe „Die offene Pforte“ für die Öffentlichkeit.

„In den vergangenen fünf Jahren haben wir es geschafft, dass im Garten das ganze Jahr über etwas blüht“, erzählt Susanne Meyer-Hackmann. Sie bleibt stehen und blickt auf einen mehrere Meter hohen, blühenden Jasminstrauch. Daneben liegt der Teich, in dem derzeit neben Goldfischen auch zahlreiche Kaulquappen herumwuseln und Seerosen blühen. Regelmäßig lässt sich ein Fischreiher sehen und Libellen kreisen über dem Wasser.

Die Anlage des Teichs und eines Sitzplatzes im Schatten des Jasmins gehörten zu den ersten Projekten, die das Ehepaar anging, nachdem es das alte Kapitänshaus mit der Hausnummer 26 im Jahr 1984 gekauft hatte. „Das Haus gehörte einer älteren Dame. Der Garten war damals über mehrere Jahre mehr oder weniger sich selbst überlassen – abgesehen davon, dass ein Gärtner den Rasen mähte“, sagt die 62-jährige Susanne Meyer-Hackmann.

Mehrere große Fichten warfen damals viel Schatten auf das Grundstück. Dazu gab es zahlreiche alte Obstbäume. „Die Fichten haben wir fällen lassen. Die Obstbäume waren leider krank und sind nach und nach eingegangen. Wir haben aber für jeden mindestens einen neuen gepflanzt“, betont Gerd Hackmann. Fünf verschiedene Apfelbaum-Sorten – Cox Orange, Rote Sternrenette, Jakob Lebel, Alkmene und eine Boskop-Variation – und dazu ein Quitten-, ein Birn-, ein Kirsch-, ein Pflaumen- und ein Walnussbaum wachsen heute auf dem Grundstück.

Die Rote Sternrenette hat das Paar zur Geburt seines ersten, heute sieben Jahre alten Enkels gepflanzt. Für den zweiten Enkel gab es vor vier Jahren den Birnbaum. „Jetzt ist unser drittes Enkelkind unterwegs. Da werden wir wahrscheinlich einen neuen Kirschbaum pflanzen“, verrät Gerd Hackmann. Dazu liefern Obststräucher, Johannis- und Brombeeren, eine reiche Ernte. Aus den Äpfeln und Quitten lässt das Paar Saft machen, aus den Beeren wird Gelee gekocht. „Wir kaufen nie Marmelade und das Obst lagern wir. Bis März können wir unsere eigenen Äpfel essen“, so der 67-Jährige.

Wie genau ihr Garten einmal aussehen sollte, davon hatten Susanne Meyer-Hackmann und Gerd Hackmann selbst keine genauen Vorstellungen. „Wir hatten keinen Plan. Wir haben uns auch nicht beraten lassen“, erzählt Susanne Meyer-Hackmann. „Ich wusste nur, dass ich etwas ernten möchte und dass der Garten blühen soll. Wir haben einfach in einer Ecke angefangen und uns dann nach und nach vorgearbeitet.“

Nicht allein der Garten ist ein Projekt, der das Ehepaar seit mittlerweile 35 Jahren beschäftigt. „Eigentlich haben wir auch das Haus 35 Jahre lang renoviert“, sagt Gerd Hackmann schmunzelnd. Der Wasserbauingenieur und die Berufsschullehrerin, beide sind mittlerweile im Ruhestand, suchten damals nach einem Wohnort, der von ihren beiden Arbeitsstellen in Rastede und Osterholz-Scharmbeck gut erreichbar war. „Wir haben eigentlich von einem alten Bauernhaus geträumt und uns in der Wesermarsch umgesehen. Das war uns aber doch zu abgelegen.“

Auf das alte Kapitänshaus an der Weserstraße – es wurde 1840 erbaut und steht wie die Nachbarhäuser unter Denkmalschutz – wurden Susanne Meyer-Hackmann und Gerd Hackmann durch eine Verkaufsanzeige in der Zeitung aufmerksam. „Wir haben uns damals gesagt: Lass es uns anschauen. Wir dachten eigentlich, dass wir das finanziell nicht stemmen können.“ Weil das Paar der Besitzerin sympathisch war, kam sie ihm beim Kaufpreis entgegen und so wurden beide Besitzer des Hauses samt Garten.

1986 wurde ihre Tochter geboren. Unter anderem, um den Balkon kindersicher zu machen, ersetzten sie damals die Stahlkonstruktion durch einen Holzbalkon, von dem eine Treppe in den Garten hinabführt. Stück für Stück gestalteten sie ihren Traumgarten. Ein großer Einschnitt kam 2011, als das Paar das Nachbarhaus mit Grundstück dazukaufte. Dadurch wurde eine Erweiterung möglich. Der Garten, der bisher zwar lang war – er reicht bis an die Fedelerstraße – konnte nun in der Breite erheblich vergrößert werden. Für die künftigen Mieter des Nachbarhauses gestalteten sie eine gemütliche, durch eine Hecke begrenzte Terrasse.

Fotos von dem Grundstück aus dem Jahr 2012 lassen nicht erahnen, wie schön der Garten einmal werden würde: Sie zeigen nichts als eine kahle Fläche. „Wir haben den Boden damals einen halben Meter tief auskoffern und neuen Mutterboden aufschütten lassen, weil wir hier Giersch hatten“, erläutert Gerd Hackmann den Grund. Die japanische Zierpflanze Giersch ist ein Neophyt, der durch seine extreme Wuchskraft andere Pflanzen verdrängt.

Nach diesem massiven Eingriff war die Vergrößerung des Beetes, das sich damals an der Grundstücksgrenze befand und einen ovalen Halbkreis bildete, einer der ersten Schritte. „Wir konnten das Beet nun zur anderen Seite quasi verdoppeln“, erzählt Susanne Meyer-Hackmann. Weitere lauschige Sitzplätze entstanden, und für ihre Enkelkinder haben Susanne Meyer-Hackmann und Gerd Hackmann mehrere Gemüse- und Kräuterbeete angelegt. Auch eine große Spielecke mit Sandkiste, Wasserlauf und eigenem Sitzplatz für den Nachwuchs sind entstanden.

Inzwischen bietet der Garten das ganze Jahr über eine Blütenpracht. Von Dezember bis zum Februar blüht der Winterjasmin, parallel Christrosen, Winterlinge und Schneeglöckchen. Ihnen folgen die Frühlingsblüher: Forsythien, Vergissmeinnicht, Osterglocken, Krokusse und Tulpen strecken früh im Jahr ihre Köpfe aus der Erde. Im April entfaltet die Magnolie ihre Pracht und die Obstbäume blühen. Im Mai kommen einige Rhododendren hinzu; dazu sorgt Zierlauch für prächtig violette Blütenkugeln in den Beeten. Der Juni ist der Rosenmonat: Mehr als 50 Rosenpflanzen zieren das Grundstück, darunter auch Heckenrosen, die nach ihrer Blütezeit leuchtend rote Hagebutten bilden.

Für die sonnigen Staudenbeete haben die Gartenbesitzer Pfingstrosen, Fette Henne, Phlox und Gräser ausgewählt. Im Halbschatten und Schatten gedeihen unter anderem Akelei, Fingerhut, Farne, Frauenmantel und Funkie besonders gut. Im Hochsommer wachsen rote und orangefarbene Dahlien im hinteren Bereich des Gartens bis zu zwei Meter in die Höhe. Im Herbst kommt zur Blüte der Stauden die zumeist reiche Obsternte hinzu.

„In den vergangenen Jahren habe ich vermehrt darauf geachtet, bienenfreundliche Pflanzen zu setzen“, erzählt Susanne Meyer-Hackmann. Dazu bieten Insektenhotels und mehrere Ecken mit Totholz Käfern, Ameisen und Bienen Unterschlupf. Auch andere Tiere – Igel, Eichhörnchen, einen Marder und eine Ringelnatter – hat das Paar hier schon gesichtet. „Dazu haben wir hier ganz viele Vögel“, erzählt Gerd Hackmann und zählt auf: „Rotkehlchen, Specht, Zaunkönig, Meisen, Spatzen, Amseln und Eichelhäher.“

Nun sollen erstmals Gartenfans einen Blick in diesen lauschigen Platz mitten in städtischer Lage werfen dürfen. „Wir besuchen selbst gerne andere Gärten, und wenn wir Feste mit Verwandten, Freunden und Kollegen im Garten gefeiert haben, wurde uns immer wieder empfohlen, bei der ,Offenen Pforte‘ mitzumachen“, sagt Susanne Meyer-Hackmann.

Zur Sache

Besichtigungsmöglichkeit im Juni

Die offene Pforte – Gärten im Kulturland Teufelsmoor: Im Zuge dieser Veranstaltungsreihe öffnen Susanne Meyer-Hackmann und Gerd Hackmann ihren Garten in Vegesack, Weserstraße 26, am Sonnabend und Sonntag, 15. und 16. Juni, jeweils von 10 bis 17 Uhr, für Besucher. Freiwilliger Kostenbeitrag: zwei Euro pro Erwachsenen.


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