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Volksbühne und Speeldeel lösen sich in Lesum auf

Imke Molkewehrum 06.10.2019 0 Kommentare

Mit dem Stück „Happy end nich utsloten“ verabschiedete sich das Ensemble der Lesumer Speeldeel in der Blumenthaler Martin Luther-Gemeinde von der Bühne. Der Verein wird sich vermutlich bei der nächsten Jahreshauptversammlung auflösen.
Mit dem Stück „Happy end nich utsloten“ verabschiedete sich das Ensemble der Lesumer Speeldeel in der Blumenthaler Martin Luther-Gemeinde von der Bühne. Der Verein wird sich vermutlich bei der nächsten Jahreshauptversammlung auflösen. (Christian Pfeiff)

Die Webseite der Lesumer Speeldeel ist seit 14 Tagen gelöscht. Vergeblich hat das Ensemble auf jugendlichen Nachwuchs gehofft und nun die Konsequenz daraus gezogen – 82 Jahre nach  Gründung des plattdeutschen Theaters, das später unter dem Namen „Niederdeutsche Bühne Bremen-Lesum“ ins Vereinsregister eingetragen wurde. „Wir sind jetzt dabei, uns aufzulösen“, sagt die erste Vorsitzende Hedwig Menzel. Im letzten Akt der Theatergruppe fungiert sie als Liquidatorin.

„Wir müssen laut Satzung Plattdeutsch spielen, aber junge Leute mit Plattdeutsch-Kenntnissen sind kaum zu finden“, erklärt die Nordbremerin. Mit von der Partie war meist die inzwischen verstorbene Irene Lüken, die noch mit 90 Jahren auf der Bühne stand. „Ich selbst musste einmal die Enkelin von einem etwa gleichaltrigen Kollegen spielen. Das war für die Maske eine echte Herausforderung“, sagt die 57-Jährige und lacht.

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Aber auch hinter den Kulissen gestaltete sich der Ablauf für die Ehrenamtlichen immer schwieriger. Problematisch wurde der Mangel an technischen Helfern. „Stellwände, Möbel, die Traverse für die Beleuchtung – wir mussten ja alles selbst auf- und abbauen und im Transporter verladen. Man muss sich dann irgendwann eingestehen, dass das körperlich nicht mehr möglich ist.“

Auftritte an einem einzigen Spielort seien nicht möglich gewesen, erklärt Menzel. „Wir hätten den Raum nicht mehrfach füllen können. Und den bekommt man nun mal nie gratis.“ So ist die Lesumer Speeldeel zwischen November und März umher getingelt und fünf bis acht Mal aufgetreten. Premiere war traditionell in der Lesumer Schule Am Mönchshof. Danach trat das Ensemble auch in Oslebshausen oder Ganderkesee auf. Und Silvester immer in Schwanewede. Jeweils ab April hat die Speeldeel wöchentlich für das neue Stück geprobt.

Im Schnitt 20 Mitglieder

„Im Schnitt waren wir 20 Mitglieder“, sagt Hedwig Menzel. Sie selbst sei 2013 über die Schwiegereltern ihres Sohns zum Theaterspielen gekommen. „Die haben mehr als 30 Jahren mitgespielt und mich als Urlaubsvertretung angefragt.“ Ihren ersten Auftritt hatte Hedwig Menzel in „Miss Sophies Arvskupp“, auf Hochdeutsch: Miss Sophies Erbschaft. Das war gewissermaßen die Fortsetzung von „Dinner for One“. Die Erben der inzwischen verstorbenen Teilnehmer an der Dinner-Gesellschaft kommen zusammen, um den Nachlass zu regeln. Menzel: „Das war sehr amüsant und hat viel Spaß gemacht.“

Hatte Hedwig Menzel mal einen Texthänger, verfiel sie automatisch ins Ostfriesenplatt, das sie von Haus aus kennt. „Da gibt es andere Wörter als im Bremer Platt", sagt sie. Die Kollegen hätten sich darüber amüsiert. „Wir haben natürlich auch keine Zweitbesetzung“, erzählt Menzel. Daher seien einige Schauspieler sogar mit Grippe aufgetreten. Trotz aller Mühe: Bereits im Januar fiel für alle der letzte Vorhang. Mit dem Stück „Happy end nich utsloten“ verabschiedete sich das Ensemble in der Blumenthaler Martin Luther-Gemeinde.

Ein Happy End war das nicht. „Das Ganze ist schwierig für uns, aber irgendwie aber auch ein Befreiungsschlag, weil man aufrecht erhalten hat, was eigentlich nicht mehr zu schaffen war“, resümiert Hedwig Menzel. Trotzdem sei es natürlich traurig, die Requisiten wegzugeben. „Andere Bühnen haben sich was ausgesucht. Das Statt-Theater hat beispielsweise die Lichtanlage gekauft.“ Verkauft wurde auch der Transporter. „Den Erlös bekommt der Senator für Kultur. So steht es in der Satzung“, sagt Menzel.

So bitter der Schlussstrich auch war, einige Ensemble-Mitglieder strecken schon die Fühler nach neuen Herausforderungen aus. „Sieben von uns waren kürzlich als Komparsen in Haren an der Ems beim Set für den ARD-Film „Was wir wussten – Die Risikopille“.  Da haben wir uns beworben, und die brauchten gerade diese Altersgruppe. Wir mussten mal in einem Sitzungssaal sitzen oder auch durchs Bild laufen“, sagt die Nordbremerin. „Make-up war nicht nötig, aber wir sollten bestimmte Kleidung mitbringen. Ob man uns später rausschneidet, werden wir sehen.“

Lüssumer Volksbühne mit gleichen Problemen

Bevor die Lesumer das Ende der Speeldeel beschlossen haben, hatten sie auch Kontakt zu ihren Leidensgenossen von der „Lüssumer Volksbühne“. „Angedacht wurde eine Fusion, aber wir haben ja die gleichen Probleme“, sagt der erste Vorsitzende Christoph Pokorny. Bei der Lüssumer Volksbühne spielen  zwar zwei junge Frauen mit, „aber alle anderen sind über 70“, sagt er. Ein Liebespaar sei bei dieser Konstellation nicht sehr glaubhaft.

„Auch uns fehlen die 30 bis 60-Jährigen. Deshalb ist der letzte Vorhang gefallen. Wir sind aber noch nicht ganz weg, weil wir noch ein paar Sketche einstudieren", sagt Pokorny. Für Aufführungen sieht der 72-Jährige aber eher schwarz. Für die Darsteller sei das Spielen zwar ein Hobby, aber Benzingeld und andere Ausgaben müssten refinanziert werden.

Nach 110 Jahren werden die verbliebenen zwölf Mitglieder daher auf der nächsten Jahreshauptversammlung im Februar über das Schicksal der Lüssumer Volksbühne entscheiden. Pokorny: „Die Webseite ist stillgelegt. Wir haben uns vom abendfüllenden Programm verabschiedet und es ist vorauszusehen, dass der Verein abgemeldet wird.“


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Wesersteel am 23.10.2019 10:50
Klimanotstand...................sind den ALLE nur noch ganz viel Bluna ?
WESER-KURIER_Onlineredaktion am 23.10.2019 10:44
Danke für den Hinweis. Das Gelände wurde vor 14 Jahren erworben. Die Fläche ist elf Hektar groß. Wir haben das korrigiert.